
Kahlschlag für die KI: Google lässt in Finnland 250.000 Bäume fallen!

Wo bis vor wenigen Monaten noch Wald stand, ist heute nur noch Schlamm. Für ein neues KI-Rechenzentrum soll Google bei Muhos in Nordfinnland nach Recherchen des britischen „Guardian“ rund 250.000 Bäume auf 330 Hektar gefällt haben, und zwar bevor die vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung abgeschlossen war. Die finnische Aufsichtsbehörde hat die Arbeiten inzwischen gestoppt.
Eine Wunde, die man aus dem All sieht
Die Bilder sind verstörend. Wurzeln, Felsbrocken, Reifenspuren und Pfützen ziehen sich über eine Fläche, die laut Schweizer Medien etwa 460 Fußballfeldern entspricht. Den Berichten zufolge wurde sogar der Mutterboden abgetragen. Anwohner klagen, dass braunes Wasser von der Baustelle in einen Bach laufe, der in den Fluss Oulujoki mündet.
Und Muhos ist nicht der einzige Standort. Auch im rund 100 Kilometer entfernten Otanmäki bei Kajaani sollen Naturschützern zufolge weitere 150.000 Bäume gefallen sein. Zusammengerechnet geht es um mehr als 530 Hektar Wald. In Finnland ist eine Umweltprüfung ab 200 Hektar dauerhaft umgewidmeter Fläche Pflicht.
Wölfe im Dorf
Die Folgen bekommen die Menschen direkt zu spüren. Eine Bewohnerin von Otanmäki sagte dem „Guardian“:
„Die Wölfe sind ins Dorf gekommen, weil alle Wildtiere den Wald verlassen haben.“
Ein Anwohner aus Muhos nannte das Vorgehen des Konzerns laut dem Bericht „amerikanischen Stil“, ohne jeden Sinn. Der finnische Naturschutzverband SLL spricht von „reiner Arroganz“. Nach seinen Angaben wurden dabei auch schützenswerte Flächen gerodet.
„Guter Glaube“ und ein Ermittlungsverfahren
Die Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde LVV hat an beiden Standorten Rodungen, Erdarbeiten, Sprengungen und den Straßenbau untersagt. Medienberichten zufolge hat die Polizei eine Voruntersuchung eingeleitet. Sie soll klären, ob eine Straftat vorliegt.
Googles Finnland-Chef Antti Järvinen erklärte, man habe in gutem Glauben und nach bestem Verständnis der Rechtslage gehandelt. Welche Behörden informiert gewesen seien, wollte er nicht sagen. Darüber wolle man nicht öffentlich debattieren. Gleichzeitig räumte der Konzern ein, die eigenen hohen Standards in diesem Fall verfehlt zu haben. In Muhos will Google rund 130 Hektar wieder aufforsten. Gerodet wurden dort allerdings 330 Hektar.
Brisant ist, was die Zeitung „Helsingin Sanomat“ berichtet. Der Bauinspektor der Gemeinde Muhos gibt an, Googles Anwälte hätten ihn gedrängt, die Genehmigungen für die Vorarbeiten zu erteilen. Järvinen weist das zurück.
Milliarden locken, die Bürger zahlen?
Google ist in Finnland kein Unbekannter. Schon vor sieben Jahren fielen beim Rechenzentrum in Hamina an der russischen Grenze Hunderttausende Bäume. Damals hätten die Behörden wegen der Milliardeninvestition beide Augen zugedrückt, sagt ein Korrespondent des Schweizer Fernsehens. Diesmal geht es nach Medienberichten um ein KI-Programm im Umfang von rund 13 Milliarden Euro.
Insgesamt sind in Finnland 145 Rechenzentren in Planung. Das Land lockt mit politischer Stabilität, viel freier Fläche und einem kühlen Klima, das bei der Kühlung der Server Geld spart. Doch die Stimmung kippt. Ein Informatiker der Universität Helsinki bezweifelt, dass das Land insgesamt viel davon hat. Viele Finnen fürchten außerdem, dass günstiger Ökostrom künftig für US-Konzerne reserviert wird, während die Haushalte steigende Energiekosten tragen. Rund 93.000 Menschen haben eine Petition für strengere Waldschutzgesetze unterschrieben. Gegen die Bebauungspläne liegen zudem Beschwerden vor Gericht.
Eine Warnung auch für Deutschland
Den Bürgern predigt die Politik Verzicht und Effizienz bis zur letzten Glühbirne. Gleichzeitig verbrauchen die KI-Fabriken der Tech-Giganten Fläche und Strom in einem Umfang, wie man ihn sonst nur von der Schwerindustrie kennt. Für Deutschland, wo ebenfalls um Rechenzentren geworben wird, ist der Fall Muhos ein Lehrstück. Ob der Baustopp mehr ist als eine kurze Atempause, dürfte sich spätestens bei der finnischen Parlamentswahl im April zeigen.
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