
Industrieller Aderlass: Eine halbe Million Arbeitsplätze stehen auf der Kippe

Was sich derzeit in den Werkshallen der deutschen Metall- und Elektroindustrie abspielt, gleicht einem industriellen Trauerspiel. Die Zahlen, die der Arbeitgeberverband Gesamtmetall jüngst auf den Tisch gelegt hat, lesen sich wie ein Nachruf auf das, was einst stolz als das industrielle Rückgrat Europas galt. Seit 2019 sind bereits rund 300.000 Arbeitsplätze in diesem Sektor verschwunden – und das war offenbar nur die Ouvertüre eines weit größeren Dramas.
Ein Rückfall hinter die Nachwendezeit
Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter warnt nach Berichten gegenüber dem Handelsblatt vor einem weiteren Verlust von bis zu 300.000 Arbeitsplätzen in den kommenden Jahren. Damit würde die Beschäftigtenzahl in der Branche auf ein Niveau abstürzen, das selbst den Tiefpunkt nach der Wiedervereinigung unterschreite. Man stelle sich das vor: Drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall – jener historischen Stunde, in der die deutsche Industrie zu neuer Größe aufbrach – steht das Land vor einem industriellen Rollback ungekannten Ausmaßes.
Aktuell zählt die Branche noch knapp 3,8 Millionen Beschäftigte. Schon für das Jahr 2026 rechne Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander mit dem Wegfall von bis zu 150.000 Stellen. Das wären, runtergebrochen auf den Kalender, nahezu 10.000 verlorene Arbeitsplätze – pro Monat. Eine Zahl, die einem den Atem stocken lässt und die in den Berliner Regierungsetagen offenbar nur ein müdes Schulterzucken auslöst.
Die Automobilindustrie als zweiter Patient
Doch die Metall- und Elektroindustrie ist beileibe nicht der einzige Sektor, der ausblutet. Auch die deutsche Automobilbranche – einst Aushängeschild und Stolz der Nation – steht vor massiven Einschnitten. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) hat seine Kürzungsprognose erst Mitte Mai dramatisch nach oben korrigiert: Bis 2035 sollen rund 225.000 Stellen wegfallen, zuvor war noch von 190.000 ausgegangen worden. Zwischen 2019 und 2025 seien laut VDA bereits etwa 100.000 Arbeitsplätze verschwunden.
Wer wissen will, wer dafür die Verantwortung trägt, der muss nicht lange suchen. VDA-Präsidentin Hildegard Müller benenne die Ursache klar: die „gravierende und anhaltende Standortkrise“. Mit anderen Worten: die hausgemachte Kostenexplosion an einem Standort, den die Politik systematisch in den Ruin getrieben hat.
Die hausgemachte Kostenfalle
Oliver Zander von Gesamtmetall brachte die Misere bereits Anfang März in unmissverständlicher Klarheit auf den Punkt: zu hohe Energiekosten, zu hohe Unternehmenssteuern, zu hohe Sozialabgaben, zu viel Bürokratie. Vier Sätze, die das gesamte politische Versagen der vergangenen Jahre zusammenfassen. Seit dem Ende der russischen Gaslieferungen und der ideologisch motivierten Abschaltung der letzten Kernkraftwerke in den Jahren 2022 und 2023 sind die Energiepreise auf einem strukturell hohen Niveau festgefroren.
Die Folge ist eine systematische Benachteiligung der energieintensiven Fertigung in Deutschland gegenüber Wettbewerbern in den USA, China oder Osteuropa. Während andernorts die Schornsteine rauchen und die Maschinen laufen, wird hierzulande über Gendersternchen, Heizungsgesetze und „klimaneutrale Industriepolitik“ debattiert. Das Ergebnis dieser Verirrung kann nun jeder Werksarbeiter, jeder Ingenieur und jede Facharbeiterin am eigenen Lohnzettel ablesen – sofern der überhaupt noch ankommt.
Die Pleitewelle rollt weiter
Doch damit nicht genug. Auch bei den Unternehmensinsolvenzen ist kein Ende in Sicht. Patrik-Ludwig Hantzsch gibt nach vorliegenden Berichten keinerlei Entwarnung: Man gehe nicht davon aus, dass die Insolvenzzahlen 2026 stagnierten oder gar zurückgingen. Im April 2026 wurde mit 1.776 Unternehmensinsolvenzen ein neues 20-Jahres-Hoch erreicht, wie Daten des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle belegen. Bereits im Februar lagen die Zahlen mit 1.466 Fällen um 58 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019.
Versprochen, gebrochen – die Bilanz der Großen Koalition
Und wo steht die neue Bundesregierung in diesem Drama? Friedrich Merz, der als Heilsbringer der Wirtschaft angetreten war und keine neuen Schulden machen wollte, hat das Sondervermögen von 500 Milliarden Euro durchgewunken, die Klimaneutralität 2045 ins Grundgesetz schreiben lassen und damit Generationen von Steuerzahlern in Geiselhaft genommen. Statt einer industriepolitischen Wende erleben die Bürger ein Weiter-so unter neuer Flagge – die schwarze CDU und die rote SPD als Verwalter eines schleichenden industriellen Niedergangs.
Was bedeutet das für den Sparer?
Wenn ganze Industriebranchen wegbrechen, Insolvenzen Rekordwerte erreichen und die politische Klasse weiterhin an ideologischen Großprojekten festhält, dann gerät auch die Kaufkraft der Bürger ins Wanken. Inflation, steigende Abgaben und schwindendes Vertrauen in die Stabilität des Wirtschaftsstandorts sind ein gefährlicher Cocktail. In solchen Zeiten besinnen sich kluge Sparer seit Jahrhunderten auf bewährte Werte: physisches Gold und Silber haben schon manche Wirtschaftskrise, manchen Währungsverfall und manches politische Versagen überdauert. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können Edelmetalle einen wichtigen Anker bilden – gerade dann, wenn die industrielle Substanz eines Landes erodiert.
Hinweis: Dieser Artikel stellt keine Anlageberatung dar. Die geäußerten Einschätzungen geben die Meinung der Redaktion wieder. Jeder Anleger ist verpflichtet, sich vor einer Investitionsentscheidung eigenständig zu informieren und trägt für seine Anlageentscheidungen die alleinige Verantwortung. Eine Haftung für getroffene Entscheidungen auf Grundlage dieses Beitrags wird ausdrücklich ausgeschlossen.
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