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Kanada statt Russland: Europas teurer Umweg zur Energiesicherheit

Kanada statt Russland: Europas teurer Umweg zur Energiesicherheit
Symbolbild: KI-generiert

Die EU und Kanada wollen deutlich enger zusammenarbeiten. Beim 21. EU-Kanada-Gipfel am 29. und 30. Oktober 2026 in Montreal riefen beide Seiten eine „Alliance for the Future“ aus. Im Mittelpunkt stehen Energie, Rohstoffe und Lieferketten. Hinter den feierlichen Worten steckt aber eine unbequeme Frage: Tauscht Europa hier nur eine Abhängigkeit gegen die nächste?

Vom Billiggas zur Bittstellerrolle

Bis 2022 lief Deutschlands Industrie über Jahrzehnte mit vergleichsweise günstigem russischem Gas. Das war ein Wettbewerbsvorteil, um den uns viele beneideten. Dann kamen Krieg, Sanktionen und die politische Entscheidung, sich von russischer Energie zu lösen.

Laut EU-Kommission sank der russische Anteil an den europäischen Gasimporten von 45 Prozent im Jahr 2021 auf rund 12 Prozent im Jahr 2025. Beim Öl fiel er von 27 auf etwa zwei Prozent. Die Lücke füllen heute vor allem Norwegen und die USA mit teurem Flüssigerdgas (LNG). Damit ist Washington ausgerechnet jetzt Europas wichtigster Energielieferant, wo es auch mit Strafzöllen gegen die EU vorgeht.

Trumps Kanada-Politik als Brandbeschleuniger

Dass Ottawa sich nun Richtung Brüssel orientiert, hat viel mit Donald Trump zu tun. Zolldrohungen und die wiederholte Rede von Kanada als „51. Bundesstaat“ haben das Verhältnis der Nachbarn schwer belastet. Rund 70 Prozent der kanadischen Warenexporte gehen Berichten zufolge in die USA. Diese Abhängigkeit will Premierminister Mark Carney verringern.

Im September 2026 brachte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sogar eine Art assoziierte EU-Mitgliedschaft Kanadas ins Gespräch. Trump antwortete mit der Drohung, weitere Zölle zu verhängen. Herausgekommen ist am Ende kein Beitritt durch die Hintertür, sondern eine Absichtserklärung. Bis zum nächsten Gipfel soll ausgearbeitet werden, wie die engere Partnerschaft konkret aussieht.

Was wirklich auf dem Tisch liegt

Kanada hat viel zu bieten: Öl, Gas, Uran, Wasserkraft und kritische Rohstoffe. Ein erster Vertrag steht bereits:

  • Der staatseigene deutsche Gasversorger SEFE, früher Gazprom Germania, hat Ende Oktober 2026 einen langfristigen Liefervertrag mit dem Projekt Ksi Lisims LNG unterzeichnet. Ein Vorvertrag existierte seit Mai.
  • Vereinbart sind eine Million Tonnen LNG pro Jahr über 20 Jahre.
  • Die ersten Lieferungen werden allerdings erst Anfang der 2030er-Jahre erwartet.

Zudem planen EU und Kanada eine gemeinsame Machbarkeitsstudie zu langfristigen LNG-Exporten nach Europa. Eine Studie bringt aber noch keine Gaslieferung. Dafür braucht es Investitionsentscheidungen, Genehmigungen, Pipelines und Terminals. Ksi Lisims liegt außerdem an der Pazifikküste von British Columbia, also sehr weit weg von Rotterdam oder Wilhelmshaven.

Die Ironie der Geschichte

Während Europa sich von Russland abgewandt hat, ist Moskau näher an China gerückt. Peking nimmt russische Rohstoffe dankbar ab und baut seine Stellung als wichtigster Handelspartner Russlands aus. Eine Politik, die Russland isolieren sollte, hat so nach Ansicht von Kritikern die Achse Moskau–Peking gestärkt.

Auch die neue Freundschaft mit Ottawa hat einen Haken. Zieht nach Trump wieder ein Demokrat ins Weiße Haus ein, könnte Kanada das Interesse an Europa schnell verlieren. Und ob eine EU, die sich seit Jahren nicht einmal auf ein Ende der Zeitumstellung einigen kann, einen solchen Umbau ihrer Energieversorgung zügig hinbekommt, bezweifeln Beobachter nicht ohne Grund.

Fazit: Diversifizieren ist gut, billig wird es nicht

Für deutsche Unternehmen und Verbraucher zeichnet sich eine ernüchternde Bilanz ab. Mehr Lieferanten bringen mehr Sicherheit, aber kaum niedrigere Preise. Hohe Energiekosten bleiben ein Standortnachteil und halten die Inflation am Leben. Wer sein Erspartes vor diesem schleichenden Kaufkraftverlust schützen will, kann physische Edelmetalle wie Gold und Silber als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen in Betracht ziehen. Sie sind von keinem Lieferanten und keinem Gipfel abhängig.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Grundlage der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Anlageentscheidungen allein.

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