
Moskau lockt Selenskyj: Kreml verspricht „Sicherheit" für ukrainischen Präsidenten
Die diplomatischen Schachzüge zwischen Moskau und Kiew nehmen immer bizarrere Formen an. Kreml-Berater Juri Uschakow verkündete im russischen Staatsfernsehen, dass Russland bereit sei, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Moskau zu empfangen. Man werde seine „Sicherheit und die notwendigen Arbeitsbedingungen gewährleisten", so der Putin-Vertraute. Eine Aussage, die angesichts der Kriegsrealität geradezu zynisch anmutet.
Trump als Vermittler im Hintergrund
Bemerkenswert ist die Rolle, die US-Präsident Donald Trump in diesem diplomatischen Poker offenbar spielt. Laut Uschakow sei die Möglichkeit eines direkten Treffens zwischen Putin und Selenskyj bereits in Telefonaten zwischen dem russischen und dem amerikanischen Präsidenten erörtert worden. Trump habe vorgeschlagen, „diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen". Ob der amerikanische Präsident hier tatsächlich als ehrlicher Makler agiert oder eigene geopolitische Interessen verfolgt, bleibt abzuwarten.
Die ukrainische Seite zeigt sich grundsätzlich gesprächsbereit. Außenminister Andrij Sybiha erklärte in einem Interview mit der European Pravda, Selenskyj sei bereit, Putin zu treffen, um zwei zentrale Fragen zu klären: die territorialen Angelegenheiten und die Zukunft des von Russland besetzten Kernkraftwerks Saporischschja.
Ein Katz-und-Maus-Spiel der Staatschefs
Die Geschichte der gescheiterten Treffen zwischen beiden Staatsoberhäuptern liest sich wie ein diplomatisches Trauerspiel. Im vergangenen Jahr kursierten Spekulationen über ein mögliches Zusammentreffen in Istanbul – Putin lehnte ab und schickte stattdessen eine Delegation. Im Herbst 2025 lud der russische Präsident Selenskyj dann erstmals nach Moskau ein, woraufhin dieser konterte, Putin solle doch nach Kiew kommen.
Das letzte persönliche Treffen der beiden liegt mittlerweile über sechs Jahre zurück. Im Dezember 2019 saßen sie sich in Paris gegenüber, vermittelt durch Frankreich und Deutschland im sogenannten Normandie-Format. Seit dem russischen Einmarsch im Februar 2022 herrscht auf dieser Ebene Funkstille.
Neue Verhandlungsrunde steht bevor
Die jüngsten Äußerungen aus dem Kreml fallen in eine Phase intensivierter Friedensbemühungen. In Abu Dhabi fanden kürzlich Gespräche zwischen Vertretern der USA, der Ukraine und Russlands statt. Die nächste Verhandlungsrunde wird für den 1. Februar erwartet.
Doch während die Diplomaten verhandeln, geht das Sterben weiter. Erst gestern töteten russische Drohnen fünf Menschen bei einem Angriff auf einen Passagierzug in der Ostukraine. Hunderttausende Ukrainer haben ihr Land bereits verlassen – eine Abwanderungswelle, die das Land demografisch und wirtschaftlich auszubluten droht.
„Wir haben solche Kontakte nie abgelehnt"
Diese Aussage Uschakows klingt angesichts der Realität wie blanker Hohn. Russland führt seit fast vier Jahren einen brutalen Angriffskrieg gegen seinen Nachbarn und präsentiert sich gleichzeitig als gesprächsbereiter Partner. Die Einladung nach Moskau dürfte weniger einem echten Friedenswillen entspringen als vielmehr dem Kalkül, Selenskyj international als Verhandlungsverweigerer dastehen zu lassen. Ein durchsichtiges Manöver, das die westliche Diplomatie hoffentlich durchschaut.












