
Grooming-Gangs: Labour wollte brisante Gerichtsakten klammheimlich vernichten lassen
Was sich derzeit auf der britischen Insel abspielt, liest sich wie das Drehbuch eines politischen Thrillers – nur dass die Opfer real sind und die Täter in den höchsten Etagen der Macht sitzen dürften. Die Labour-Regierung unter Premierminister Keir Starmer hat in letzter Minute eine geplante Löschung zentraler Gerichtsdaten zu den berüchtigten Grooming-Gangs gestoppt. Erst nachdem der öffentliche Druck unerträglich wurde, vollzog die Partei eine Kehrtwende. Zuvor standen schwere Vorwürfe der „Sabotage" im Raum.
Systematische Vernichtung von Beweismaterial?
Der digitale Gerichtsarchiv-Dienstleister Courtsdesk war angewiesen worden, sämtliche gespeicherten Informationen bis zum 9. Februar zu löschen. Wohlgemerkt: Es handelt sich dabei nicht um irgendwelche belanglosen Verwaltungsdaten, sondern um systematisch aufbereitete Gerichtsprotokolle, Urteilsbegründungen, Anklageschriften und Verfahrensübersichten aus öffentlich geführten Strafprozessen. Darunter befanden sich Fälle, in denen organisierte Banden über Jahre hinweg minderjährige Mädchen rekrutierten, manipulierten und sexuell ausbeuteten.
Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Eine Regierung, die vorgibt, für Gerechtigkeit und Transparenz einzustehen, wollte klammheimlich jene Daten vernichten lassen, die eine überregionale Auswertung wiederkehrender Missbrauchsmuster erst ermöglichen. Die Archivdaten enthielten Angaben zu Tatzeiträumen, zum Modus Operandi der Täter, zur Zahl und zum Alter der Opfer sowie zu den verhängten Strafmaßen. Investigative Journalisten, Wissenschaftler und zivilgesellschaftliche Initiativen waren auf dieses Material angewiesen.
Jahrzehntelanges Behördenversagen – und niemand will es gewesen sein
Der Hintergrund dieser Affäre reicht tief. In Städten wie Rotherham, Rochdale und Telford waren über Jahre hinweg systematische Missbrauchsstrukturen bekannt geworden, ohne dass Polizei, Jugendämter oder Kommunalverwaltungen konsequent eingriffen. Untersuchungsberichte dokumentierten ein erschreckendes Ausmaß an Versäumnissen. Tausende minderjährige Mädchen – überwiegend aus der weißen britischen Arbeiterklasse – wurden Opfer organisierter Banden, deren Mitglieder ganz überwiegend aus dem pakistanischen Kulturkreis stammten. Doch wer das offen aussprach, wurde jahrelang als Rassist gebrandmarkt.
Besonders brisant ist die Rolle Starmers selbst. Als ehemaliger Leiter der Crown Prosecution Service, also der obersten Anklagebehörde Englands und Wales', fällt seine Amtszeit genau in jene Periode, in der zahlreiche dieser Fälle nicht mit der gebotenen Entschlossenheit verfolgt wurden. Kritiker werfen ihm vor, den Skandal damals vernachlässigt zu haben. Dass ausgerechnet unter seiner Regierung nun Beweismaterial verschwinden sollte, nährt den Verdacht, dass hier nicht Datenschutz, sondern politischer Selbstschutz das eigentliche Motiv gewesen sein könnte.
Datenschutz als Feigenblatt
Befürworter der Löschung verwiesen pflichtschuldig auf „datenschutzrechtliche und organisatorische Aspekte". Ein Argument, das angesichts der Schwere der dokumentierten Verbrechen geradezu zynisch anmutet. Wenn der Datenschutz dazu missbraucht wird, die Spuren organisierter Kinderschändung zu verwischen, dann hat sich eine Gesellschaft in ihren eigenen bürokratischen Fallstricken verfangen. Oder schlimmer noch: Dann dient der Datenschutz als Feigenblatt für jene, die ein Interesse daran haben, dass bestimmte Wahrheiten niemals ans Licht kommen.
Parallelen, die nachdenklich stimmen
Die Grooming-Gang-Affäre steht nicht isoliert da. Sie reiht sich ein in eine beunruhigende Kette von Skandalen, die von den Epstein-Enthüllungen über den belgischen Dutroux-Fall bis hin zum deutschen „Sachsensumpf" reicht. Immer wieder zeigt sich dasselbe Muster: Mächtige Netzwerke, die Minderjährige ausbeuten, während Behörden wegschauen, Ermittlungen verschleppen und Opfer als unglaubwürdig abgestempelt werden. Wer diese Zusammenhänge benennt, wird nicht selten selbst zum Verfolgten – man denke nur an den britischen Aktivisten Tommy Robinson, der wegen seiner Berichterstattung über die Grooming-Gangs inhaftiert wurde und schließlich das Land verlassen musste.
Dass die Löschung nun vorerst gestoppt wurde, ist ein kleiner Sieg der Öffentlichkeit. Doch wie es langfristig mit dem Archiv und seinen Datensätzen weitergeht, bleibt offen. Die Frage, ob bereits Teile des Materials unwiederbringlich vernichtet wurden, steht ebenfalls im Raum. Vertrauen ist hier fehl am Platz.
Was Deutschland daraus lernen sollte
Die Vorgänge in Großbritannien sollten auch hierzulande als Warnsignal verstanden werden. Denn die Mechanismen, die den Grooming-Gang-Skandal über Jahrzehnte ermöglichten, sind keineswegs ein rein britisches Phänomen. Auch in Deutschland wird die offene Debatte über Kriminalität im Kontext von Migration systematisch unterdrückt – sei es durch politischen Druck, mediale Selbstzensur oder die zunehmende Kriminalisierung unbequemer Meinungen. Die Kriminalitätsstatistiken sprechen eine deutliche Sprache, doch wer sie beim Namen nennt, wird schnell in die rechte Ecke gestellt.
Dabei zeigt gerade der britische Fall, wohin es führt, wenn eine Gesellschaft aus falsch verstandener Toleranz die Augen vor unbequemen Wahrheiten verschließt. Tausende Kinder haben dafür einen furchtbaren Preis bezahlt. Dass eine Regierung dann auch noch versucht, die Dokumentation dieser Verbrechen zu vernichten, ist nicht nur ein politischer Skandal – es ist ein moralischer Bankrott.
Die Aufarbeitung dieser Fälle darf nicht dem politischen Kalkül geopfert werden. Weder in Großbritannien noch anderswo. Denn wer die Vergangenheit vertuscht, ebnet den Weg für die Verbrechen von morgen.
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