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13.08.2026
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Null-Asyl in DĂ€nemark: Was Berlin bis heute nicht wagt

Null-Asyl in DĂ€nemark: Was Berlin bis heute nicht wagt
Symbolbild: KI-generiert

Kopenhagen macht vor, was in Berlin als Tabu gilt: eine Migrationspolitik, die Sozialdemokraten verantworten – und die trotzdem konsequent ist. DĂ€nemarks Regierungschefin Mette Frederiksen verfolgt seit 2019 ein erklĂ€rtes Null-Asyl-Ziel. Und gemeinsam mit Italiens MinisterprĂ€sidentin Giorgia Meloni fordert sie inzwischen auch von der EU eine Kehrtwende, wie Medienberichten zu entnehmen ist.

Der Werkzeugkasten aus Kopenhagen

Das Fundament legten nicht die Sozialdemokraten, sondern die bĂŒrgerliche VorgĂ€ngerregierung. 2016 fĂŒhrte der Liberale Lars LĂžkke Rasmussen mit AuslĂ€nderministerin Inger StĂžjberg das berĂŒchtigte „Schmuckgesetz“ ein: WertgegenstĂ€nde von Asylbewerbern können beschlagnahmt werden, um Verfahrenskosten zu decken.

Dazu kamen gekĂŒrzte Geldleistungen, ein deutlich erschwerter Familiennachzug – und der entscheidende Punkt: Schutz gibt es nur temporĂ€r, bis der Fluchtgrund entfĂ€llt. Kein Automatismus, kein Dauerabo.

Noch umstrittener ist das sogenannte Ghettogesetz. Übersteigt der Anteil von Bewohnern nichtwestlicher Herkunft in einem Viertel 50 Prozent bei zugleich hoher Arbeitslosigkeit, können Sozialwohnungen abgerissen und Bewohner umgesiedelt werden, bis der Anteil unter 30 Prozent sinkt. Flankiert wird das von einer Betreuungspflicht fĂŒr Kleinkinder – 25 Stunden pro Woche Kita, damit die Kinder DĂ€nisch lernen.

Eine Liste, die es in Deutschland nicht gibt

DĂ€nemark fĂŒhrt seit 2010 eine offizielle Liste sozialer Brennpunkte. Ihre Zahl sank dem Bericht zufolge auf fĂŒnf (Stand 2025). Eine vergleichbare Aufstellung sucht man in Deutschland vergeblich – wo nichts gemessen wird, muss auch niemand liefern.

Klagen betroffener Bewohner landeten vor dem EuGH, unterstĂŒtzt vom dĂ€nischen Menschenrechtsinstitut. Die dĂ€nischen Regelungen hielten stand. Man mag das hart finden. Man kann es aber ebenso als das lesen, was es dem Anspruch nach ist: Integrationspolitik mit Zwang zum Erfolg.

Fußfesseln, Abschiebehaft im Ausland – und die RealitĂ€t

Frederiksens Regierung erklĂ€rte Teile Syriens lange vor dem Sturz Assads fĂŒr sicher und brachte Ausreisepflichtige unter dem Motto „Bett, Brot, Seife“ spartanisch unter. Anfang des Jahres beschloss die Koalition, dass AuslĂ€nder nach einer Haftstrafe von mindestens einem Jahr abgeschoben werden sollen. Auch GefĂ€ngnisplĂ€tze im Kosovo sind geplant – angepeilt wird laut Bericht 2027.

Doch das Bild ist nicht makellos. Abschiebungen nach Syrien finden auch in DĂ€nemark nicht statt. Bei rund 45.000 dort lebenden Syrern kehrten dem DĂ€nischen FlĂŒchtlingsrat zufolge im vergangenen Jahr 803 freiwillig zurĂŒck.

Der Vergleich, der wehtut

  • DĂ€nemark: zuletzt knapp unter 2.000 neue AsylantrĂ€ge, weniger als die HĂ€lfte anerkannt
  • DĂ€nemark 2024: nur rund 400 ausreisepflichtige Personen
  • Deutschland: nach den im Bericht genannten SchĂ€tzungen 300.000 oder mehr
  • Deutschland 2025: 21.800 Ausreisen von Syrern bei 1,2 Millionen Menschen mit syrischem Hintergrund

2015 verzeichnete DÀnemark noch 21.316 AsylantrÀge. Dann kam die Kurve. Seither liegt das Land weit unter dem EU-Schnitt.

Politisch bleibt es dennoch heiß: Die nationalkonservative DĂ€nische Volkspartei kam bei der Folketingswahl im MĂ€rz 2026 auf 9,1 Prozent und liegt in Umfragen inzwischen bei 12,4 Prozent – zweitstĂ€rkste Kraft hinter den Sozialdemokraten.

Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Blick ĂŒber die Grenze vor allem eines: Es fehlt nicht an Instrumenten, sondern am politischen Willen. In DĂ€nemark konkurrieren Sozialdemokraten, Liberale und nationale KrĂ€fte offen um die hĂ€rteste Antwort. In Deutschland dominieren Brandmauer-Debatten. Der WĂ€hler merkt den Unterschied.

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