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Kettner Edelmetalle
30.07.2026
16:42 Uhr

Vom Nebensatz zur Nummer eins: Warum Sachsens Neuntklässler die etablierte Politik abgewählt haben

Es gibt Zahlen, die man in Berliner Amtsstuben am liebsten in einer Schublade verschwinden lassen würde. Diese hier gehört dazu: In Sachsens neunten Klassen ist die AfD die beliebteste Partei. 25 Prozent der befragten Jugendlichen ordnen sich ihr zu. Zwei Jahre zuvor, damals noch in der siebten Klasse, waren es fünf Prozent. Ein Sprung um 23 Prozentpunkte – der größte Zuwachs, den die Untersuchung bei irgendeiner Partei überhaupt gemessen hat.

Die Daten stammen aus einem Policy Paper, das ein Exzellenzcluster der Universität Konstanz gemeinsam mit einem Berliner Think-Tank vorgelegt hat. Grundlage ist ein Forschungsprojekt, bei dem rund 3000 Schüler in Sachsen, Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein zweimal befragt wurden: im Winter 2022/23 in Klasse sieben, dann im Schuljahr 2024/25 in Klasse neun. Für diese drei Länder gilt die Erhebung als repräsentativ.

Die Unentschiedenen verschwinden – und zwar in eine Richtung

Interessanter als die reine Prozentzahl ist die Bewegung dahinter. In Klasse sieben gaben 38 Prozent der sächsischen Befragten an, die Parteien nicht gut genug zu kennen. In Klasse neun sind es nur noch zwölf Prozent. Zwischen dem zwölften und dem vierzehnten Lebensjahr legen sich die Jugendlichen also fest – und in Sachsen fällt diese Festlegung überdurchschnittlich häufig gegen jene Parteien aus, die dort seit Jahren regieren oder mitregieren.

Auf Platz zwei folgt die Linke mit 13 Prozent, ein Plus von zehn Punkten. Dann kommt die CDU mit elf Prozent, die Grünen erreichen sechs, die SPD vier, das BSW drei und die FDP zwei Prozent. Man lese das noch einmal langsam: Die Sozialdemokratie, einst Volkspartei, landet bei sächsischen Neuntklässlern im Bereich der statistischen Restgröße.

Nicht Ost gegen West, sondern Gymnasium gegen Oberschule

Bemerkenswert ist, dass die schärfste Trennlinie über alle drei Bundesländer hinweg nicht zwischen Ost und West verläuft. Sie verläuft zwischen den Schulformen. Bei Jugendlichen mit niedrigem Bildungshintergrund an nicht-gymnasialen Zweigen – in Sachsen die Oberschulen – erreicht die AfD 25 Prozent. Bei Gymnasiasten, deren Eltern beide Abitur haben, sind es sechs Prozent. In dieser gymnasialen Akademikergruppe liegen dafür die Grünen mit 18 Prozent vorn. Wer das Milieu der Klimakleber und Sprachwächter sucht, findet es also dort, wo Papa und Mama das Abitur haben.

Auch die anderen Befunde sind lehrreich. In Baden-Württemberg führt bei den Neuntklässlern die Union mit 19 Prozent, Grüne und AfD folgen mit je zehn. Und in Schleswig-Holstein – man staune – liegt die Linkspartei mit 24 Prozent vorn, die AfD kommt auf 15. Die Ränder wachsen also in beide Richtungen. Von einem exklusiv ostdeutschen Phänomen kann keine Rede sein.

Der Befund, der nicht ins Narrativ passt

Nun kommt der Teil, den man in den Kommentarspalten der großen Häuser gern überliest. Die Zustimmung zu demokratischen Werten wurde auf einer Skala von eins bis elf erhoben. Alle Gruppen liegen deutlich über dem Mittelwert von sechs – und die Werte sind zwischen der siebten und der neunten Klasse sogar leicht gestiegen. Sächsische Oberschüler erreichen 8,32 Punkte, Gymnasiasten 9,33. Signifikante Unterschiede zwischen den drei Bundesländern konnten die Forscher nicht feststellen.

Die hohe AfD-Identifikation in Sachsen geht bislang nicht mit einer geringeren Zustimmung zur Demokratie einher.

Diese eine Zeile demontiert die bequeme Gleichung, mit der ein Teil des politmedialen Betriebs seit Jahren arbeitet. Wer der AfD zuneigt, ist demnach eben nicht automatisch ein Demokratieverächter. Es sind Jugendliche, die sich für Politik interessieren – das Interesse ist übrigens in jeder Gruppe gestiegen, auch in bildungsferneren Milieus – und die zu einem anderen Ergebnis kommen als ihre Lehrer.

Migration: Nüchterne Zahlen statt Hysterie

Auch beim Reizthema Zuwanderung lohnt der Blick ins Kleingedruckte. Auf einer Skala von eins bis fünf, bei der höhere Werte größere Skepsis bedeuten, kommen sächsische Oberschüler auf 3,10, sächsische Gymnasiasten auf 2,34. In Schleswig-Holstein liegen die Werte bei 2,56 und 1,98, in Baden-Württemberg bei 2,36 und 2,30. Nirgends klaffen die Schulformen so weit auseinander wie in Sachsen. Insgesamt aber bewegen sich die Werte nahe der Skalenmitte – von pauschaler Ablehnung, wie sie gern unterstellt wird, ist das weit entfernt. Es handelt sich schlicht um differenzierte Antworten junger Menschen, die im Alltag erleben, was jahrelange Grenzöffnungspolitik in Schulklassen, Sportvereinen und Innenstädten bewirkt hat.

Die Diagnose der Forscher – und was sie auslässt

Die Autoren sprechen von einer besorgniserregenden Verschiebung nach rechtsaußen und fordern mehr politische Bildung, insbesondere an nicht-gymnasialen Schulen. Planspiele, Rollenspiele, offene Diskussionen, echte Mitbestimmung. Dazu Maßnahmen gegen strukturelle Ungleichheiten in Bildungssystem, Arbeitsmarkt und politischem System.

Man darf das getrost hinterfragen. Denn wenn ein Viertel einer Alterskohorte sich binnen zwei Jahren von den Regierungsparteien abwendet, dann ist die naheliegendste Erklärung nicht ein Defizit an Planspielen. Sie ist ein Defizit an Politik. Diese Jugendlichen sind in einem Land groß geworden, in dem Industriearbeitsplätze verschwinden, Energie zum Luxusgut wurde, Messerangriffe zur Nachrichtenroutine gehören und die neue Große Koalition unter Friedrich Merz ausgerechnet mit jenen Schulden regiert, deren Ablehnung sie im Wahlkampf zum Markenkern erklärt hatte. Wer soll diesen Jugendlichen erklären, dass sie sich irren?

Mehr Aufklärung – oder mehr Umerziehung?

Die Versuchung ist groß, aus solchen Zahlen ein Programm zur politischen Nachjustierung von Vierzehnjährigen abzuleiten. Wer jedoch glaubt, man könne Vertrauen durch Unterrichtseinheiten ersetzen, verkennt den Mechanismus. Vertrauen entsteht durch Leistung: durch sichere Straßen, verlässliche Energiepreise, funktionierende Schulen, eine Wirtschaft, die Löhne zahlt statt Subventionen zu verwalten. Alles andere ist Symptombehandlung mit Arbeitsblättern.

Eine Wahlumfrage ist diese Studie ausdrücklich nicht – Vierzehnjährige stimmen bei Landtags- und Bundestagswahlen nicht ab. Aber sie ist ein Frühwarnsystem. In fünf, sechs Jahren stehen diese Jahrgänge an der Urne. Wer dann noch über einen "Rechtsruck" staunt, hat 2026 nicht zugehört.

Was das mit dem eigenen Vermögen zu tun hat

Politische Erschütterungen dieser Art sind kein Betriebsunfall, sondern Ausdruck eines tieferen Vertrauensverlustes – und Vertrauensverluste treffen am Ende immer auch das Geld. Wer erlebt, wie Institutionen an Glaubwürdigkeit verlieren, wie Schuldenpakete in Hunderten Milliarden beschlossen und Kaufkraft schleichend entwertet wird, stellt irgendwann die Frage, worauf noch Verlass ist. Physisches Gold und Silber gehören seit Jahrtausenden zu den wenigen Antworten, die keine Regierungsmehrheit über Nacht per Beschluss auflösen kann. Als solide Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen bleiben Edelmetalle deshalb ein Anker, der unabhängig von Wahlergebnissen hält.

Haftungsausschluss: Dieser Beitrag stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Er gibt ausschließlich die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser ist verpflichtet, eigene Recherchen durchzuführen und trägt für seine Anlageentscheidungen die volle Verantwortung selbst. Für konkrete steuerliche oder rechtliche Fragen wenden Sie sich bitte an einen Steuerberater oder Rechtsanwalt.

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