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Kettner Edelmetalle
28.07.2026
10:26 Uhr

Mercedes im China-Schock: Absatz bricht um 30 Prozent ein – und der Stuttgarter Riese verkauft seine Substanz

Mercedes im China-Schock: Absatz bricht um 30 Prozent ein – und der Stuttgarter Riese verkauft seine Substanz

Es gibt Zahlen, die ein ganzes Land verraten. 30 Prozent. So viel weniger Personenwagen hat Mercedes-Benz im zweiten Quartal in China verkauft. Nicht drei Prozent, nicht dreizehn – dreißig. In jenem Markt, den der Konzernchef selbst als den wichtigsten der Welt bezeichnet. Wer noch daran glaubte, die deutsche Autoindustrie sei ein unantastbares Naturgesetz der Weltwirtschaft, dürfte spätestens jetzt ins Grübeln geraten.

Der Konzern verdient mehr – aber nicht mit Autos

Auf dem Papier klingt es beinahe erfreulich: Das Konzernergebnis stieg um 13,5 Prozent auf 1,09 Milliarden Euro, der erste Anstieg eines Quartalsgewinns seit drei Jahren. Nur: Womit? Nicht mit den Limousinen, für die der Stern einst weltweit stand. Sondern mit Lieferwagen und mit Finanzdienstleistungen. Ein Autobauer, der sein Geld mit Krediten und Transportern verdient – man muss diese Ironie nicht weiter kommentieren.

Die operative Marge im Pkw-Geschäft sank auf ganze 4,0 Prozent. Zur Erinnerung: Nach der Pandemie lagen hier zeitweise deutlich zweistellige Werte an. Der Umsatz auf Konzernebene fiel um 3,3 Prozent auf 32,1 Milliarden Euro, die Umsatzprognose für das Gesamtjahr wurde gekappt. Und weil die Aussichten in der Volksrepublik so düster sind, mussten 704 Millionen Euro auf die dortigen Gemeinschaftsunternehmen abgeschrieben werden. Buchhalterische Kapitulation, freundlich verpackt.

Der Preisverfall als Fieberkurve

Besonders bemerkenswert ist eine Zahl, die im Zahlenmeer fast untergeht: Der durchschnittliche Verkaufspreis pro Fahrzeug fiel von 67.700 auf 64.700 Euro – und zwar auch dann, wenn man das China-Joint-Venture herausrechnet. Wer Premium verspricht und Rabatte liefert, verkauft irgendwann nur noch Blech.

Auch in einem anspruchsvollen Marktumfeld sei man auf Kurs geblieben und habe die Modelloffensive beschleunigt, ließ Konzernchef Ola Källenius wissen.

„Anspruchsvolles Marktumfeld“ – so nennt man es heute, wenn chinesische Hersteller die eigene Kundschaft absaugen und Washington gleichzeitig mit Einfuhrzöllen die Gewinne der Exportnation zerfleddert. Ein Analyst der US-Investmentbank Jefferies sprach von insgesamt besseren Resultaten als erwartet; der Großteil der Jahresprognose sei bestätigt worden, die freien Finanzmittel seien durch den Verkauf von Daimler-Truck-Anteilen aufgepolstert worden. Die Wertminderung in China aber werfe Fragen auf. Ein Analyst von Bernstein verwies ebenfalls auf die Verluste aus den chinesischen Gemeinschaftsunternehmen. Die Börse feierte trotzdem: knapp fünf Prozent Kursplus im frühen Handel. Man kennt das Ritual – schlechte Nachrichten, die weniger schlecht sind als befürchtet, gelten an der Börse als Erfolg.

Wenn Tafelsilber zur Liquiditätsquelle wird

Und dann jener Vorgang, der am meisten über den Zustand der Lage sagt: Mercedes verkauft Anteile an der ehemaligen Tochter Daimler Truck. 417 Millionen Euro im zweiten Quartal, weitere rund 600 Millionen im Juli. Von einst fast 38 Prozent sind noch 34,8 Prozent übrig. Zusätzlich sollen bis zur Hauptversammlung im nächsten Jahr eine weitere Milliarde Euro in Aktienrückkäufe fließen. Man verkauft also Beteiligungen, um den eigenen Kurs zu stützen. Finanzarchitektur statt Ingenieurskunst.

Die politische Rechnung, die niemand stellen will

Natürlich ist China ein hausgemachtes Problem der Konzerne – jahrzehntelange Abhängigkeit von einem einzigen Absatzmarkt war nie eine Strategie, sondern eine Wette. Doch die eigentliche Tragödie beginnt im Inland. Wer Energie zu Weltrekordpreisen verkauft, wer die Verbrennertechnologie politisch beerdigt hat, bevor die Alternative marktreif war, wer 500 Milliarden Euro Schulden „Sondervermögen“ nennt und Klimaziele ins Grundgesetz schreibt, darf sich nicht wundern, wenn deutsche Werke unter Sparprogrammen ausbluten. Die Politik hat der Automobilindustrie das Fundament unter den Rädern weggezogen – und schickt jetzt Beileidsbekundungen.

Sparprogramme, Stellenabbau, Abschreibungen, Anteilsverkäufe. Das ist die neue Betriebsanleitung der deutschen Industrie. Und jeder, der noch glaubt, ein DAX-Papier sei ein Sparbuch mit Renditeturbo, sollte diese Bilanz zweimal lesen. Papierwerte können abgeschrieben werden – 704 Millionen Euro an einem einzigen Vormittag beweisen es. Physisches Gold und Silber hingegen brauchen keine China-Strategie, keinen Modellzyklus und keine Analystenkonferenz. Sie liegen im Tresor, während Konzerne ihre Beteiligungen versilbern müssen, um handlungsfähig zu bleiben.

Fazit: Der Stern leuchtet noch – aber er flackert

Mercedes ist nicht am Ende. Aber der Konzern kämpft mit einem Gegenwind, den er nicht selbst erzeugt hat und der aus zwei Richtungen bläst: aus Peking und aus Berlin. Es wäre an der Zeit, dass eine Bundesregierung sich endlich als Anwalt der eigenen Industrie versteht statt als Weltklimabeauftragter mit Steuerhoheit. Bis dahin gilt: Wer Vermögen bewahren will, sollte nicht allein auf Quartalsberichte vertrauen, sondern auf Werte, die man in der Hand halten kann.

Haftungsausschluss: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung, Steuerberatung oder Rechtsberatung dar und enthält keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung für Wertpapiere oder andere Finanzprodukte. Er beruht auf öffentlich zugänglichen Informationen sowie der Einschätzung unserer Redaktion. Jede Anlageentscheidung erfordert eigene, sorgfältige Recherche und gegebenenfalls die Hinzuziehung qualifizierter Berater. Für Vermögensentscheidungen und daraus entstehende Verluste trägt allein der Anleger die Verantwortung.

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