
Müller kappt Milchverträge: Brandenburgs Bauern unter Druck!

Es ist ein Paukenschlag für die Landwirtschaft im Osten: Die Unternehmensgruppe Theo Müller hat nach Angaben des Landesbauernverbandes Brandenburg zahlreiche Milchlieferverträge gekündigt. Betroffen sind Medienberichten zufolge vor allem mittelgroße Höfe mit 400 bis 800 Kühen in Nord- und Ostbrandenburg. Die Landwirte müssen nun binnen weniger Monate einen neuen Abnehmer für ihre Rohmilch finden.
Prignitz und Ostprignitz-Ruppin besonders betroffen
Laut Landesbauernverband trifft es unter anderem Betriebe in der Prignitz und in Ostprignitz-Ruppin. Die Verträge sollen den Angaben zufolge im März 2027 auslaufen. Der Verband spricht von einem „harten Schlag ins Kontor“ – die Bauern müssten kurzfristig neue Molkereien finden und dabei womöglich niedrigere Preise schlucken.
Der Konzern selbst, zu dem Marken wie Müllermilch, Weihenstephan und Landliebe gehören, hat sich zu den Gründen bislang nicht öffentlich geäußert. In der Branche wird vermutet, dass es um die Optimierung des Einzugsgebiets für das Großwerk im sächsischen Leppersdorf geht. Aus Gesprächen mit dem Außendienst berichtet der Verband von „erheblich gestiegenen Kosten“ beim Transport.
Der Osten hat kaum noch Alternativen
Für Reinhard Jung, Geschäftsführer des Bauernbundes Brandenburg, ist der Vorgang zunächst „ein normaler Vorgang unter Marktpartnern“ – und trotzdem ein „echtes Problem“. Denn in Ostdeutschland sind kaum noch Molkereien übrig, zwischen denen ein Betrieb wählen könnte.
„Die Transportentfernungen sind gewaltig.“
Jung verweist auf drei Jahrzehnte Strukturwandel: Weil viele ostdeutsche Großbetriebe wegen ihrer Flächengröße auf den arbeitsintensiven Zweig Milch verzichten konnten, sind Höfe und Verarbeiter immer weiter auseinandergerückt. Die Zahlen sind ernüchternd – laut amtlicher Statistik sank die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Brandenburg von rund 8.000 im Jahr 1998 auf etwa 5.200 im Jahr 2025.
Milchpreise im Sinkflug – und die Politik schaut zu
Verschärft wird die Lage durch einen übersättigten Markt. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter erklärte gegenüber dem rbb, die Erzeugerpreise seien um annähernd 30 Prozent zurückgegangen; von Kostendeckung könne keine Rede mehr sein. Wer bei diesen Preisen den Abnehmer verliert, verliert seine Planungssicherheit gleich mit.
Kritik kommt auch aus dem Landtag. Gunnar Lehmann, landwirtschaftspolitischer Sprecher der BSW-Fraktion, erklärte, die Kündigungen zeigten, dass sich der Niedergang der heimischen Ernährungswirtschaft ungebremst fortsetze. Die Marktmacht einzelner Akteure sei zu groß geworden – Bund und Land müssten gegensteuern.
Regionalität predigen, Strukturen verlieren
Aus Sicht unserer Redaktion offenbart der Fall ein Grundproblem: Während in Berlin und Brüssel über Tierwohl, Klimaziele und immer neue Dokumentationspflichten debattiert wird, gehen still und leise genau jene regionalen Verarbeitungsstrukturen verloren, die man in Sonntagsreden gern beschwört. Wer Höfe mit Bürokratie, hohen Energie- und Transportkosten belastet, darf sich über Konzentration nicht wundern.
Jung sieht dennoch eine Zukunft für die Milch – sie bleibe ein hochwertiges Naturprodukt. Der Wiederaufbau gesunder Strukturen aber werde eine echte Herausforderung, mit der sich künftig auch die Wirtschaftsförderung befassen müsse. Für die betroffenen Familienbetriebe zählt jetzt jeder Monat.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Er stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Wer physische Edelmetalle als Beimischung zur Vermögenssicherung erwägt, sollte eigenständig recherchieren und entscheidet eigenverantwortlich.

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