
NATO im Zerreißtest: Madrid stellt sich gegen Washington und verweigert Militärbasen für Iran-Offensive
Was sich derzeit zwischen Madrid und Washington abspielt, ist weit mehr als ein diplomatisches Scharmützel unter Verbündeten. Es ist ein Riss, der mitten durch das westliche Bündnis geht – und der Fragen aufwirft, die Europa noch lange beschäftigen werden. Knapp eine Woche nach Beginn der Kampfhandlungen im Iran hat die spanische Regierung Darstellungen des Weißen Hauses über einen angeblichen Kurswechsel in der Basenfrage unmissverständlich zurückgewiesen.
Washingtons Wunschdenken prallt auf Madrids Realität
Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, hatte am 4. März behauptet, Spanien habe „den Präsidenten laut und vernehmlich gehört und einer Kooperation mit der US-Armee zugestimmt". Eine bemerkenswerte Aussage – die nur einen Haken hat: Sie scheint schlicht nicht der Wahrheit zu entsprechen. Spaniens Außenminister José Manuel Albares stellte wenig später klar, dass sich die Position seines Landes „nicht ein Jota" verändert habe. Weder hinsichtlich des Krieges im Mittleren Osten noch bezüglich der Bombardierung des Iran noch in der Frage der Nutzung spanischer Militärbasen.
Man muss kein Freund der spanischen Linksregierung unter Pedro Sánchez sein, um anzuerkennen, dass hier ein souveräner Staat sein Recht auf eigenständige Entscheidungen verteidigt. Die Frage ist nur: Zu welchem Preis?
Trumps Drohgebärden und die Erpressbarkeit Europas
Denn US-Präsident Donald Trump hatte Madrid unmissverständlich mit einem „Aussetzen des Handels" gedroht. Die Begründung: mangelnde Unterstützung für die gemeinsame Militäroperation Israels und der USA im Iran – und Spaniens Weigerung, die NATO-Vereinbarung zur Erhöhung der Militärausgaben zu erfüllen. Hier zeigt sich einmal mehr das fundamentale Dilemma europäischer Sicherheitspolitik: Wer jahrzehntelang bei der Verteidigung spart und sich unter den amerikanischen Schutzschirm kuschelt, der steht in der Stunde der Wahrheit mit leeren Händen da – und wird erpressbar.
Das bilaterale Verteidigungsabkommen zwischen Spanien und den USA besteht seit 1988. Es regelt die Nutzung strategisch wichtiger Standorte wie der Marinebasis Rota in Cádiz und des Luftwaffenstützpunktes Morón in der Provinz Sevilla. Rota dient vornehmlich als Basis für U-Boote und Flottenelemente im Mittelmeer, Morón ist auf Luftbetankung und Drohnenoperationen spezialisiert. Entscheidend: Jede Nutzung, die über den Rahmen des bilateralen oder multilateralen Sicherheitsverständnisses hinausgeht, bedarf der ausdrücklichen Zustimmung Madrids.
Historische Parallelen: Die Türkei und der Irakkrieg 2003
Dass NATO-Partner die Nutzung eigener militärischer Infrastruktur für Operationen außerhalb der Bündnisstruktur verweigern, ist keineswegs beispiellos. Im März 2003 stimmte das türkische Parlament gegen eine Nutzung des Stützpunktes Incirlik durch die USA im Irakkrieg. Ankara erlaubte damals lediglich eine begrenzte Nutzung des Luftraums, verweigerte aber jede volle Kampfunterstützung. Die Parallelen sind frappierend – und sie zeigen, dass das westliche Bündnis keineswegs jener monolithische Block ist, als der es gerne dargestellt wird.
Spaniens Verteidigungsministerin bleibt hart
Verteidigungsministerin Margarita Robles bekräftigte die Position Madrids unmissverständlich. Die Streitkräfte Israels und der USA führten Operationen durch, die einseitig erfolgten und nicht durch eine internationale Resolution gedeckt seien. Spanien verweist damit auf das Fehlen eines UN-Mandats – ein Argument, das völkerrechtlich durchaus Gewicht hat, politisch aber in Washington auf taube Ohren stoßen dürfte.
Laut Berichten aus Regierungskreisen hätten die USA aufgrund der spanischen Haltung bereits einige Tankflugzeuge von Morón nach Ramstein in Deutschland verlegt. Eine Entwicklung, die auch für die Bundesrepublik nicht ohne Brisanz ist. Denn während Madrid sich verweigert, scheint Berlin – wie so oft – stillschweigend zu kooperieren. Die neue Bundesregierung unter Friedrich Merz hat sich bislang auffällig bedeckt gehalten, was die eigene Rolle in diesem Konflikt angeht.
Lob aus Teheran, Kritik aus Jerusalem
Die Reaktionen auf Madrids Haltung könnten gegensätzlicher kaum sein. Irans Präsident Massud Peseschkian bedankte sich bei Spanien und erklärte, dessen Position zeige, dass es „in der westlichen Welt immer noch vernünftige Gewissen und ethische Werte" gebe. Ein Lob, das in Madrid vermutlich eher für Unbehagen als für Freude sorgen dürfte – denn wer vom iranischen Regime gelobt wird, muss sich fragen lassen, ob er wirklich auf der richtigen Seite steht.
Deutlich schärfer fiel die Reaktion aus Israel aus. Außenminister Gideon Saar kommentierte auf X mit beißender Ironie:
„Zuerst dankte die Hamas Sánchez. Dann dankten die Huthi Sánchez. Jetzt dankt der Iran Sánchez. Soll das etwa das sein, was man ‚auf der richtigen Seite der Geschichte stehen' nennt?"
Eine rhetorische Ohrfeige, die sitzt. Tatsächlich hat sich Spaniens Linksregierung in den vergangenen Monaten immer weiter von Israel entfernt. Madrid warf Jerusalem im Zusammenhang mit dem Anti-Terror-Kampf in Gaza „Genozid" vor, kündigte einen mehrere hundert Millionen Dollar schweren Rüstungsdeal und bemühte sich – wenn auch erfolglos – um eine Aussetzung der Handelsabkommen Israels mit der EU sowie um den Ausschluss des Landes vom Eurovision Song Contest.
Die Folgen für Europa – und für Deutschland
Was bedeutet dieser transatlantische Bruch für Europa? Zunächst einmal offenbart er die tiefe Zerrissenheit des Kontinents in außenpolitischen Fragen. Während einige Staaten Washington bedingungslos folgen, gehen andere auf Distanz. Die EU als geschlossener außenpolitischer Akteur? Eine Illusion, die sich einmal mehr in Luft auflöst.
Für Deutschland stellt sich die Frage, welche Rolle es in diesem Konflikt spielen will – und welche Konsequenzen die Verlegung amerikanischer Militärkapazitäten nach Ramstein für die Bundesrepublik hat. Die Drohung des Iran, die Straße von Hormus zu blockieren, hat bereits zu einem drastischen Anstieg der Energiepreise geführt. Für die ohnehin angeschlagene deutsche Wirtschaft, die unter den Folgen der verfehlten Energiepolitik der vergangenen Jahre leidet, könnte dies der nächste schwere Schlag werden.
In Zeiten wie diesen, in denen geopolitische Verwerfungen die Energiemärkte erschüttern und Währungen unter Druck geraten, erweist sich einmal mehr die zeitlose Weisheit einer Absicherung durch physische Edelmetalle. Gold und Silber haben in jeder Krise der Menschheitsgeschichte ihren Wert behalten – eine Eigenschaft, die weder Papiergeld noch digitale Versprechen für sich beanspruchen können.

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