
Überraschender Abgang bei der Deutschen Bank: Firmenkundenchef wirft das Handtuch
Es ist eine Personalie, die in der Frankfurter Finanzwelt für hochgezogene Augenbrauen sorgt: Ole Matthiessen, erst im Januar zum Co-Chef der Firmenkundensparte der Deutschen Bank befördert, verlässt das Institut mit sofortiger Wirkung. Ein Abgang, der selbst innerhalb des Hauses offenbar niemand auf dem Radar hatte – und der einmal mehr die Frage aufwirft, wie stabil die Führungsstrukturen bei Deutschlands größtem Geldhaus tatsächlich sind.
Vom Shootingstar zum Abgänger in wenigen Monaten
Matthiessen galt als eines jener Managertalente, auf die man in Frankfurt große Stücke hielt. Erst zu Jahresbeginn hatte ihn die Deutsche Bank in die prestigeträchtige Position des Co-Chefs der Unternehmenskundenbank gehoben und ihn gleichzeitig in das sogenannte Konzernleitungskomitee (GMC) berufen – jenes Führungsgremium, das direkt unterhalb des Vorstands die strategischen Fäden zieht. Dass ein derart frisch beförderter Spitzenmanager nur wenige Monate später seinen Hut nimmt, ist bemerkenswert – und wirft unweigerlich Fragen auf.
Wohin es den Manager zieht, darüber hüllt sich die Deutsche Bank in diplomatisches Schweigen. Er werde sich „neuen Aufgaben" widmen, heißt es in der offiziellen Mitteilung lapidar. Eine Formulierung, die in der Bankenwelt üblicherweise alles und nichts bedeuten kann.
Singapur oder Frankfurt – eine Frage der Lebensqualität?
Als möglicher Hintergrund für den überraschenden Abschied werden private Gründe gehandelt. Matthiessen war Mitte 2022 mit seiner Familie nach Singapur gezogen, um dort neben seiner Rolle als Leiter des globalen Cash-Managements auch die Verantwortung für die Unternehmensbank in der Region Asien-Pazifik zu übernehmen. Für seine neue Position als Co-Firmenkundenchef hätte er jedoch nach Frankfurt zurückkehren müssen. Offenbar wog das Leben im südostasiatischen Stadtstaat schwerer als die Karrierechance am Main.
Man mag es dem Mann nicht verdenken. Wer einmal die Effizienz und Sicherheit Singapurs erlebt hat, der dürfte sich bei dem Gedanken an eine Rückkehr nach Deutschland durchaus die eine oder andere Frage stellen. Marode Infrastruktur, eine erdrückende Steuerlast und eine Bürokratie, die selbst hartgesottene Manager in die Knie zwingt – das sind keine Argumente, die einen international gefragten Finanzexperten zurück in die Heimat locken.
Nachfolger steht bereits bereit
Die Deutsche Bank reagierte schnell und präsentierte mit Gerald Podobnik umgehend einen Nachfolger. Podobnik, bislang als Finanzchef der Unternehmens- und Investmentbank tätig, übernimmt die Position mit sofortiger Wirkung. Ein Zeichen dafür, dass man in Frankfurt zumindest auf personeller Ebene vorbereitet war – oder sein musste.
Ein Symptom für ein größeres Problem?
Der Abgang Matthiessens reiht sich ein in eine lange Geschichte personeller Turbulenzen bei der Deutschen Bank. Seit Jahren kämpft das Institut nicht nur mit regulatorischen Herausforderungen und einer schwierigen Ertragslage, sondern auch mit der Schwierigkeit, Spitzenkräfte dauerhaft zu halten. In einer globalisierten Finanzwelt, in der Standorte wie Singapur, Dubai oder New York mit attraktiven Rahmenbedingungen locken, wird der Finanzplatz Frankfurt zunehmend zum Verlierer im Wettbewerb um die besten Köpfe.
Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat zwar versprochen, den Wirtschaftsstandort Deutschland wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Doch solange die Steuerbelastung hoch bleibt, das geplante 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen die Schuldenlast weiter in die Höhe treibt und die Rahmenbedingungen für Unternehmen und Führungskräfte nicht spürbar verbessert werden, dürfte der Exodus qualifizierter Fachkräfte ins Ausland weitergehen. Der Fall Matthiessen ist möglicherweise nur die Spitze des Eisbergs – ein Symptom für ein Land, das seine besten Leute nicht mehr halten kann.

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