
„Irre“: Schulze zerlegt Spiegel-Cover – zehn Tage vor der Wahl

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Sven Schulze (CDU) rechnet mitten im Landtagswahlkampf mit dem Medienbetrieb ab. In einer Folge des Podcasts „Apokalypse und Filterkaffee“ von Micky Beisenherz nannte er das „Spiegel“-Titelbild, das AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund als „gefährlichsten Mann Deutschlands“ zeigte, laut dem Bericht schlicht „irre“. Am 6. September wird in Magdeburg gewählt – und die Umfragen sind für die CDU eine Katastrophe.
Ein Cover, das zum Bumerang wurde
Schulzes Kritik ist bemerkenswert, weil sie nicht von der AfD kommt, sondern vom politischen Hauptgegner. Die eigentliche Gefahr bei Siegmund sehe er darin, dass dieser auf politische Fragen keine Antworten liefere – nicht in einer Dämonisierung per Zeitschriftentitel.
Dass der Titel nach hinten losging, ist mittlerweile kaum zu bestreiten: Medienberichten zufolge feierte Siegmund die Schlagzeile als „Ritterschlag“, ein signiertes Exemplar des Covers soll bei einer Auktion mehr als 1000 Euro erlöst haben. Selbst im „Spiegel“ selbst erschien eine Kolumne, die den eigenen Titel für berechtigt kritisiert hielt. Wer einen Politiker zur Ikone machen will, muss ihn offenbar nur groß genug aufs Titelblatt heben.
Drei Podcasts, drei Kapitel eines kuriosen Wahlkampfs
Kurios liest sich auch die Podcast-Chronik des Regierungschefs. Erst „Ben Ungeskriptet“, dann Tilo Jung, nun Beisenherz. Mit Ben Berndt kam kein Gespräch zustande – Schulze wollte für die Fahrt nach Köln keinen kompletten Wahlkampftag opfern und bot laut dem Bericht Termine in Sachsen-Anhalt an.
Ob er sich dort auch einem direkten Duell mit Siegmund gestellt hätte? Schulzes Antwort fiel knapp aus:
„Warum nicht?“
Die ganze Debatte um geplatzte Termine bezeichnete er als „vergossene Milch“. Der abgesagte Auftritt bei Tilo Jung habe einen anderen Grund gehabt: Wegen des Besuchs von CSU-Chef Markus Söder hätten mehrere Termine weichen müssen, so seine Sprecherin. Ein Nachholtermin ist offen. Beim Beisenherz-Podcast war Schulze aus Magdeburg zugeschaltet.
42 zu 22 – die Zahlen hinter der Nervosität
Der Ton dieser Wochen erklärt sich aus der Statistik. In der letzten ARD-Vorwahlumfrage von Infratest dimap kommt die AfD Medienberichten zufolge auf 42 Prozent, die CDU auf 22 – ein historisches Tief für die Partei, die das Land seit Jahrzehnten prägt. Dahinter folgen Linke (11), SPD (8) und Grüne (6 Prozent).
Schulze räumte selbstkritisch ein, die Rolle von Emotionen im Wahlkampf möglicherweise unterschätzt zu haben. Er sei davon ausgegangen, dass die Bürger vor allem auf Ergebnisse und Lösungen schauten. Die AfD habe das „Thema Gefühle und Wahlkampf“ dagegen „extrem ausgenutzt“.
Wenn Etiketten die Argumente ersetzen
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Fall ein Grundproblem des deutschen Medien- und Politikbetriebs: Wo Superlative und moralische Etiketten die inhaltliche Auseinandersetzung ersetzen, wachsen jene, die man kleinreden wollte. Schulze wünscht sich, dass Medien Sachsen-Anhalt „mal ein bisschen anders darstellen“ – ein Wunsch, den viele Ostdeutsche seit Jahren teilen dürften.
Am 6. September entscheiden die Wähler. Nicht Titelbilder, nicht Podcast-Kalender.

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