
Forschungs-Flaute an Unis: Drittmittel je Professor sinken!

Deutschlands Universitätsprofessoren haben 2024 weniger Geld für ihre Forschung eingeworben als im Jahr davor. Wie das Statistische Bundesamt mitteilt, kam jeder Professor im Schnitt auf 325.400 Euro Drittmittel. Das sind 6.800 Euro oder 2,1 Prozent weniger als 2023. Das Minus wirkt klein, für den Innovationsstandort Deutschland ist es trotzdem ein Warnsignal.
Drittmittel: Die Währung der Spitzenforschung
Drittmittel sind Gelder, die Hochschulen zusätzlich zur staatlichen Grundfinanzierung einwerben. Sie stammen etwa vom Bund, von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) oder aus der Wirtschaft. Um diese Mittel konkurrieren die Hochschulen in einem harten Wettbewerb.
Mit dem Geld werden vor allem befristete Projekte, Forschungsverbünde und zusätzliche Stellen bezahlt. Wer viele Drittmittel holt, gilt als forschungsstark. Die Kennzahl ist damit eine Art Leistungszeugnis für die Hochschulen.
Aachen vorn, MĂĽnchen mit dem dicksten Topf
An der Spitze steht wie schon in den Vorjahren die RWTH Aachen. Dort kamen auf jede Professur 1.160.400 Euro. Auf den Plätzen folgen die TU München mit 891.100 Euro und die Universität Stuttgart mit 860.500 Euro. Die Medizin und die Gesundheitswissenschaften zählen bei diesem Vergleich nicht mit, weil dort besonders viel Geld fließt und das Bild verzerren würde.
Bei der Gesamtsumme liegt dagegen München vorn: Die TU München warb 436 Millionen Euro ein, die RWTH Aachen 403 Millionen und die TU Dresden 296 Millionen Euro. Der Wert je Professur zeigt also die Stärke pro Kopf. Die Gesamtsumme zeigt, wie viel Forschung eine Hochschule insgesamt stemmen kann.
Ingenieure räumen ab, Geisteswissenschaften weit dahinter
Je nach Fach gehen die Summen weit auseinander. Hier die Drittmittel je Universitätsprofessor, diesmal mit den medizinischen Einrichtungen:
- Ingenieurwissenschaften: 715.600 Euro
- Humanmedizin und Gesundheitswissenschaften: 707.400 Euro
- Agrar-, Forst-, Ernährungswissenschaften und Veterinärmedizin: 391.500 Euro
- Rechts-, Wirtschafts- und Sozialwissenschaften: 164.400 Euro
- Geisteswissenschaften: 147.800 Euro
- Kunst und Kunstwissenschaft: 94.800 Euro
Auch zwischen den Hochschularten ist die Lücke groß. Professoren an Fachhochschulen (ohne Verwaltungsfachhochschulen) kamen im Schnitt auf 53.300 Euro, an Kunsthochschulen waren es nur 23.800 Euro. Über alle Hochschulen hinweg ergibt das 225.700 Euro je Professor. Über die Qualität eines Fachs sagen diese Zahlen allerdings nur begrenzt etwas aus. Förderstrukturen, Projektgrößen und Kosten sind je nach Fach sehr verschieden.
Auf dem Papier ein Plus, in Wahrheit ein Verlust
Ein Blick auf die Gesamtzahlen macht die Lage deutlich. Laut Statistischem Bundesamt warben alle Hochschulen 2024 zusammen 10,7 Milliarden Euro Drittmittel ein. Das sind nur 0,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Inflationsrate lag 2024 nach offiziellen Zahlen aber bei 2,2 Prozent. Gemessen an der Kaufkraft ist das Geld fĂĽr die Forschung also weniger geworden.
Auffällig ist, woher das Geld kam: Der Bund blieb mit 3,4 Milliarden Euro zwar der größte Geldgeber, legte aber nur um 1,1 Prozent zu. Die DFG steigerte ihre Mittel um 2,5 Prozent auf 3,2 Milliarden Euro. Am stärksten wuchs die Förderung aus der gewerblichen Wirtschaft, nämlich um 7,5 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro. Die Ausgaben der Hochschulen stiegen im selben Jahr insgesamt um 5 Prozent auf 79,2 Milliarden Euro.
Die Rechnung fĂĽr die Politik
2024 regierte noch die Ampel-Koalition. Die Bilanz dieses Jahres passt zu einer Regierung, die aus Sicht vieler Kritiker lieber umverteilt als investiert hat. Die schwarz-rote Koalition unter Friedrich Merz plant nun ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro, finanziert auf Pump. Die Frage liegt nahe: Wie viel davon erreicht tatsächlich die Labore, in denen die Technik von morgen entsteht?
Aachen, München, Stuttgart und Dresden bilden seit Jahrzehnten die Ingenieure für den Maschinenbau, die Autoindustrie und die Halbleiterbranche aus. Wenn ausgerechnet dort das Geld real knapper wird, ist die Wettbewerbsfähigkeit des Landes in Gefahr. Wissenschaftspolitik muss zwei Dinge leisten: Spitzenleistung belohnen und zugleich eine verlässliche Grundfinanzierung sichern, die auch Fächer mit weniger Drittmitteln trägt. Beides kostet Geld, und darüber muss Berlin nun entscheiden.

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