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03.08.2026
09:32 Uhr

Kreide statt Krawall: Wie sich Markus Söder klammheimlich für die Zeit nach Merz warmläuft

Kreide statt Krawall: Wie sich Markus Söder klammheimlich für die Zeit nach Merz warmläuft

Es gibt Interviews, in denen nichts passiert – und die gerade deshalb alles verraten. Das ARD-Sommerinterview mit dem bayerischen Ministerpräsidenten war so ein Fall. Kein Poltern, kein Döner-Foto, keine Spitze gegen den Kanzler. Stattdessen ein staatstragender Markus Söder, der brav die Reihen schließt, während er längst die Startblöcke poliert. Wer diesen Auftritt für Loyalität hielt, hat die politische Grammatik der Union nicht verstanden.

Der Fuchs, der zum Wolf wurde – und Kreide frisst

Die Fragen der stellvertretenden Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios waren, freundlich formuliert, gut abgefedert. Das Ausscheren dreier ostdeutscher CDU-Ministerpräsidenten bei der Rentenreform? Söder findet das Konzept der Rentenkommission gut, Punkt. Die Krise der Automobilindustrie, die auch Bayern trifft? BMW gehe es mit seinen Hightech-Verbrennern besser als VW, Punkt. Nachgefragt wurde nicht. Man hätte fragen können, was das eigentlich über eine Industriepolitik aussagt, die dem Verbrenner jahrelang den Krieg erklärt hat und sich nun wundert, dass die Wertschöpfung abwandert.

Auch die missglückte Kabinettsumbildung des Kanzlers bügelte Söder glatt. Ob es handwerkliche Fehler gewesen seien, wisse er gar nicht, ein Kandidat habe eben überraschend abgesagt. „Die Regierung steht – und sie steht gut“, lautete das Urteil des CSU-Chefs. Man muss diesen Satz nur zweimal lesen, um den Spott darin zu hören.

Söder weiß: Kanzler wird in dieser Republik nur, wer glaubhaft versichert, es nicht werden zu wollen.

„Merz bleibt Kanzler“ – ein Satz mit Ablaufdatum

Das Thema Kanzlerschaft habe er abgehakt, es werde ohnehin unendlich viel gequatscht, man müsse arbeiten statt spekulieren. Ein Satz, der so wirkt wie eine Rückversicherung mit Kleingedrucktem. Denn was sollte Söder sonst sagen? Dass der Kanzler nur so lange im Amt bleibt, bis die Landtagswahlen im Osten die Machtverhältnisse in der Union neu sortieren? Er sagt es nicht – er muss es nicht sagen. Die Umfragewerte sagen es für ihn.

Und die sind desaströs. Der große Reformer, der 2025 mit dem Versprechen antrat, keine neuen Schulden zu machen, hat ein 500-Milliarden-Sondervermögen aufgelegt, die Klimaneutralität 2045 im Grundgesetz verankert und sich in wachsweichen Kompromissen mit dem sozialdemokratischen Koalitionspartner verheddert. Der Bluff ist aufgeflogen. Wer Wählern Wende verspricht und Weiter-so liefert, darf sich über schwindendes Vertrauen nicht beklagen. Söder stand vor der Sommerpause folgsam daneben – ein Wolf, der wartet, statt zu beißen.

Seriosität als Strategie

Auffällig ist der Imagewechsel. Seit dem Frühjahr wirken die Social-Media-Auftritte des Franken auffallend gesetzter, die Fressorgien mit Burger und Döner sind aus dem Programm gestrichen. Offiziell wegen der durchwachsenen bayerischen Kommunalwahlen im März. Tatsächlich dürfte der Adressat weiter westlich sitzen – im Berliner Regierungsviertel. Wer im Januar 60 wird, weiß, dass Zeitfenster nicht ewig offen stehen.

Die Geschichte als Wegweiser: Strauß, Stoiber – und dann?

Zwei Bayern haben es versucht, zwei sind gescheitert. Franz Josef Strauß, dessen Poster der junge Söder angeblich über dem Bett hängen hatte, verpasste 1980 knapp das Bonner Kanzleramt. Edmund Stoiber scheiterte 2002 hauchdünn. Beide kehrten zurück in die Provinz, nach Caesars Devise: lieber Erster auf dem Lande als Zweiter in Rom. Söder aber ist beides gleichzeitig – Erster in München und zweiter Kopf der Unionsspitze in Berlin. Früher der aufmüpfige Sidekick der Kanzlerin, heute der scheinbar treue Begleiter des Kanzlers. Dass er im Bundesrat gelegentlich Regierungsbeschlüsse hintertreibt, etwa bei der missglückten Tausend-Euro-Prämie oder wenn es um die Minijobs der bayerischen Tourismuswirtschaft geht, gehört zum Handwerk.

Und die Konkurrenz? Der einzige ernsthafte Rivale sitzt in Düsseldorf und muss sich im April 2027 erst einmal selbst bewähren – bundespolitisch bleibt er blass. Zweimal hat der größte CDU-Landesverband seine Chance bekommen, zweimal ging es schief. Ein drittes Mal dürfte der Partei schwer zu verkaufen sein. Ein weiterer Aspirant aus dem Münsterland hat sich selbst ins Abseits manövriert. Bleibt: der Mann aus Nürnberg, über 30 Jahre im CSU-Präsidium und im Landtag, fast 20 Jahre in der Staatsregierung, acht Jahre Ministerpräsident. In Sachen Machtmechanik macht ihm niemand etwas vor.

September als Bewährungsprobe

In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern könnte der Union ein bitterer Abend drohen. Söder hält dazu fest, in Bayern sei man stabil, dort ziehe die AfD ihre Stimmen eher von anderen Parteien ab – man habe eben eine starke, innovative Wirtschaftspolitik. Wer keine Zukunft für sich sehe, wähle eben radikaler. Was er höflich unausgesprochen lässt: Diese fehlende Zukunftsperspektive ist kein ostdeutscher Charakterfehler, sondern das Ergebnis jahrelanger Politik, die Fleiß bestraft, Energie verteuert und die Sorgen der Bürger als Stimmungsmache abtut. Wer den Menschen die Industrie wegreguliert, sollte sich über deren Wahlverhalten nicht empören.

Was Bürger daraus mitnehmen sollten

Am Ende bleibt ein ernüchternder Befund: In Berlin wird nicht regiert, sondern positioniert. Während Personaldebatten die Schlagzeilen füllen, wachsen Schuldenberge, Inflationsrisiken und Abgabenlasten, die kommende Generationen abtragen müssen. Wer sein Erspartes schützen will, sollte sich nicht darauf verlassen, dass irgendein Kanzlerwechsel die Kaufkraft rettet. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben in Deutschland durch zwei Währungsreformen, Kriege und Krisen hindurch bewiesen, dass sie keiner politischen Mehrheit bedürfen, um Wert zu behalten – als solides Fundament eines breit gestreuten Vermögens.

Hinweis: Dieser Beitrag stellt die Einschätzung unserer Redaktion dar und ist ausdrücklich keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung. Für Anlageentscheidungen ist jeder Leser selbst verantwortlich; eigene Recherche sowie gegebenenfalls die Hinzuziehung qualifizierter Berater sind unerlässlich. Eine Haftung für Vermögensdispositionen, die auf Grundlage dieses Textes getroffen werden, wird nicht übernommen.

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