
Panzer statt Sprinter? Bundeswehr lÀsst Mercedes-Werk zittern!

Im brandenburgischen Ludwigsfelde bangen rund 1800 Mercedes-BeschÀftigte um ihre Zukunft. Medienberichten zufolge kommt der geplante Verkauf des Van-Werks an den deutsch-französischen Panzerbauer KNDS nicht voran und könnte sogar platzen. Der Grund liegt diesmal nicht bei den Unternehmen. Es fehlt ein Milliardenauftrag der Bundeswehr.
Zwei Konzerne sind sich einig, trotzdem hÀngt alles fest
Laut Informationen aus Industriekreisen sind sich Mercedes-Benz und KNDS im Kern weitgehend einig. Der Stuttgarter Autobauer wolle sich von der Fabrik sĂŒdlich von Berlin trennen. KNDS habe Interesse, das Werk zu ĂŒbernehmen oder zumindest einen Teil der ProduktionskapazitĂ€ten zu nutzen.
Eigentlich ist das eine Konstellation, wie sie sich Politiker in Sonntagsreden wĂŒnschen: Die RĂŒstungsindustrie wĂ€chst, die Autoindustrie hat zu viele Werke, und die FachkrĂ€fte könnten bleiben. Doch ohne feste Bestellung aus Berlin ist das Werk fĂŒr KNDS eine Wette ins Blaue. Welcher Konzern kauft schon eine Fabrik, wenn er nicht weiĂ, was er dort bauen soll?
Der Sprinter wandert nach Polen ab
Der Zeitdruck ist erheblich. Laut frĂŒheren Berichten will Mercedes die Fertigung der Sprinter-Varianten, die heute in Ludwigsfelde vom Band laufen, bis 2030 ins polnische Werk Jawor verlagern. Das Unternehmen erklĂ€rte damals nur, es wolle eine zukunftsfĂ€hige Lösung fĂŒr den Standort entwickeln und spreche mit dem Betriebsrat ĂŒber verschiedene Optionen.
Dabei hat das Werk viel hinter sich. Es wurde 1936 gegrĂŒndet, zu DDR-Zeiten als groĂes IFA-Nutzfahrzeugwerk ausgebaut und nach der Wende von Mercedes ĂŒbernommen. Seit 1965 wurden dort Berichten zufolge mehr als 1,5 Millionen Nutzfahrzeuge gebaut. Ein StĂŒck ostdeutscher Industriegeschichte steht damit auf der Kippe.
Der Boxer: ein Radpanzer mit Milliardenpotenzial
Im Mittelpunkt steht der Radpanzer Boxer, den KNDS gemeinsam mit Rheinmetall baut. Medienberichten zufolge will die Bundeswehr im Rahmen des Projekts âArminius" zusĂ€tzliche Varianten beschaffen. In MilitĂ€rkreisen ist von bis zu 3000 Fahrzeugen die Rede. FĂŒr das gesamte Programm werden Summen von bis zu 40 Milliarden Euro genannt.
KNDS rĂŒstet sich fĂŒr diesen Auftrag. Das Unternehmen investiert Berichten zufolge rund eine Milliarde Euro in den Ausbau seiner Produktion und hat bereits im FrĂŒhjahr 2025 das frĂŒhere Alstom-Werk im sĂ€chsischen Görlitz ĂŒbernommen. Bis 2030 soll sich die Boxer-Produktion laut Planungen versechsfachen.
Warten auf Berlin
Die entscheidende Unterschrift fehlt jedoch. Schon im FrĂŒhsommer meldeten Finanzmedien, dass sich der erwartete Boxer-GroĂauftrag verschiebe. Analysten senkten daraufhin die Kursziele fĂŒr Rheinmetall. An den Börsen wird das nervös verfolgt, in Ludwigsfelde bedeutet es eine ungewisse Zukunft fĂŒr die Belegschaft.
Zeitenwende im Schneckentempo
Das Beispiel zeigt ein Problem, das Kritiker seit Jahren beklagen. Die Politik ruft die Zeitenwende aus, stellt Sondervermögen und Rekordetats bereit und verlangt von der Industrie schnellere Produktion. Bei der Beschaffung selbst geht es dann aber oft nur langsam voran.
Aus Sicht unserer Redaktion passt das zu einer Bundesregierung, die gerne groĂe Summen verkĂŒndet, sich bei der Umsetzung aber schwertut. Unternehmen brauchen Planungssicherheit statt AbsichtserklĂ€rungen. Wer Tausende IndustriearbeitsplĂ€tze im Land halten will, muss AuftrĂ€ge rechtzeitig vergeben.
FĂŒr die BeschĂ€ftigten in Brandenburg lĂ€uft die Zeit. Ob in Ludwigsfelde kĂŒnftig Panzer gebaut werden oder das Werk schlieĂt, hĂ€ngt nun offenbar von Entscheidungen in Berlin ab. Wann diese fallen, ist offen.
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