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Rohstoff-Bunker für Europa: Merz will Brüssel zum Großeinkäufer machen

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat am gestrigen Donnerstag auf einer Wirtschaftskonferenz in Berlin vorgeschlagen, dass die EU eigene Vorräte an kritischen Rohstoffen anlegt. Damit will er Europas Abhängigkeit von China verringern. Wie viel davon gelagert werden soll, was genau und wer das bezahlt, hat er allerdings nicht gesagt.

Drei Aufgaben, ein Lager in Brüssel

Merz nannte in seiner Rede drei Aufgaben für den Staat. Europa solle seine Lieferanten breiter streuen, Recycling und Kreislaufwirtschaft ausbauen und, als ausdrücklich eigener Vorschlag, gemeinsame Bestände auf europäischer Ebene aufbauen. Medienberichten zufolge warnte er, Europa gehe derzeit erhebliche Risiken ein.

„Ohne kritische Rohstoffe gäbe es keine Batterien, keine leistungsfähigen Elektromotoren, keine modernen Halbleiter."

Mit diesem Satz hat der Kanzler recht. Die EU hängt wie die übrigen westlichen Industriestaaten bei Seltenen Erden, Batteriematerialien und vielen Vorprodukten stark von Peking ab. Das betrifft Autobauer, Rüstungsindustrie, Luft- und Raumfahrt und die Hersteller von Wind- und Solaranlagen gleichermaßen.

Der Ordnungspolitiker als Großeinkäufer?

Merz sagte auf derselben Konferenz laut Berichten auch, der Staat solle sich möglichst wenig in die Wirtschaft einmischen und sich vor allem um einen verlässlichen Ordnungsrahmen kümmern. Ein zentrales Lager in Brüssel, das nach politischen Vorgaben einkauft, passt dazu nur schwer. Es ist ein weiteres Instrument für eine EU-Kommission, die ihre Zuständigkeiten ohnehin gern ausweitet.

Neu ist die Idee nicht. Die USA unterhalten seit Jahrzehnten eine strategische Reserve für Verteidigungsrohstoffe, und Japan legt seit Langem Vorräte an seltenen Metallen an. Tokio hatte dafür einen konkreten Anlass: 2010 drosselte China im Streit um Inselgruppen die Lieferungen von Seltenen Erden nach Japan. Europa denkt erst jetzt ernsthaft über eine eigene Reserve nach.

Warum ein Staatslager anders kauft als die Industrie

Ein Autohersteller kauft nach Auftragslage und achtet auf den Preis. Wird ein Material zu teuer, ersetzt er es, spart es ein oder verschiebt die Bestellung. Eine staatliche Reserve kauft dagegen, weil ein Beschluss eine bestimmte Menge vorschreibt, und zwar unabhängig vom Preis.

Bei Seltenen Erden wiegt das schwer, denn sie werden in Tonnen gehandelt und nicht in Millionen Tonnen wie Kupfer oder Eisenerz. Schon eine kleine Zusatznachfrage kann solche Märkte spürbar bewegen. Ein Lager kann aber auch verkaufen und in Engpässen Preisspitzen dämpfen. Entscheidend ist, wo eingekauft wird. Wenn Brüssel nur am Weltmarkt einkauft, landet am Ende womöglich in China verarbeitetes Material im Lager, und die Abhängigkeit bleibt bestehen.

46 Projekte, aber keine Abnahmegarantie

Die EU-Kommission hat am 9. Oktober 2026 nach eigenen Angaben 46 neue strategische Rohstoffprojekte in 16 Mitgliedstaaten ausgewählt. Beworben hatten sich 171 Projekte. Innerhalb der EU sind es damit insgesamt 93, dazu kommen 13 Projekte in Partnerländern. Die Kommission spricht von mehr als zwei Milliarden Euro an öffentlichen Mitteln. 19 der neuen Projekte betreffen das Recycling.

Schnellere Genehmigungen verbessern allerdings nur das Angebot, und das erst nach Jahren, denn neue Minen und Raffinerien brauchen lange Vorlaufzeiten. Eine Reserve würde dagegen sofort Nachfrage schaffen. Wer Bergbauprojekte außerhalb Chinas finanziert, will in der Regel beides sehen: zügige Genehmigungen und feste Abnahmeverträge.

Auch London warnt

Großbritannien diskutiert dasselbe Problem. Wie die Financial Times berichtet, warnt ein Ausschuss des britischen Parlaments, Chinas Vormacht bei kritischen Mineralien lasse das Land „gefährlich exponiert" zurück.

Fazit: Erst das Budget, dann die Bewertung

Bevor tatsächlich etwas eingelagert wird, braucht es einen Haushaltsbeschluss, eine Einigung der Mitgliedstaaten und eine Liste der Rohstoffe. Nichts davon hat bislang einen Termin. Ob der Vorschlag mehr ist als eine Konferenzrede, zeigt sich erst, wenn ein Budget steht und erste Lieferverträge unterschrieben sind.

Dass Staaten in unsicheren Zeiten wieder Vorräte an realen Gütern anlegen wollen, ist allerdings ein deutliches Signal. Zentralbanken handeln mit ihren Goldreserven seit Jahrzehnten nach dem gleichen Prinzip. Für Sparer kann es deshalb sinnvoll sein, auch privat einen Teil des Vermögens in physischem Gold und Silber zu halten, als Ergänzung in einem breit gestreuten Portfolio.

Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser muss sich selbst informieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.

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