
Preisschock zum Ferienstart: Bahn-Tickets plötzlich bis zu 456 % teurer!

Wer mit der Familie in die Ferien fährt, zahlt bei der Deutschen Bahn oft kräftig drauf. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Auswertung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), über die am 20. Oktober 2026 berichtet wurde. Die Verbraucherschützer fordern deshalb mehr Transparenz bei den Ticketpreisen. Der Staatskonzern weist den Vorwurf zurück.
Eine Woche Unterschied, ein Vielfaches beim Preis
Die Zahlen haben es in sich. In 62 Prozent der untersuchten Kombinationen aus Strecke und Ferienzeitraum waren die Tickets am ersten Feriensamstag teurer als am Samstag eine Woche davor. Besonders deutlich fiel der Aufschlag beim beliebten „Super-Sparpreis“ aus: In der Hälfte der Fälle lag er zu Ferienbeginn mindestens 21 Prozent über dem Niveau der Vorwoche.
Noch drastischer war es in den Weihnachtsferien 2024. Dort lagen die Super-Sparpreise in der Hälfte der Fälle um mindestens 156 Prozent höher. Und dann der Extremfall: Auf der Strecke Berlin–München sprang der untersuchte Super-Sparpreis zum Start der Berliner Winterferien 2025 von 17,99 Euro auf 99,99 Euro. Ein Plus von 456 Prozent. Aus einem Schnäppchen wird so schnell ein teurer Ausflug.
VerbraucherschĂĽtzer: Kosten mĂĽssen kalkulierbar sein
VZBV-Vorständin Ramona Pop sagte der „Neuen Osnabrücker Zeitung“, wer eine Bahnreise plane, müsse die Kosten verlässlich einschätzen können.
„Gerade zu Ferienbeginn sind Verbraucherinnen und Verbraucher auf die Bahn angewiesen. Unsere Untersuchung zeigt jedoch, dass Bahntickets zu diesen Zeiten regelmäßig teurer werden.“
Für Reisende sei es oft kaum nachvollziehbar, warum dieselbe Fahrt eine Woche vorher deutlich weniger koste, so Pop. Getroffen werden davon vor allem Familien. Sie sind an die Schulferien gebunden und können nicht einfach ausweichen.
Die Bahn kontert: Es geht nur um Nachfrage
Die Deutsche Bahn sieht kein Problem. Eine Sprecherin erklärte, man weise den Vorwurf der Intransparenz zurück. Wer in der Buchungsmaske sein Alter und Ermäßigungen wie BahnCard oder Deutschland-Ticket angebe, bekomme stets das passende günstigste Angebot angezeigt. Die Preise richteten sich in erster Linie nach der Nachfrage. Ziel sei es, die Züge „für ein komfortables Reisen optimal auszulasten“. Wie bei Flügen und Hotels seien die günstigsten Tickets rund um die Ferien eben schnell weg.
Das Argument klingt nach Marktwirtschaft. Doch hier hakt es: Die Bahn ist kein gewöhnlicher Anbieter unter vielen, sondern ein bundeseigener Konzern. Im Fernverkehr hat sie auf vielen Strecken kaum ernsthafte Konkurrenz. Kritiker dürften fragen, ob ein Unternehmen, das Milliarden an Steuergeld bekommt, seine Kunden ausgerechnet dann am stärksten zur Kasse bitten sollte, wenn sie keine Wahl haben.
Mehr bezahlen, aber nicht pĂĽnktlicher ankommen
Die Kritik trifft die Bahn ohnehin zur Unzeit. Medienberichten zufolge war im September fast jeder zweite Fernzug verspätet, das Pünktlichkeitsziel wurde wieder verfehlt. Gleichzeitig steigt der Preis für das Deutschland-Ticket am 1. Januar 2027 von 63 auf 66,80 Euro. Es ist bereits die dritte Erhöhung. Gestartet war das Ticket einmal mit 49 Euro.
Dazu kommt die Inflation: Offiziellen Angaben zufolge stieg sie im September 2026 vor allem wegen teurer Energie auf 3,3 Prozent. Für viele Haushalte wird Mobilität damit zum Luxusgut. Die Politik hat jahrelang die Verkehrswende gepredigt. Wer aber vom Auto auf die Schiene umsteigen soll, braucht verlässliche Preise und Züge, die pünktlich kommen. Beides ist derzeit nicht garantiert.
So wurde ausgewertet
Der VZBV hat von Juni 2024 bis April 2026 jeden Tag die günstigsten Direktverbindungen zwischen Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main erfasst. Verglichen wurden die Medianpreise am ersten Feriensamstag mit denen der Vorwoche. Berücksichtigt wurden Tagesverbindungen in der zweiten Klasse, die drei Wochen im Voraus gebucht wurden. Insgesamt flossen 2.479 Verbindungsabfragen in die Analyse ein.
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