
E-Auto-Prämie: Jedes vierte geförderte Auto kommt aus China!

Drei Milliarden Euro Steuergeld sollten den deutschen Autobauern beim Umstieg auf den Strom helfen. Doch eine Auswertung der WirtschaftsWoche zeigt: Unter den 20 am häufigsten mit der neuen Kaufprämie erworbenen Modellen wurde jedes vierte in China gebaut. Ausgewertet wurden Daten des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA), das die Förderung bewilligt.
15 Prozent, 25 Prozent – und der Trend zeigt nach oben
Die BAFA-Präsidentin bezifferte den Anteil chinesischer Marken unter den bewilligten Anträgen in einem Podcast auf rund 15 Prozent. Der Anteil in China produzierter Fahrzeuge liegt laut der Analyse deutlich höher – bei 25 Prozent. Denn auch Tesla, Volkswagen oder Dacia lassen längst in Fernost fertigen.
Zum Vergleich: Am gesamten deutschen Pkw-Markt kamen chinesische Hersteller laut Zahlen der Beratung EY im Juli auf 7,4 Prozent, im Januar waren es 5,3 Prozent. Bei reinen Elektroautos sind es schon 14 Prozent nach 10,4 im Januar. Die geförderten Käufe liegen also über dem Markttrend – gefördert wird, was ohnehin gerade Marktanteile gewinnt.
Deutsche Hersteller rutschen ab
Umgekehrt schrumpft der Anteil der deutschen Anbieter am E-Auto-Markt von 59,8 Prozent im Januar auf zuletzt 54,3 Prozent. Der Autoexperte Stefan Bratzel kommt in seiner Untersuchung auf einen ähnlichen Rückgang und warnt, dass sich die Kräfteverhältnisse selbst auf dem Heimatmarkt dauerhaft verschieben könnten. Förderpolitik und Regulierung müssten so gestaltet werden, dass die Wertschöpfung in Europa bleibe, fordert er Medienberichten zufolge.
Ein Konstruktionsfehler springt ins Auge: Die Prämie gilt nur für private Käufer. Gewerbliche Flottenkunden – die traditionell häufiger deutsche Marken ordern – gehen leer aus. Wer solche Details übersieht, subventioniert am Ende die Konkurrenz.
Händler melden Bestellboom bei MG und BYD
Eine Umfrage des Verbands der Automobilhändler Deutschlands unter seinen Mitgliedern ergab: Vor allem Importmarken profitieren. Bei MG und BYD legten die Bestelleingänge im Schnitt um 50 bis 75 Prozent zu. Bis Ende Juli wurden bereits 31.492 neue BYD zugelassen – ein Plus von 322,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Und das ist erst der Anfang: Anträge sind erst nach der Zulassung möglich, ein Großteil der bestellten Fahrzeuge wartet noch auf Auslieferung. Pikant: Während Brüssel mit Zusatzzöllen – bei BYD rund 17 Prozent plus zehn Prozent Basiszoll – die europäische Industrie schützen will, wirkt die Berliner Prämie wie ein Gegenprogramm.
Der Minister und die Realität
Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) gab sich Mitte Januar bei der Vorstellung der Förderung entspannt:
Ich kann den Großeinbruch chinesischer Hersteller nicht sehen – weder an den Zahlen noch auf den Straßen.
Sieben Monate später sprechen die Zahlen eine andere Sprache. Von den drei Milliarden Euro sind bis August erst 117 Millionen ausgezahlt, 26.875 Anträge bewilligt – bei rund 103.500 eingegangenen Anträgen. CSU-Chef Markus Söder und Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) fordern deshalb eine Reform im Herbst, das ifo-Institut hält die Prämie überhaupt für verzichtbar.
Aus Sicht unserer Redaktion ist das ein Lehrstück: Subventionsprogramme, die am Markt vorbei konstruiert werden, verbrennen Steuergeld – und stärken ausgerechnet jene, die man eigentlich bremsen wollte. Der Topf ist noch voll. Nachbessern wäre möglich. Der politische Wille müsste nur da sein.
Hinweis: Dieser Beitrag gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Wer Vermögen aufbauen oder absichern möchte – etwa durch physische Edelmetalle als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio –, sollte eigenständig recherchieren und Entscheidungen in eigener Verantwortung treffen.
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