
Bayerns Großstädte im Stichwahl-Fieber: SPD-Amtsinhaber Reiter strauchelt, CSU enttäuscht auf ganzer Linie

Was für ein Wahlsonntag im Freistaat. Bei den bayerischen Kommunalwahlen am 8. März 2026 hat es in keiner der vier größten Städte des Landes für einen Kandidaten zum Durchmarsch im ersten Wahlgang gereicht. München, Nürnberg, Augsburg und Regensburg – überall müssen die Wähler in zwei Wochen erneut an die Urnen. Das Ergebnis offenbart ein politisches Beben, das weit über die Landesgrenzen hinaus Signalwirkung haben dürfte.
München: Reiters Glanz ist verblasst
Der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter von der SPD, einst mit fast 48 Prozent im ersten Wahlgang souverän gewählt, kam diesmal nur noch auf magere 35,6 Prozent. Ein Absturz, der sich gewaschen hat. Der 67-Jährige, der eine dritte Amtszeit anstrebt, musste einräumen, im Wahlkampf „ein, zwei Fehler" gemacht zu haben. Das dürfte eine bemerkenswerte Untertreibung sein.
Reiter war zuletzt gleich von mehreren Seiten unter Beschuss geraten. Eine als rassistisch wahrgenommene Äußerung im Stadtrat sowie mangelnde Transparenz rund um seinen geplanten Wechsel in den Aufsichtsrat des FC Bayern München hatten sein Image erheblich beschädigt. Dass er sich diesen Posten möglicherweise hätte vom Stadtrat genehmigen lassen müssen, wirft Fragen auf, die weit über kommunalpolitische Befindlichkeiten hinausgehen. Wer so lange im Amt ist, sollte die Spielregeln kennen – oder kennt sie und ignoriert sie bewusst?
Die eigentliche Überraschung des Abends lieferte jedoch Grünen-Kandidat Dominik Krause, der mit 29,5 Prozent überraschend dicht an Reiter heranrückte. Die CSU hingegen erlebte in der Landeshauptstadt ein Debakel: Ihr Kandidat Clemens Baumgärtner landete mit gerade einmal 21,3 Prozent abgeschlagen auf Platz drei. Für eine Partei, die Bayern als ihre Herzkammer betrachtet, ist dieses Ergebnis in der größten Stadt des Freistaats schlicht blamabel.
Nürnberg: König muss zittern
Deutlich besser, aber eben nicht gut genug, schlug sich CSU-Amtsinhaber Marcus König in Nürnberg. Mit 46,1 Prozent schrammte er knapp an der absoluten Mehrheit vorbei und muss nun in die Stichwahl gegen den SPD-Kandidaten Nasser Ahmed, der 26,5 Prozent erreichte. Zwei Wochen können in der Politik eine Ewigkeit sein – ob König seinen Vorsprung halten kann, bleibt abzuwarten.
Augsburg und Regensburg: CSU-Frauen in der Stichwahl
In Augsburg verfehlte CSU-Amtsinhaberin Eva Weber mit 34 Prozent die absolute Mehrheit deutlich und trifft nun auf SPD-Mann Florian Freund, der knapp 20 Prozent holte. In Regensburg muss CSU-Kandidatin Astrid Freudenstein mit 37,5 Prozent gegen die Grüne Helene Sigloch antreten, die auf 18,9 Prozent kam.
Bamberg: Huml scheitert knapp
Besonders bitter verlief der Abend für die ehemalige bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml. Die stellvertretende CSU-Vorsitzende verpasste in Bamberg mit 28,2 Prozent die Stichwahl um Haaresbreite. Vor ihr landeten der Grüne Jonas Glüsenkamp mit 30,3 Prozent und der SPD-Kandidat Sebastian Niedermaier mit 29 Prozent. Ein Ergebnis, das innerparteilich noch für erhebliche Diskussionen sorgen dürfte.
Ein Weckruf für die CSU
Die Kommunalwahlen in Bayern zeichnen ein ernüchterndes Bild – vor allem für die CSU. In München abgeschlagen auf Platz drei, in Bamberg aus der Stichwahl geflogen, in Augsburg und Nürnberg ohne klare Mehrheit: Das ist nicht das Ergebnis einer Partei, die den Anspruch erhebt, Bayern zu regieren. Während die Grünen in mehreren Städten überraschend stark abschnitten, scheint die CSU in den urbanen Zentren zunehmend den Anschluss zu verlieren. Man fragt sich unweigerlich, ob die Partei noch die richtigen Antworten auf die drängenden Fragen der Bürger hat – oder ob sie sich in einer Komfortzone eingerichtet hat, die längst nicht mehr existiert.
Die kommenden zwei Wochen bis zu den Stichwahlen versprechen einen harten Wahlkampf. Für die Bürger Bayerns bleibt zu hoffen, dass am Ende jene Kandidaten obsiegen, die sich tatsächlich den Problemen vor Ort widmen – bezahlbarer Wohnraum, innere Sicherheit, eine funktionierende Infrastruktur – statt sich in ideologischen Grabenkämpfen zu verlieren.

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