
Gold rutscht unter 4.200 Dollar: Zinsangst schlägt Kriegsangst!

Der Goldpreis ist zum Wochenstart am Montag deutlich unter die Marke von 4.200 US-Dollar je Unze gefallen. Mit einem Minus von mehr als drei Prozent notiert das Edelmetall so tief wie seit sieben Wochen nicht mehr. Der Auslöser liegt nicht am Persischen Golf, sondern in Washington: Die Märkte fürchten weitere Zinserhöhungen der US-Notenbank.
Medienberichten zufolge fiel der Spotpreis zeitweise auf rund 4.146 Dollar. Silber traf es noch härter, es gab um gut fünf Prozent auf etwa 61 Dollar nach. Auch Platin und Palladium gerieten unter die Räder.
Ein Viertel weg vom Rekord – und trotzdem im Plus
Das Allzeithoch lag im Januar 2026 bei 5.608 Dollar. Seitdem hat Gold rund ein Viertel seines Wertes abgegeben. Klingt dramatisch? Der Blick auf das Jahr relativiert das: Gegenüber dem Vorjahr liegt der Goldpreis noch immer mehr als acht Prozent im Plus. Kurzfristige Anleger bekommen Gegenwind, wer langfristig denkt, gerät deshalb nicht in Panik.
Wer im Rückgang ein Ende der Goldstory sieht, verwechselt Wetter mit Klima. Korrekturen nach steilen Anstiegen gehören am Edelmetallmarkt seit jeher zum Normalfall. Auch der große Goldboom der 1970er-Jahre verlief nie in einer geraden Linie.
Die Fed zieht die Zinsschraube an
Der eigentliche Treiber der Korrektur ist die Geldpolitik. Über Zinssenkungen redet an den Märkten niemand mehr. Diskutiert werden inzwischen weitere Straffungen. Im September hob die Federal Reserve ihre Zielspanne um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent an und beendete damit eine monatelange Pause.
Laut Berichten preisen die Terminmärkte für Oktober mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 65 Prozent einen weiteren Zinsschritt ein. Beth Hammack, Präsidentin der Cleveland-Fed, soll zuletzt auf das robuste Wachstum und den widerstandsfähigen Arbeitsmarkt verwiesen haben. Unter dem neuen Fed-Chef Kevin Warsh tritt die Notenbank spürbar vorsichtiger auf. Deshalb löst jede neue Konjunkturzahl heftige Kursausschläge aus.
Hinzu kommt die ausufernde US-Staatsverschuldung. Sie treibt die Renditen langlaufender Anleihen nach oben. Für Gold, das keine Zinsen abwirft, ist das klassischer Gegenwind: Je höher die Zinsen, desto teurer wird es, Gold zu halten, statt Anleihen zu kaufen.
Hormus: Warum die Krise Gold diesmal bremst
Eigentlich müsste die blockierte Straße von Hormus den Goldpreis anheizen. Stattdessen passiert das Gegenteil. Die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran stecken fest. Berichten zufolge hat Präsident Trump einen iranischen Vorschlag abgelehnt, die Meerenge binnen sieben Tagen wieder zu öffnen. Die Ölsorte Brent soll seit Jahresbeginn um rund 70 Prozent zugelegt haben.
Teures Öl hält die Inflation hoch. Im August lag die US-Teuerung bei 3,40 Prozent. Damit bleibt der Fed kaum Spielraum für eine Lockerung. Die Lage wirkt paradox: Die geopolitische Krise stützt Gold nicht über die Angst, sondern belastet es über den Umweg der Zinsen. Joe Cavatoni, Marktstratege beim World Gold Council, erklärt das so: Gold reagiere derzeit als stark makroabhängiger Wert empfindlicher auf Zinserwartungen als auf Angst.
China kauft weiter
Unter der Oberfläche sieht das Bild deutlich freundlicher aus. Die chinesische Notenbank stockte ihre Goldreserven im Juli den 21. Monat in Folge auf, diesmal um 19,9 Tonnen. Das war der größte Zukauf seit Herbst 2023. Die Nachfrage aus Asien bleibt insgesamt robust.
Zentralbanken handeln nicht wie nervöse Spekulanten. Sie denken in Jahrzehnten, und ihr Vertrauen in Papierwährungen scheint schon länger zu schwinden. In den kommenden Tagen dürften der PCE-Deflator, das bevorzugte Inflationsmaß der Fed, und die US-Arbeitsmarktdaten die Richtung vorgeben.
Für Sparer, die ihr Vermögen gegen Inflation, Schuldenpolitik und geopolitische Risiken absichern wollen, ändert der Rücksetzer an den Grundlagen wenig. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio weiterhin eine sinnvolle Ergänzung sein.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Edelmetallen dar. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.

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