
Wehrbeauftragter schlägt Alarm: Bundeswehr am Limit – Auslandseinsätze gefährden Kernauftrag
Die Bundeswehr steht vor einem fundamentalen Dilemma. Während die geopolitischen Spannungen weltweit zunehmen und die Bedrohungslage an den Grenzen Europas so ernst ist wie seit Jahrzehnten nicht mehr, verzettelt sich Deutschlands Armee in einer Vielzahl von Auslandsmissionen. Der neue Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags, Henning Otte von der CDU, findet dafür deutliche Worte – und seine Kritik trifft einen wunden Punkt.
17 Einsätze auf drei Kontinenten: Die Truppe wird überdehnt
Die Zahlen sprechen eine unmissverständliche Sprache: Über 2.000 deutsche Soldatinnen und Soldaten befinden sich derzeit in 17 verschiedenen Auslandseinsätzen, verteilt auf drei Kontinente. Was auf den ersten Blick nach internationalem Engagement und Verantwortungsbewusstsein klingt, entpuppt sich bei näherer Betrachtung als gefährliche Überdehnung der ohnehin knappen Ressourcen. Otte warnt eindringlich: „Wir müssen uns auf den Kernauftrag konzentrieren. Das ist Bündnisverteidigung und Landesverteidigung."
Diese Mahnung kommt zur rechten Zeit. Denn während deutsche Soldaten im Südsudan, im Irak und an zahlreichen anderen Brennpunkten dieser Welt ihren Dienst versehen, fehlen sie an anderer Stelle – nämlich dort, wo sie im Ernstfall am dringendsten gebraucht würden: bei der Verteidigung des eigenen Landes und der NATO-Partner.
Irak-Einsatz: Peinliche Kehrtwende nach Mandatsverlängerung
Besonders pikant mutet die aktuelle Situation im Irak an. Erst vergangene Woche hatte der Bundestag das Mandat für den dortigen Einsatz verlängert – nur um kurz darauf aufgrund der eskalierenden Lage im Iran Truppen evakuieren zu müssen. Otte formuliert diplomatisch, was viele denken: Es „mutet schon zum Nachdenken an", wenn unmittelbar nach einer parlamentarischen Entscheidung erklärt werden müsse, dass der Auftrag so nicht erfüllbar sei.
Man fragt sich unweigerlich: Wie gründlich werden solche Mandate eigentlich vorbereitet? Welche Informationen lagen dem Bundestag vor, als er die Verlängerung beschloss? Die Glaubwürdigkeit deutscher Sicherheitspolitik leidet unter solchen Vorgängen erheblich.
Südsudan und andere Einsätze auf dem Prüfstand
Der Wehrbeauftragte fordert eine grundlegende Neubewertung einzelner Mandate. Dabei nennt er explizit den Südsudan als Beispiel. Seine Überlegung: „Wir müssen vielleicht überlegen, wie wir eine strategische Präsenz erfüllen, ohne immer gleich die Heimatarmee dort vor Ort ausbilden zu müssen." Es gehe um eine nüchterne Abwägung – keinen Automatismus, der Deutschland in immer neue Verpflichtungen hineinzieht.
Neuer Wehrdienst: Große Pläne, fehlende Strukturen
Auch beim Thema Wehrdienst zeigt sich Otte besorgt. Das Gesetz sei zwar beschlossen, doch die praktischen Voraussetzungen müssten erst noch geschaffen werden. Musterungsstrukturen existieren schlicht nicht mehr in ausreichendem Maße – ein Erbe jahrelanger Vernachlässigung der Bundeswehr durch wechselnde Regierungen.
Otte deutet bereits an, dass die Debatte möglicherweise neu geführt werden müsse, sollte sich Ende 2026 herausstellen, dass der geplante Aufwuchs nicht ausreicht. Eine beunruhigende Perspektive, die zeigt, wie weit Deutschland von einer wirklich verteidigungsfähigen Armee entfernt ist.
Ukraine-Friedenssicherung: Keine vorschnellen Zusagen
Mit Blick auf eine mögliche Friedenssicherung in der Ukraine mahnt der Wehrbeauftragte zur Vorsicht. Deutschland werde selbstverständlich einen Beitrag leisten, doch vorschnelle Zusicherungen mit konkreten Zahlen würden andere Länder nur davon befreien, ihren eigenen Teil beizutragen. Eine kluge Position, die zeigt, dass zumindest einige Politiker aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben.
„Wir brauchen einen militärischen Operationsplan, wie auch einen zivilen Operationsplan."
Diese Forderung Ottes nach einer umfassenden Gesamtverteidigung als „gesamtstaatliche Aufgabe" ist überfällig. Nach einem Gespräch mit Bundesinnenminister Alexander Dobrindt appelliert er an alle Verantwortlichen, endlich die notwendigen Strukturen zu schaffen.
Ein überfälliges Umdenken
Die Warnungen des Wehrbeauftragten sollten als Weckruf verstanden werden. Jahrzehntelang hat Deutschland seine Bundeswehr kaputtgespart und gleichzeitig immer neue internationale Verpflichtungen übernommen. Diese Politik der Selbstüberschätzung bei gleichzeitiger Unterfinanzierung rächt sich nun bitter. Es ist höchste Zeit, dass die Prioritäten neu gesetzt werden – und zwar zugunsten der Sicherheit Deutschlands und seiner Bürger.

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