
Gold unter Beschuss: Ölschock und Rekordrenditen drücken den Preis!

Der Goldpreis hat in der vergangenen Woche eine wichtige Marke verloren. Zum Wochenauftakt am 5. Oktober notierte das Edelmetall bei rund 4.135 US-Dollar je Unze. Laut den Edelmetall-Analysten von Heraeus belasten ein Ölpreis um 100 Dollar und die höchsten US-Anleiherenditen seit über zwei Jahrzehnten. Auch beim Silber gibt es Nachrichten: Mexiko, das wichtigste Förderland der Welt, schwächelt.
Die 4.250-Dollar-Linie ist gefallen
Den ganzen September über hatte die Unterstützung bei etwa 4.250 Dollar mehreren Tests standgehalten. Dann gab sie doch nach. Nach Einschätzung von Heraeus waren die hohen Anleiherenditen, ein festerer Dollar und teures Öl am Ende stärker als die Kaufinteressenten auf diesem Niveau.
Seitdem pendelt Gold zwischen 4.100 und 4.200 Dollar. Die nächste große Unterstützung sehen die Analysten bei den bisherigen Jahrestiefs um 4.000 Dollar. Ein Einbruch ist das nicht, eher eine Atempause. Bemerkenswert bleibt, wie lange sich Gold gegen ein zunehmend schwieriges Umfeld gestemmt hatte.
Hormus, Öl und die Inflationsangst
Die Sorte Brent kostete in der vergangenen Woche über weite Strecken rund 100 Dollar je Barrel. Das schürt die Befürchtung, dass die Inflation hoch bleibt und die Notenbanken ihre Geldpolitik länger straff halten müssen. Diplomatisch kommt wenig Entlastung: Medienberichten zufolge hat Präsident Trump einen Sieben-Tage-Plan des Iran zur Wiederöffnung der Straße von Hormus abgelehnt. Teheran prüfe nun einen US-Gegenvorschlag, der das Atomprogramm schon in die ersten Schritte einbeziehen würde.
Dazu kommt der Anleihemarkt. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg auf über 5,3 Prozent, den höchsten Stand seit 2002. Die reale Rendite kletterte über 2,9 Prozent. Für Gold, das keine Zinsen abwirft, steigen damit die sogenannten Opportunitätskosten. Allerdings zeigt die Geschichte auch etwas anderes: Zinsen gleichen den Kaufkraftverlust des Papiergeldes nur auf dem Papier aus, und am Ende kassiert der Staat bei vielen Sparern noch Steuern auf den Zinsertrag.
Schwache US-Daten bremsen die Fed
Für Gold-Anleger gab es aber auch gute Nachrichten. Die PCE-Inflation, das bevorzugte Preismaß der US-Notenbank, lag im August bei 3,4 Prozent und in der Kernrate bei 3,0 Prozent. Erwartet worden waren 3,7 und 3,3 Prozent. Heraeus weist allerdings darauf hin, dass jährliche Revisionen und geänderte Berechnungsmethoden den Rückgang verstärkt hätten. Statistik nach Maß?
Noch deutlicher fiel der Arbeitsmarktbericht aus. Im September entstanden außerhalb der Landwirtschaft nur 29.000 neue Stellen statt der erwarteten 90.000. Zudem wurden die Zahlen für Juli und August nach unten korrigiert. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung bei der Fed-Sitzung am 28. Oktober fiel daraufhin am 2. Oktober auf rund 17 Prozent. Anfang der Vorwoche hatte sie noch bei über 70 Prozent gelegen.
Milliarden-Poker unter Goldminen
In der Minenbranche hat Northern Star ein Übernahmeangebot von Gold Fields über 38,7 Milliarden australische Dollar abgelehnt. Das entsprach einem Aufschlag von 22 Prozent auf den letzten Aktienkurs. Northern Star hielt das Angebot nach eigenen Angaben für zu niedrig. Zusammen wären beide Konzerne auf etwa 4,1 Millionen Unzen Jahresproduktion gekommen, also rund 3,3 Prozent der weltweiten Minenförderung von 2025. Für Heraeus zeigt das den wachsenden Druck in der Branche, größer zu werden und sich langlebige Reserven zu sichern.
Silber: Mexiko kommt nicht in Fahrt
Laut der mexikanischen Statistikbehörde INEGI förderte Mexiko im Juli 10,56 Millionen Unzen Silber. Das sind 1,7 Prozent mehr als im Juni. Weil der Juli einen Tag mehr hat, lag die Förderung pro Tag aber sogar etwas niedriger. Im Vergleich zum Juli 2025 ergibt sich ein Minus von 2,3 Prozent.
Das hat Gewicht: 2025 kam Mexiko mit 172,9 Millionen von weltweit 846,6 Millionen Unzen auf etwa ein Fünftel des globalen Minenangebots. Das Silver Institute erwartet für 2026 zwar wieder ein leichtes Wachstum. Heraeus rechnet jedoch damit, dass die Erholung holprig bleibt. Der Markt reagierte gelassen: Silber stieg am Montag um gut ein Prozent auf knapp 61 Dollar je Unze.
Fazit: Ein Rücksetzer, keine Trendwende
Rekordrenditen, teures Öl und Unruhe am Persischen Golf setzen Gold kurzfristig zu. Die eigentlichen Probleme verschwinden dadurch aber nicht: anhaltende Inflation, wachsende Staatsschulden und ein knappes Silberangebot. Wer Vermögen über Jahre sichern will, kann physisches Gold und Silber als sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzinstrumenten oder Edelmetallen dar. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.












