
Paniken, Machtkämpfe und das ewige Ringen um die Geldhoheit: Amerikas drei Zentralbank-Experimente
Die Geschichte wiederholt sich nicht – aber sie reimt sich, wie Mark Twain einst so treffend bemerkte. Wer die aktuelle Debatte um die US-Notenbank Federal Reserve verstehen will, der muss einen Blick zurückwerfen. Weit zurück. Denn was sich heute in Washington abspielt, ist im Grunde nur die jüngste Episode eines über zweihundert Jahre währenden Machtkampfs zwischen politischer Kontrolle und monetärer Unabhängigkeit.
Die Federal Reserve: Geliebt, gehasst, unverstanden
Die Federal Reserve, gegründet vor mehr als einem Jahrhundert, ist bereits der dritte Versuch der Vereinigten Staaten, eine Zentralbank zu etablieren. Über den Großteil ihrer Existenz hinweg agierte die Institution im Verborgenen – ein mächtiger Apparat, der lieber im Schatten wirkte als im Rampenlicht. Erst nach der globalen Finanzkrise von 2008 begann die Fed, sich der Öffentlichkeit stärker zu öffnen: Pressekonferenzen nach geldpolitischen Sitzungen, häufigere Medienauftritte der Entscheidungsträger. Doch mehr Transparenz bedeutet eben auch mehr Kontrolle durch die Öffentlichkeit.
Aktuelle Umfragen des Meinungsforschungsinstituts YouGov zeigen ein gespaltenes Bild: 44 Prozent der Amerikaner bewerten die Zentralbank positiv, 18 Prozent negativ. Der Rest? Offenbar gleichgültig – oder schlicht überfordert von der Komplexität einer Institution, die über das Schicksal von Millionen entscheidet.
Kevin Warsh, den Präsident Donald Trump als nächsten Fed-Vorsitzenden nominiert hat, sieht die Notenbank an einem kritischen Wendepunkt. In einem Interview mit dem Hoover Institution im Juli 2025 warnte er, die Federal Reserve beginne – vergleichbar mit ihren historischen Vorgängern – die Zustimmung der Regierten zu verlieren. Man könne an die Jacksonianer früherer Zeiten denken, die der Zentralbank vorwarfen, sich nur um die Sonderinteressen der Ostküsten-Elite zu kümmern und den Rest des Landes zu vergessen. „Es ist eine Version dessen, was mich heute besorgt", so Warsh.
Das erste Experiment: Hamiltons Traum, Jeffersons Albtraum
Nach der Amerikanischen Revolution stand die junge Nation vor gewaltigen wirtschaftlichen Herausforderungen. Inflation, entwertete Währung, Kriegsschulden – die Gründerväter mussten die Wirtschaft praktisch von Grund auf neu aufbauen. Alexander Hamilton, der erste Finanzminister unter der neuen Verfassung, schlug die Gründung einer Nationalbank nach dem Vorbild der Bank of England vor. Sie sollte Papiergeld ausgeben, als fiskalischer Agent der Regierung dienen und öffentliche Gelder schützen.
Doch nicht alle teilten Hamiltons Begeisterung. Thomas Jefferson fürchtete, eine solche Institution würde nicht den Interessen der Nation dienen. Mehr noch: Jefferson und andere Kritiker argumentierten, die Verfassung gewähre der Regierung schlicht nicht die Befugnis, derartige Einrichtungen zu schaffen. Ein Argument, das bis heute nachhallt – die Frage nach den Grenzen staatlicher Macht ist zeitlos.
Dennoch verabschiedete der Kongress das entsprechende Gesetz, und Präsident George Washington unterzeichnete es im Februar 1791. Die Bank of the United States beeinflusste Geldmenge und Kreditvergabe, indem sie kontrollierte, wann sie Banknoten der Einzelstaaten einlöste oder zurückhielt. Wollte sie die Kreditvergabe drosseln, forderte sie Zahlung in Gold oder Silber – ein Mechanismus, der die Reserven der Staatsbanken drainierte und deren Fähigkeit zur Kreditschöpfung einschränkte.
1811 lief die Konzession aus. Beide Kammern des Kongresses stimmten gegen eine Verlängerung – mit jeweils nur einer einzigen Stimme Unterschied. Das Ende kam kurz vor dem Krieg von 1812, der Inflation befeuerte und die Währung weiter schwächte.
Andrew Jackson und der „Bankenkrieg"
Die zweite Zentralbank der Vereinigten Staaten wurde unter ähnlichen Vorzeichen gegründet: fiskalischer Druck, Inflation, Handelsprobleme. Unter der Leitung von Nicholas Biddle erhielt sie eine Bundeslizenz, war aber in Privatbesitz und hatte die Aufgabe, die Staatsbanken zu regulieren – wiederum mit Gold und Silber als Rückgrat des Systems.
Selbst James Madison, der die erste Zentralbank noch aus verfassungsrechtlichen Gründen abgelehnt hatte, unterstützte die neue Institution aus finanzieller Notwendigkeit. Und tatsächlich: Die Gründung stabilisierte die Kreditvergabe und drückte die Inflation. Doch in den 1830er Jahren formierte sich massiver Widerstand – angeführt von keinem Geringeren als Präsident Andrew Jackson.
Was folgte, ging als „Bank War" in die Geschichte ein. Jackson betrachtete die Nationalbank als Werkzeug der wohlhabenden Ostküsten-Elite und als Bedrohung der Selbstregierung. In seiner berühmten Veto-Botschaft von 1832 – von Historikern als eines der bedeutendsten Vetos der amerikanischen Geschichte eingestuft – schrieb er Worte, die auch heute noch eine erstaunliche Aktualität besitzen:
„Es ist bedauerlich, dass die Reichen und Mächtigen allzu oft die Handlungen der Regierung zu ihren eigenen selbstsüchtigen Zwecken verbiegen. Es gibt keine notwendigen Übel in der Regierung. Ihre Übel existieren nur in ihren Missbräuchen."
Die Konzession lief 1836 aus. Was folgte, war die Panik von 1837 – Bankenzusammenbrüche, Firmenpleiten, steigende Arbeitslosigkeit. Doch interessanterweise erholte sich die Wirtschaft in der anschließenden „Free Banking Era" der 1840er Jahre auf bemerkenswerte Weise: dezentrales Bankwesen, weitgehend unregulierte Finanzmärkte, rasantes Wirtschaftswachstum, Eisenbahnbau, Westexpansion – und vor allem: Deflation während des größten Teils dieser Wachstumsphase. Ein Detail, das modernen Zentralbankern die Schamesröte ins Gesicht treiben sollte.
Die Geburt der Federal Reserve: Ein Kompromiss im Hinterzimmer
Die Panik von 1907 – ausgelöst durch exzessive Kreditaufnahme, spekulative Rohstoffinvestitionen und aufgeblähte Aktienmärkte – brachte das amerikanische Bankensystem an den Rand des Zusammenbruchs. Es war der Financier J.P. Morgan, der einsprang und quasi im Alleingang die Rolle einer Zentralbank übernahm: Er versammelte die führenden Bankiers des Landes, organisierte Notkredite und stützte Börsenmakler.
Washington erkannte, dass man sich nicht auf private Rettungsaktionen verlassen konnte. Senator Nelson Aldrich organisierte 1910 die berüchtigten Jekyll-Island-Treffen – ein Zusammenkunft von Regierungsvertretern und Bankiers, um den Bauplan einer neuen Zentralbank zu entwerfen. Die endgültige Fassung des Federal Reserve Act wurde von Präsident Woodrow Wilson, dem Abgeordneten Carter Glass und dem Ökonomen H. Parker Willis ausgearbeitet.
Das Ergebnis war ein öffentlich-privates Hybrid – die Bundesregierung an der Spitze, Bankiers an der Spitze der regionalen Reservebanken. Kurz vor Weihnachten 1913 unterzeichnete Wilson das Gesetz. Es wurde, wie der Autor William Greider schrieb, „von beiden Extremen angegriffen – den ‚Radikalen' aus den populistischen Staaten und den Bankiers an der Wall Street".
Von der Notenpresse zur Weltmacht – und die Lehren für heute
Seither hat die Federal Reserve kontinuierlich an Macht gewonnen. Der New Deal machte sie zum „Lender of Last Resort". Das Treasury-Fed-Abkommen von 1951 stellte ihre Unabhängigkeit wieder her, nachdem sie während des Zweiten Weltkriegs gezwungen worden war, die Zinsen künstlich niedrig zu halten. 1977 etablierte der Kongress das duale Mandat: maximale Beschäftigung und Preisstabilität.
Kevin Warsh hat nun angedeutet, dass er als künftiger Fed-Chef substanzielle Reformen durchsetzen wolle. „Solange es keinen Regimewechsel bei der Fed gibt, neue Leute und ein neues operatives Rahmenwerk, stecken sie in ihren alten Fehlern fest", sagte er bereits im Oktober 2025 gegenüber Fox Business Network. „Vergangenes ist nicht einfach vergangen."
Was bedeutet das für Anleger?
Die Geschichte der amerikanischen Zentralbanken ist eine Geschichte des Scheiterns und Neubeginns, der Machtkonzentration und des Widerstands dagegen. Eines zieht sich wie ein roter Faden durch alle drei Experimente: In Zeiten der Krise war es stets Gold und Silber, das als ultimativer Anker der Stabilität diente. Ob Hamiltons erste Bank, Jacksons Kampf gegen die zweite oder die Gründung der Fed – physische Edelmetalle waren immer dann gefragt, wenn das Vertrauen in Papiergeld und Institutionen schwand.
In einer Zeit, in der auch die neue deutsche Bundesregierung unter Friedrich Merz mit einem 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen die Schuldenspirale weiter dreht und die Inflation keineswegs gebannt scheint, dürfte die Besinnung auf bewährte Wertaufbewahrungsmittel aktueller sein denn je. Physische Edelmetalle wie Gold und Silber haben über Jahrhunderte hinweg bewiesen, dass sie Kaufkraft bewahren – unabhängig davon, welche Zentralbank gerade das Sagen hat oder welches geldpolitische Experiment als nächstes scheitert.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die hier geäußerten Einschätzungen spiegeln ausschließlich die Meinung unserer Redaktion wider. Jede Anlageentscheidung sollte auf eigener, sorgfältiger Recherche basieren. Wir empfehlen, vor Investitionsentscheidungen einen qualifizierten Finanzberater zu konsultieren. Für etwaige Verluste, die aus der Umsetzung der hier dargestellten Informationen entstehen, übernehmen wir keinerlei Haftung.
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