
Dürre-Schock bei Stihl: Wenn das Gras nicht wächst, bricht der Umsatz ein

Der Motorsägen-Riese Stihl kassiert seine Umsatzprognose für 2026. Statt stabiler Erlöse rechnet Vorstandschef Michael Traub inzwischen mit einem leichten Minus im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Und ausgerechnet im 100. Jubiläumsjahr warnt der Manager offen vor dem Standort Deutschland.
Das Jubiläumsjahr verdorrt
Dabei klang im Mai noch alles nach Feierlaune. Bei der Bilanzvorlage peilte das Familienunternehmen aus Waiblingen für 2026 einen stabilen Umsatz an. Daraus wird nichts. Nach den Worten Traubs in einem Zeitungsinterview werden die Erlöse unter den 5,48 Milliarden Euro aus dem Vorjahr liegen.
Dieser Wert war noch ein Erfolg. Laut Unternehmensbericht legte Stihl 2025 um 2,8 Prozent zu, ohne Wechselkurseffekte wären es sogar 5,8 Prozent gewesen. Mehr als 90 Prozent des Geschäfts machen die Schwaben im Ausland.
Kein Gras, kein Geschäft
Den Hauptgrund für die Korrektur sieht der Konzernchef im Wetter. Die anhaltende Trockenheit in Europa treffe genau die Märkte, die im Vorjahr noch fürs Wachstum gesorgt hätten. Traub erklärte das Problem mit entwaffnender Schlichtheit:
"Unser Geschäft ist es, hohes Gras kürzer zu machen. Und wenn Gras und Gebüsch wegen der Hitze austrocknen und nicht mehr wachsen, brauchen die Kunden auch weniger Schneidgeräte."
Klingt banal, ist aber knallharte Ökonomie. Wo nichts wächst, wird nichts geschnitten. Und wo nichts geschnitten wird, bleiben Freischneider und Heckenscheren im Regal liegen.
Der eigentliche Alarm: Standort Deutschland
Die Dürre ist eine Laune der Natur. Viel ernster ist, was Traub über die Heimat sagt. Die hohen Lohnstückkosten in Deutschland bereiteten ihm Sorgen. Werke schließen müsse man derzeit nicht, sagte er. Der Nachsatz sitzt aber: "Aber es werden auch nicht mehr."
Noch deutlicher wird er bei der Zukunftstechnologie schlechthin. Akkugeräte ließen sich hierzulande nicht wirtschaftlich fertigen, so Traub. Die Fakten passen dazu: Sein erstes Akku-Werk hat Stihl im Oktober 2025 nicht in Baden-Württemberg eröffnet, sondern im rumänischen Oradea.
Ein Viertel USA, ein Viertel China
Das Unternehmen produziert längst global. Jeweils ein Viertel der gesamten Fertigung läuft inzwischen in den USA und in China. Die Fertigung benzinbetriebener Profi-Geräte in Deutschland sei zwar nicht bedroht, einen Personalabbau sieht Traub derzeit nicht. Doch wohin das Wachstum künftig wandert, dürfte damit klar sein.
Für die Politik in Berlin ist das eine bittere Botschaft. Seit Jahren beschwören Regierungen den Umstieg auf Akku und Elektro. Doch die Fabriken für diese neue Welt entstehen offenbar dort, wo Arbeit und Energie bezahlbar sind. Die Große Koalition unter Friedrich Merz hat Entlastungen versprochen. Bei Mittelständlern wie Stihl kommt davon bisher erkennbar wenig an.
Stark genug für den langen Atem
Und trotzdem gibt sich Traub kämpferisch. In zehn Jahren werde Stihl der "last man standing" sein, also der Technologieführer, der am längsten durchhalten könne. Großspurig? Vielleicht. Die Bilanz gibt ihm aber Rückendeckung.
Laut Unternehmensbericht lag die Eigenkapitalquote Ende 2025 bei satten 71,2 Prozent. Investitionen finanziert Stihl grundsätzlich aus eigener Tasche, weltweit arbeiteten zuletzt gut 20.000 Menschen für die Gruppe. Solide Substanz statt Schulden auf Pump: ein Familienunternehmen, das seit 1926 vorlebt, was die Finanzpolitik in Berlin offenbar verlernt hat.
Die Frage ist nur, wie lange dieses Fundament in Deutschland noch trägt. Wenn selbst ein Vorzeigebetrieb wie Stihl neue Werke lieber in Rumänien, den USA oder China baut, ist das ein Warnsignal für die ganze Republik. Die Trockenheit geht irgendwann vorbei. Bei den Standortproblemen ist das alles andere als sicher.
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