
Wahlkampf auf Arabisch: BSW-Spitzenkandidat umwirbt Berlins Muslime

Berlin, 10. September 2026: Zehn Tage vor der Abgeordnetenhauswahl setzt das Bündnis Sahra Wagenknecht auf ein ungewöhnliches Werbemittel. Spitzenkandidat Michael Lüders hat am Mittwoch ein Instagram-Video veröffentlicht – gesprochen nicht auf Deutsch, sondern fließend auf Arabisch. Adressat: muslimische und arabischstämmige Wähler in der Hauptstadt.
Die deutsche Fassung? Kommt später, wie Lüders in den Kommentaren unter dem Clip ankündigte. Erst die Zielgruppe, dann der Rest des Wahlvolks.
„Assalamu alaikum“ – und dann die Wahlempfehlung
Lüders eröffnet das Kurzvideo mit der arabischen Grußformel „assalamu alaikum“ – „Friede sei mit dir“. Dann kommt er zum Punkt: Viele Bürger mit arabischen oder muslimischen Wurzeln wollten generell nicht an Wahlen teilnehmen, das sei die falsche Haltung.
„Meiner Meinung nach sind wir alle ein Tropfen im Meer des Lebens, und wir können diese Welt zum Besseren verändern, wenn wir miteinander umgehen und zusammenwirken.“
Seine Zuhörer ruft er dem Bericht zufolge dazu auf, „an Gott zu denken“ – und das BSW zu wählen. Ein Wahlaufruf mit religiöser Grundierung, adressiert an eine klar abgegrenzte Gruppe.
Der Nahost-Experte als Stimmenfänger
Lüders ist im BSW kein Randakteur. Seit Dezember 2025 amtiert er als stellvertretender Bundesvorsitzender, dem Bundesvorstand gehört er seit der Parteigründung an. Von 2015 bis 2022 stand er der Deutsch-Arabischen Gesellschaft vor und war stellvertretender Vorsitzender der Deutschen Orient-Stiftung.
Seine Sprachkenntnisse sind also echt. Die Frage ist eine andere: Was sagt es über den Zustand der politischen Kultur, wenn Parteien in Deutschland um Stimmen werben müssen, ohne die Landessprache zu benutzen? Aus Sicht unserer Redaktion ist das weniger ein Integrationsangebot als ein Eingeständnis – nämlich, dass jahrzehntelange Integrationspolitik in Teilen der Hauptstadt schlicht gescheitert ist. Wer nach Jahren in Deutschland Wahlwerbung nur auf Arabisch versteht, ist eben nicht angekommen.
Zur Fairness gehört: Andere Parteien haben ähnliches versucht. In Leipzig hängte die CDU 2024 laut Berichten Hunderte Wahlplakate auf Arabisch auf. Klientelansprache ist längst Alltag – schön ist sie deshalb nicht.
Das Versprechen zur AfD – und die Realität in Magdeburg
Bemerkenswert ist ein zweiter Punkt. In den Kommentaren betonte Lüders mehrfach, das BSW werde niemals mit der AfD koalieren. Das gelte auch für Sachsen-Anhalt, wo beide Parteien rechnerisch eine Mehrheit hätten. „Das wird nicht passieren! Das verspreche ich ihnen“, schrieb er.
Nur: Medienberichten zufolge hat der BSW-Landesvorstand in Sachsen-Anhalt am Mittwochabend beschlossen, als einzige Partei Gespräche mit der AfD aufzunehmen. CDU, SPD, Grüne und Linke lehnten das Gesprächsangebot demnach ab. Zwischen Sondierung und Koalition liegt formal ein Unterschied – für viele Wähler dürfte er sich trotzdem wie ein Widerspruch anfühlen.
Drei Prozent – und der Zittertermin am 20. September
Der Druck ist enorm. Eine aktuelle Insa-Umfrage sieht das BSW in Berlin bei drei Prozent, der Einzug ins Abgeordnetenhaus wäre damit verfehlt. An der Spitze tobt ein Dreikampf: CDU 20 Prozent, Linkspartei 19, AfD 18.
Gewählt wird am 20. September. Ob ein arabischsprachiges Instagram-Video die entscheidenden zwei Prozentpunkte bringt, darf bezweifelt werden. Als Symbol für den Zustand der Berliner Politik taugt es allemal.
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