
Krypto-Riese Tether trennt sich von Gold: Was steckt dahinter?

Tether, Herausgeber des weltweit größten Stablecoins, hat im dritten Quartal erstmals Gold aus den Reserven seines Dollar-Tokens USDT abgezogen. Ende September lagen laut Berechnungen auf Basis der Reserveberichte noch 142,8 Tonnen in den Büchern. Das sind 3,4 Tonnen weniger als drei Monate zuvor. Eine Begründung? Gibt es bislang nicht.
Der Goldhunger bekommt eine erste Delle
Seit dem vergangenen Jahr gehört das Unternehmen mit Sitz in El Salvador zu den auffälligsten Käufern am Goldmarkt. Ein Krypto-Konzern, der tonnenweise das älteste Geld der Welt hortet: Das hat Ironie. Nun ist der Bestand zum ersten Mal geschrumpft.
Auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur Reuters reagierte Tether zunächst nicht. Auch in der Zusammenfassung der Zahlen für Juli bis September findet sich kein Wort zum Grund. Für ein Haus, das ständig von Transparenz spricht, ist dieses Schweigen zumindest bemerkenswert.
Worauf der Dollar-Token tatsächlich ruht
Das Prinzip klingt simpel. Für jeden eingezahlten US-Dollar gibt Tether einen USDT aus und hinterlegt Vermögenswerte in gleicher Höhe. So soll jeder Token jederzeit wieder in echte Dollar zurückgetauscht werden können. Im Umlauf sind derzeit USDT im Wert von rund 180 Milliarden Dollar.
Ein Blick in die Reserven zeigt allerdings, wer hier wirklich das Fundament bildet: US-Staatsanleihen mit kurzer Laufzeit im Wert von 123 Milliarden Dollar. Das Gold ist rund 19 Milliarden Dollar wert und macht damit nur etwa zehn Prozent aus. Der vermeintlich staatsferne Krypto-Dollar hängt also am Ende vor allem an der Zahlungsfähigkeit Washingtons. Ausgerechnet ein Staat, dessen Schuldenberg Jahr für Jahr neue Rekorde erreicht.
Milliardengewinne aus Washingtons Schulden
Für Tether geht die Rechnung trotzdem auf. In den ersten neun Monaten habe das Unternehmen einen operativen Nettogewinn von 4,5 Milliarden Dollar erwirtschaftet, davon 1,5 Milliarden allein im dritten Quartal. Diese Erträge stammen den Angaben zufolge vor allem aus US-Schatzwechseln und Reverse-Repo-Geschäften, also kurzfristigen, besicherten Geldanlagen.
Gold-Token wächst, während der Goldpreis wackelt
Bemerkenswert: Beim eigenen Gold-Token XAUT geht es in die andere Richtung. Dieser ist vollständig mit Gold gedeckt, hat rund drei Milliarden Dollar im Umlauf und lagert inzwischen 25,7 Tonnen des Edelmetalls. Das sind fast vier Tonnen mehr als Ende Juli. Die Nachfrage nach goldgedeckten Werten scheint also keineswegs nachzulassen.
Die Nachricht trifft auf einen nervösen Markt. Am Freitag rutschte der Goldpreis um drei Prozent auf ein Jahrestief von 3.883 Dollar je Feinunze. Auslöser waren unter anderem fallende Technologieaktien: Anleger fürchten, die gewaltigen Investitionen in künstliche Intelligenz könnten sich nicht rechnen. Medienberichten zufolge kamen steigende Ölpreise hinzu. Sie heizen die Inflation an und damit auch die Wetten auf höhere Zinsen. Für Gold war es der schwächste Oktober seit der Finanzkrise 2008.
Eine Korrektur, kein Abgesang
Die Proportionen gehören allerdings ins Bild. Im dritten Quartal hatte das Edelmetall noch vier Prozent zugelegt. Zum Wochenstart griffen Schnäppchenjäger bereits wieder zu und hoben den Preis Berichten zufolge zurück in Richtung 3.900 Dollar. Wer Gold seit Jahren hält, kennt solche Rücksetzer. Sie gehören dazu und ändern wenig an der langfristigen Rolle des Metalls als Wertspeicher.
Unser Fazit: Lieber selbst halten statt nur digital besitzen
Die Episode zeigt, wie schnell sich die Zusammensetzung digitaler Reserven verändern kann, oft ohne jede Erklärung für die Anleger. Wer einen Token besitzt, verlässt sich auf das Versprechen eines Unternehmens. Wer einen Goldbarren im eigenen Tresor hat, braucht dieses Versprechen nicht. Physisches Gold und Silber ohne Gegenparteirisiko eignen sich deshalb aus unserer Sicht gut als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen. Gerade in Zeiten ausufernder Staatsschulden diesseits und jenseits des Atlantiks.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, Kryptowährungen oder Edelmetallen dar. Jeder Anleger sollte eigenständig recherchieren und trägt die volle Verantwortung für seine Anlageentscheidungen.
Kostenloses Live-Webinar
Der Great Reset fürs Geldsystem
Was sich bis 2029 an Ihrem Geld ändert und was Sie vorher tun können.

PeterHahne
ErnstWolff
Dr.Brandenburg
Prof. Dr.Polleit
MichaelMross
OutdoorChiemgau
- Kettner Edelmetalle News
- Finanzen
- Wirtschaft
- Politik













