
Kampf um VW Zwickau: IG Metall lÀsst Kretschmers Rettungsplan abblitzen

Sachsens MinisterprĂ€sident Michael Kretschmer (CDU) will das VW-Werk Zwickau in eine neue âAutoUnion Sachsen GmbHâ ĂŒberfĂŒhren und es so vor dem Aus retten. Die IG Metall hat am Mittwoch prompt reagiert und sagt Nein zu lĂ€ngeren Arbeitszeiten und LohneinbuĂen. Auf dem Spiel stehen rund 8000 ArbeitsplĂ€tze und mit ihnen das industrielle Herz Westsachsens.
Gewerkschaft zieht die rote Linie
Das Engagement des Regierungschefs begrĂŒĂe man zwar grundsĂ€tzlich, lieĂ die IG Metall wissen. Jede Einmischung der Politik in die Tarifautonomie lehne man aber ab. Jan Otto, Bezirksleiter fĂŒr Berlin-Brandenburg-Sachsen, wurde nach erster LektĂŒre des Konzepts deutlich:
âLĂ€ngere Arbeitszeiten und eine LohndrĂŒckerei sind das völlig falsche Instrument, lösen keine Probleme und stoĂen auf den entschiedenen Widerstand der BeschĂ€ftigten, der BetriebsrĂ€te und der IG Metall.â
Ăber Arbeitsbedingungen und Entgelte entschieden allein die Tarifparteien, so Otto. Wichtiger sei eine bessere Auslastung der Standorte, und darĂŒber wolle man gern reden. Thomas Knabel von der IG Metall Zwickau ergĂ€nzte, die Belegschaft im Werk Mosel sei hochflexibel und habe lĂ€ngst ihren Beitrag geleistet. Jetzt sei Volkswagen gefordert.
Was das Papier wirklich verlangt
Kretschmers Konzept ist kein Wellnessprogramm. Die BeschĂ€ftigten sollen in eine eigenstĂ€ndige Gesellschaft mit neuem Tarifrahmen wechseln. Die wichtigsten Punkte im Ăberblick:
- Drei-Schicht-System im Rahmen des Arbeitszeitgesetzes
- zusĂ€tzliche, unbezahlte âGestaltungszeitâ fĂŒr Qualifizierung, Wartung und Prozessoptimierung
- Produktion nach Nachfrage, Gewinnbeteiligung in guten Zeiten, Kostenanpassung in schlechten
- selbst verursachte Nacharbeit nach dem Verursacherprinzip, notfalls am Samstag
- GrundvergĂŒtung plus erfolgsabhĂ€ngige Sonderzahlung sowie steuerbegĂŒnstigte Abfindungen fĂŒr den Wechsel
Mehr Leistung gegen mehr Beteiligung also. Das klingt nach Marktwirtschaft und weniger nach FlÀchentarif. Kritiker sehen darin allerdings vor allem eine Lohnsenkung im neuen Gewand.
Applaus und Spott aus dem Landtag
Die GrĂŒnen werfen Kretschmer vor, das Werk zerschlagen zu wollen. Ihr Abgeordneter Wolfram GĂŒnther sagte, so werde Zwickau zur âverlĂ€ngerten Werkbankâ. Das ist durchaus bemerkenswert. Gerade die Partei, deren Klimapolitik die Autoindustrie in die teure Elektro-Wende getrieben hat, vermisst jetzt plötzlich eine âZukunftsvisionâ.
Linken-Fraktionschefin Susanne Schaper lobte immerhin, dass Kretschmer Druck auf VW mache. FĂŒr die Probleme sei aber hauptsĂ€chlich das Management verantwortlich. Der Zwickauer CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Körber warnte dagegen, ohne Bewegung aller Seiten drohe der Kollaps der Zulieferindustrie.
Der Konzern schweigt, die Uhr lÀuft
Die Lage ist dramatisch. Ab 2031 soll die Produktion in Zwickau auslaufen. Dabei hatte VW das Werk vor wenigen Jahren als erstes GroĂwerk komplett auf Elektroautos umgestellt. Das war ein Prestigeprojekt, das heute wie eine Wette auf eine Nachfrage wirkt, die so nie gekommen ist.
Gleichzeitig verschĂ€rft Wolfsburg den Sparkurs. Ăbereinstimmenden Medienberichten zufolge will der Konzern die GehĂ€lter seiner weltweit rund 660.000 BeschĂ€ftigten bis 2030 einfrieren. Zuvor hatte VW bereits die KĂŒndigung mehrerer TarifvertrĂ€ge angekĂŒndigt. Ăffentlich Ă€uĂert sich VW zu Kretschmers PlĂ€nen bisher nicht.
Ein Name mit Geschichte
Kretschmer erinnert bewusst an die Auto Union, die 1932 in Chemnitz aus Audi, DKW, Horch und Wanderer entstand und nach dem Zweiten Weltkrieg enteignet wurde. Man lasse sich ânicht lĂ€nger abspeisenâ, schrieb er auf X. Neben dem Tarifumbau setzt er auch auf humanoide Roboter.
Ob das ein Befreiungsschlag ist oder eher ein Akt der Verzweiflung, wird sich erst noch zeigen. Klar ist schon jetzt: Hohe Energiepreise, viel BĂŒrokratie und politische Vorgaben zur Antriebswende haben dem Industriestandort Deutschland schwer zugesetzt. In Zwickau wird nun sichtbar, was das fĂŒr eine ganze Region bedeuten kann.
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