
Chat-Nachricht sorgt fĂĽr Wirbel: Schwesig unter Druck vor der MV-Wahl

Fünf Wochen vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern gerät Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) in die Defensive. Eine vom Spiegel veröffentlichte Chat-Nachricht nährt den Verdacht, die Regierungschefin könnte auf das Format eines TV-Wahlkampfduells eingewirkt haben. RTL und ntv laden statt einer großen Runde nur noch zwei Kandidaten ein: Schwesig und den AfD-Spitzenkandidaten Leif-Erik Holm.
Ein Satz aus einem Chat – und plötzlich brennt der Wahlkampf
Im Zentrum steht eine Nachricht von Ostseewelle-Geschäftsführer und Programmdirektor Tino Sperke von Ende Juli. Darin heißt es dem Bericht zufolge, RTL/ntv hätten sich für das Duell-Format entschieden, nachdem Schwesig dies bei ihrem Besuch im Hauptstadtbüro impliziert habe.
Auf Nachfrage des Magazins soll Sperke den Inhalt nicht weiter erläutert haben. Er habe erklärt, der Sender habe von Beginn an ein Duell bevorzugt – er selbst hingegen habe für ein Viererformat geworben.
Alle dementieren – doch der Verdacht bleibt
Die Beteiligten weisen die Vorwürfe zurück. Eine RTL-Sprecherin betonte, die redaktionelle Entscheidung sei „ohne jegliche Einflussnahme beziehungsweise Intervention von Frau Schwesig oder ihrem unmittelbaren Umfeld“ gefallen; man habe nach redaktioneller Abwägung und mit Blick auf die Umfragewerte auf das Zweierformat gesetzt.
Schwesigs Sprecherin erklärte, die Ministerpräsidentin habe sowohl beim NDR als auch bei ntv/Ostseewelle für ein Kandidatenduell zugesagt. Über das Format entschieden die Sender selbst.
CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters sieht das anders. Er sagte:
Wir wissen aber, dass Manuela Schwesig unmissverständlich mitteilen ließ, dass sie ausschließlich für ein Duell zur Verfügung steht.
Wenn selbst der Koalitionspartner nicht mehr mitspielt
Bemerkenswert: Auch die Linke, in Schwerin Koalitionspartner der SPD, protestiert. Landeschef Hennis Herbst nannte den Vorgang Berichten zufolge höchst problematisch – linke Argumente gingen verloren, während die AfD zusätzliche Sendezeit erhalte. Er verwies darauf, dass RTL/ntv bei einem vergleichbaren Format in Sachsen-Anhalt alle demoskopisch relevanten Parteien einlade.
Ausgerechnet der AfD-Kandidat gab sich gelassen. Holm ließ wissen, er hätte selbstverständlich auch an einer größeren Runde teilgenommen, wenn die Sender so entschieden hätten. Zugleich forderte er Aufklärung darüber, ob es politischen Druck auf Medienvertreter gegeben habe.
Der KalkĂĽl-Verdacht: Zuspitzung als Wahlkampfwaffe?
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Vorgang ein grundsätzliches Problem: Ein Zweikampf „Regierungschefin gegen AfD“ blendet unbequeme Bilanzfragen aus – Wirtschaft, Bildung, innere Sicherheit. Peters mutmaßte laut Medienberichten genau das: Schwesig wolle die inhaltliche Auseinandersetzung über ihre Regierungsarbeit vermeiden – eine Strategie, die der AfD sogar Wähler zutreiben könne.
Und der Blick auf die Zahlen zeigt, worum es geht. In der jüngsten Insa-Erhebung liegt die AfD demnach bei 36 Prozent, die SPD bei 29, die Linke bei elf, die CDU bei zehn Prozent. Am 20. September wird gewählt – zeitgleich mit Berlin.
Bleibt die unbequeme Frage: Wer bestimmt eigentlich, wer im deutschen Fernsehen zu Wort kommt – die Redaktionen oder die Regierenden? Belegt ist eine Einflussnahme bislang nicht. Doch der Beigeschmack, den dieser Vorgang hinterlässt, dürfte bis zum Wahltag nicht verfliegen.

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