
Musks „Gut gemacht!“: Nach AfD-Rekord wankt die Merz-These

Es war ein Zweiwortsatz, der die Berliner Politik am Montagmorgen beschäftigte: „Gut gemacht!“ – auf Deutsch, gepostet von Elon Musk auf seiner Plattform X. Der Tech-Milliardär reagierte damit in der Nacht auf einen Beitrag von AfD-Bundeschefin Alice Weidel, die dem Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zum Wahlsieg in Sachsen-Anhalt gratuliert hatte.
Siegmund antwortete prompt – und auf Englisch. Er dankte für die „Unterstützung“ und stellte dem Unternehmer für den Fall einer Regierungsübernahme eine „starke und konstruktive Zusammenarbeit“ in Aussicht. Deutschland wäre dann wieder ein Standort, in den zu investieren sich lohne, schrieb er.
Ein Seitenhieb, der sitzt
Der Adressat dieser Botschaft dürfte weniger in Kalifornien als in Berlin sitzen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte im Wahlkampf wiederholt gewarnt, eine AfD-Regierung in Magdeburg würde dem Wirtschaftsstandort schaden und internationale Investoren abschrecken.
Nun postet ausgerechnet einer der bekanntesten Investoren der Welt nachts einen Glückwunsch. Ob daraus jemals ein Euro Investition wird, steht auf einem völlig anderen Blatt – politisch aber war die Wirkung sofort da.
43,8 Prozent: Ein Beben mit Ansage
Die Zahlen des vorläufigen Ergebnisses sind drastisch. Die AfD kommt Medienberichten zufolge auf 43,8 Prozent – ein Plus von rund 23 Punkten und das beste Landtagswahlergebnis ihrer Geschichte. Die CDU stürzt auf gut 17 Prozent ab und hat sich damit gegenüber 2021 (37,1 Prozent) mehr als halbiert.
Noch brutaler fällt die Bilanz bei den Direktmandaten aus: In 38 von 41 Wahlkreisen setzte sich die AfD durch, die CDU gewann keinen einzigen. Auch Ministerpräsident Sven Schulze verlor Berichten zufolge seinen Wahlkreis in Magdeburg. Siegmund holte Genthin.
- AfD: 43,8 Prozent – stärkste Kraft, absolute Mehrheit knapp verfehlt
- CDU: rund 17 Prozent – historischer Tiefstand
- SPD, Linke, Grüne: jeweils knapp unter zehn Prozent
- BSW: Einzug in den Landtag, FDP gescheitert
Rechnerisch bleibt es kompliziert
Trotz des Ergebnisses ist die Machtfrage offen. Für eine Alleinregierung bräuchte die AfD die Mehrheit der Sitze – die verfehlt sie nach derzeitigem Stand knapp. Die übrigen Fraktionen lehnen eine Zusammenarbeit ab, umgekehrt gilt das ebenso.
Damit wird das BSW zum Zünglein an der Waage. Dessen Spitzenkandidatin Claudia Wittig zeigte sich in der ARD offen für Entscheidungen „in der Sache“ und nannte es undemokratisch, die stärkste Kraft gar nicht zu beteiligen. Das Landesamt für Verfassungsschutz stuft die AfD in Sachsen-Anhalt seit 2023 als gesichert rechtsextremistisch ein; die Partei geht juristisch dagegen vor, das Verfahren ruht.
Der internationale Widerhall
Musk blieb nicht allein. Auch der frühere US-Botschafter Richard Grenell gratulierte auf X und sprach von einem großen Sieg. US-Präsident Donald Trump veröffentlichte auf Truth Social lediglich eine Hochrechnungsgrafik – kommentarlos.
Aus Sicht unserer Redaktion ist die eigentliche Nachricht dieses Abends jedoch nicht der Applaus aus Übersee. Sie lautet: Eine Volkspartei, die jahrelang an den Sorgen ihrer Wähler vorbeiregiert hat, verliert in einem Bundesland binnen fünf Jahren zwei Drittel ihrer Zustimmung. Wer das allein mit Empörung über Musk beantwortet, hat die Botschaft nicht verstanden.

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