
Grüne Ministerin feiert „Energyfish" – der gerade einmal 0,0003 Prozent des deutschen Strombedarfs deckt
Man muss es der deutschen Energiepolitik lassen: An Kreativität mangelt es ihr wahrlich nicht. Während die Industrie unter explodierenden Strompreisen ächzt und immer mehr Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlagern, präsentiert Rheinland-Pfalz stolz sein neuestes Prestigeprojekt: kleine Turbinen, die im Rhein schwimmen und den klangvollen Namen „Energyfish" tragen. Fünf Haushalte soll ein einzelnes dieser Geräte versorgen können. Fünf. Nicht fünfhundert, nicht fünftausend – fünf.
Das Pilotprojekt im Detail
Die Firma Energyminer hat neuartige Wasserkraftwerke entwickelt, die direkt im Flussbett verankert werden und durch die natürliche Strömung des Rheins Strom erzeugen sollen. In Rheinland-Pfalz werden bei St. Goar insgesamt 124 dieser Anlagen installiert, von denen bislang drei in Betrieb seien. Im nächsten Schritt sollen 21 weitere folgen. Die Umweltministerin des Landes, Katrin Eder von den Grünen, überschlug sich geradezu vor Begeisterung und pries den „erneuerbaren, klima- und umweltfreundlichen Strom" an, der auch „bei Nacht und ohne Wind" verfügbar sei.
Klingt zunächst vielversprechend. Doch wer genauer hinschaut, dem wird schnell schwindelig – allerdings nicht vor Begeisterung, sondern vor Ernüchterung.
Die nackte Wahrheit hinter den Zahlen
Alle 124 geplanten „Energyfish" zusammen sollen über 1,5 Gigawattstunden Strom pro Jahr produzieren und damit rund 500 Vier-Personen-Haushalte versorgen können. Das klingt nach etwas, bis man es in Relation setzt: Deutschland verbraucht jährlich rund 450 Terawattstunden Strom. Die erhofften 1,5 Gigawattstunden entsprechen davon exakt 0,0003 Prozent. Man lese diese Zahl ruhig zweimal. Drei Zehntausendstel Prozent. Das ist, als würde man versuchen, den Bodensee mit einer Gießkanne zu füllen – und sich dabei auch noch auf die Schulter klopfen.
Zehn dieser Anlagen zusammen sollen laut der Webseite des Vereins „Blaue Ökonomie" 150 Megawattstunden Strom produzieren und dabei sechs Tonnen CO₂ einsparen. Die Gesamtanlage mit allen 124 Einheiten käme auf eine Einsparung von 545 Tonnen CO₂. Zum Vergleich: Deutschland emittiert jährlich hunderte Millionen Tonnen des Treibhausgases. Auch hier bewegen wir uns im Bereich der statistischen Unsichtbarkeit.
Millionen an Steuergeldern für den Verein im Hintergrund
Besonders pikant wird es, wenn man sich die Finanzierung anschaut. Das Unternehmen Energyminer gehört dem Verein „Blaue Bioökonomie" an, der zwischen 2019 und 2025 mit insgesamt 20 Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium gefördert wurde. Wie viel davon konkret in die Entwicklung der „Energyfish" geflossen sei, bleibe unklar. Transparenz sieht anders aus. Der Steuerzahler darf also einmal mehr die Zeche für ein Projekt bezahlen, dessen praktischer Nutzen bestenfalls als homöopathisch bezeichnet werden kann.
Grundlastfähig, aber irrelevant?
Fairerweise muss man einräumen: Die Technologie hat durchaus interessante Eigenschaften. Die Anlagen werden mit einem Seil im Flussbett verankert und schweben frei in der Strömung, wodurch sie sich automatisch dem Wasserstand anpassen sollen. Eine Studie der TU München habe ergeben, dass die Turbinen Fische weder verletzten noch in ihrem Verhalten negativ beeinflussten. Alle Komponenten könnten vollständig wieder aus dem Wasser entfernt werden. Und ja, Wasserkraft ist grundlastfähig – sie liefert Strom unabhängig von Wind und Sonne.
Doch genau hier liegt das Problem: Der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages kam bereits 2022 zu dem Schluss, dass das Ausbaupotenzial von Wasserkraft in Deutschland nur „gering" sei. Wasserkraft könne allenfalls eine „ergänzende Rolle spielen". Eine ergänzende Rolle – nicht die Hauptrolle, nicht einmal eine Nebenrolle, sondern bestenfalls eine Statistenrolle im großen Drama der deutschen Energieversorgung.
Symbolpolitik statt Substanz
Was bleibt also? Ein weiteres grünes Vorzeigeprojekt, das sich wunderbar in Pressemitteilungen macht, aber an der energiepolitischen Realität Deutschlands nicht das Geringste ändert. Co-CEO Richard Eckl von Energyminer ließ verlauten, die Genehmigung mache klar, dass man „diese neue erneuerbare Energiequelle erschließen" könne und die Kraftwerke „gebaut, betrieben und skaliert" werden könnten. Skaliert – ein schönes Wort. Doch selbst wenn man die Zahl der Anlagen verzehnfachte, bliebe der Beitrag zur deutschen Stromversorgung marginal.
Ministerin Eder hofft derweil, dass „an geeigneten Stellen noch viele weitere Schwarmkraftwerke dem Beispiel aus Sankt Goar folgen werden". Man fragt sich unwillkürlich, ob die Ministerin auch hofft, dass irgendwann jemand eine Lösung für die tatsächlichen Probleme der deutschen Energiepolitik findet – die explodierende Strompreise, die Deindustrialisierung und die Abhängigkeit von ausländischen Energieimporten.
Deutschland braucht keine schwimmenden Spielzeuge im Rhein. Deutschland braucht eine Energiepolitik, die auf Realismus statt auf Symbolik setzt. Eine Politik, die den Wirtschaftsstandort stärkt, statt ihn mit ideologiegetriebenen Miniaturprojekten zu bespaßen. Doch solange grüne Ministerinnen das Sagen haben, dürfte sich daran wenig ändern. Der „Energyfish" ist damit vor allem eines: ein perfektes Sinnbild für den Zustand der deutschen Energiewende – ambitioniert im Anspruch, verschwindend gering in der Wirkung.

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