
Rotstift beim WDR: Halbes Programm weg â doch wer zahlt weniger?

Der Westdeutsche Rundfunk greift zur Schere, und er schneidet tief. Bis Ende 2027 will die gröĂte ARD-Anstalt in Köln zunĂ€chst 76 Angebote einstellen. Bis 2030 soll das Portfolio von rund 600 auf etwa 300 Angebote schrumpfen, gleichzeitig fallen 133 Stellen weg.
Was nach einer mutigen Sparoffensive klingt, wirft beim Beitragszahler vor allem eine Frage auf: Wenn das Programm um die HĂ€lfte kleiner wird, warum sinkt dann nicht auch der Beitrag?
Bekannte Namen auf der Streichliste
Die erste Welle trifft Formate, die viele Zuschauer seit Jahren kennen. Im WDR Fernsehen sollen âFrau tvâ, âMenschen hautnahâ und âWDR Storyâ in ihrer bisherigen Form verschwinden. âMenschen hautnahâ lief noch am 24. September ganz regulĂ€r. Im Radio erwischt es unter anderem âSatire am Sonntagâ auf WDR 4 und âEx & Popâ auf WDR 3.
Nach Angaben des Senders sollen Angebote wegfallen, die ihr Publikum nicht gut genug erreichen oder nicht zu den strategischen Schwerpunkten passen. Das ist bemerkenswert offen. Es heiĂt nĂ€mlich auch, dass ĂŒber Jahre Formate mit GebĂŒhrengeld finanziert wurden, die ihr Publikum offenbar nie richtig gefunden haben.
Wie der WDR zÀhlt
Die Zahl 600 wirkt nur auf den ersten Blick gewaltig. Der WDR zĂ€hlt nĂ€mlich nicht nur Sendungen, sondern auch jeden Podcast, jeden Newsletter, jede Webseite und jeden eigenen Social-Media-Kanal einzeln. Weil zugleich 80 bis 100 neue Formate entstehen sollen, mĂŒssen rund 400 der heutigen Angebote verschwinden, damit am Ende etwa 300 ĂŒbrig bleiben.
Vernau: âUnsere Kosten steigenâ
Intendantin Katrin Vernau begrĂŒndet den Umbau mit dem verĂ€nderten Medienverhalten und mit finanziellem Druck:
âDie Mediennutzung verĂ€ndert sich rasant, unsere Finanzierung ist ungewiss, unsere Kosten steigen.â
Noch immer seien gut drei Viertel der Ressourcen im klassischen linearen Programm gebunden, obwohl das Geld zunehmend im Digitalen gebraucht werde. Deshalb soll sich das Fernsehen kĂŒnftig mit eigenen KrĂ€ften vor allem auf die Zeit von 17 bis 22.15 Uhr konzentrieren. Den Rest des Tages fĂŒllen dann verstĂ€rkt Wiederholungen. âHier und Heuteâ beginnt kĂŒnftig erst um 17 Uhr und wird damit um eine Stunde kĂŒrzer. Dokumentationen sollen zuerst fĂŒr die ARD-Mediathek entstehen.
Stellenabbau im Zeitlupentempo
Beim Personal geht der Sender behutsam vor. Ab 2027 soll nur jede dritte Stelle, die durch Renteneintritt frei wird, unbesetzt bleiben. Bis 2030 ergibt das 133 Stellen weniger. Zum Vergleich: Der WDR beschÀftigt rund 4000 Festangestellte und zusÀtzlich etwa 2500 arbeitnehmerÀhnliche Freie. Wie viele freie Mitarbeiter weniger AuftrÀge bekommen, lÀsst sich laut Vernau noch nicht sagen.
AuĂerdem sollen Studios und RegierĂ€ume abgebaut und Produktionen gebĂŒndelt werden. Einen Teil der Unterhaltung und der Dokumentationen will der Sender hĂ€ufiger an externe Firmen vergeben. Medienberichten zufolge soll auch die GebĂ€udeflĂ€che deutlich schrumpfen.
Verdi schimpft, Karlsruhe entscheidet
Die Gewerkschaft Verdi sieht die Schuld bei den BundeslÀndern. Christoph Schmitz-Dethlefsen aus dem Bundesvorstand wird mit den Worten zitiert:
âEine Rundfunkpolitik, die von den BundeslĂ€ndern verantwortet wird, spart die Sender kaputt und fĂŒhrt damit auch zu weniger Sendungen fĂŒr die Breite der Gesellschaft.â
âKaputtgespartâ ist allerdings ein gewagtes Wort fĂŒr ein System, das jĂ€hrlich Milliarden aus einem Pflichtbeitrag bekommt. Seit 2021 zahlt jeder Haushalt 18,36 Euro im Monat. Die LĂ€nder hatten eine Erhöhung auf 18,94 Euro zum Januar 2025 abgelehnt. Daraufhin zogen ARD und ZDF vor das Bundesverfassungsgericht, das im Juni verhandelt hat. Inzwischen empfiehlt die Finanzkommission KEF ab 2027 eine kleinere Erhöhung auf 18,64 Euro.
Aus Sicht unserer Redaktion ist genau das der Widerspruch: Das Angebot wird halbiert, die Rechnung fĂŒr die BĂŒrger steigt womöglich trotzdem. In jedem privaten Unternehmen wĂ€re so ein Umbau lĂ€ngst Alltag, ohne dass Kunden dafĂŒr mehr bezahlen mĂŒssten. Anfang 2027 will der WDR die nĂ€chsten KĂŒrzungen bekanntgeben.
- Themen:
- #Steuern

Als PDF in wenigen Sekunden per E-Mail.
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik











