
Schweden vor der Wahl: Umfrage-Beben trifft die Sozialdemokraten

Neun Tage vor der Parlamentswahl in Schweden gerät das Rennen um die Macht in Stockholm erneut in Bewegung. Eine neue Erhebung des Instituts Novus für den Sender TV4 zeigt einen dramatischen Absturz der Sozialdemokraten – und Zugewinne für das rechte Lager. Gewählt wird am 13. September.
Vorsprung des linken Lagers schmilzt
Noch vor wenigen Tagen lag der linke Block aus vier Parteien laut Novus 6,9 Prozentpunkte vor dem Mitte-Rechts-Bündnis. In der neuen Umfrage beträgt der Abstand nur noch 2,6 Punkte. Aus einem komfortablen Polster ist damit ein Wimpernschlag-Finale geworden.
Am härtesten trifft es die Sozialdemokraten von Spitzenkandidatin Magdalena Andersson: Sie verlieren 4,3 Punkte und rutschen von 30,1 auf 25,8 Prozent. Im April des Vorjahres standen sie in derselben Umfragereihe noch bei knapp 37 Prozent. Novus zufolge seien die Veränderungen bei den Sozialdemokraten und den Liberalen statistisch signifikant, also nicht mit üblichen Schwankungen zu erklären.
Åkesson zieht an Kristersson vorbei
Profiteur Nummer eins sind die Schwedendemokraten. Die Partei von Jimmie Åkesson legt 1,6 Punkte zu und kommt auf 20,7 Prozent – klar vor der konservativen Moderaten Partei von Ministerpräsident Ulf Kristersson, die bei 17,2 Prozent liegt. Bei der Wahl 2022 hatten beide Parteien noch nahezu gleichauf gelegen.
Spannend ist auch das Schicksal der Liberalen unter Simona Mohamsson: 3,3 Prozent, ein Plus von 1,4 Punkten. Die Vier-Prozent-Hürde für den Riksdag ist damit noch nicht geschafft, aber plötzlich wieder in Reichweite. Für das Regierungslager könnte gerade diese Kleinpartei zum Zünglein an der Waage werden.
Die weiteren Werte im Überblick:
- Linkspartei: 8,4 Prozent (+1,0)
- Zentrumspartei: 8,3 Prozent (+1,2)
- Grüne: 7,8 Prozent (–0,1)
- Christdemokraten von Ebba Busch: 6,5 Prozent (+0,2)
Harte Migrationspolitik – und trotzdem kein Applaus?
Vier Jahre lang regierten die sogenannten Tidö-Parteien, gestützt von den Schwedendemokraten. Die Bilanz: verschärfte Einbürgerungsregeln, ein härterer Kurs gegen Clankriminalität, ein gesenktes Strafmündigkeitsalter für schwere Delikte. Medienberichten zufolge wurden zudem die Prämien für die freiwillige Rückkehr von Migranten in ihre Herkunftsländer massiv erhöht.
Bemerkenswert: Genau jene Themen, an denen sich in Deutschland die Debatte entzündet, hat Schweden politisch abgearbeitet – und wurde dafür an der Wahlurne bislang kaum belohnt. Im Wahlkampf dominiert stattdessen das Gesundheitssystem. Ein Lehrstück darüber, wie schnell Wähler Erfolge für selbstverständlich nehmen.
Was das für Berlin bedeutet
Für viele Beobachter in Deutschland ist der schwedische Fall dennoch ein Signal. Dort wurde die Zusammenarbeit über die Lagergrenze hinweg zur politischen Normalität – Medienberichten zufolge öffneten sich auch die Liberalen im Frühjahr für eine Kooperation. Berliner Debatten über Abgrenzung wirken daneben eigentümlich zeitversetzt.
Am 13. September entscheidet sich, ob die Mitte-Rechts-Koalition ihre knappe Mehrheit verteidigt oder Schweden nach links dreht. Klar ist: Politische Mehrheiten in Europa sind fragiler geworden – und mit ihnen die Verlässlichkeit von Wirtschafts-, Steuer- und Währungspolitik. Wer sein Vermögen langfristig absichern will, hält es daher für vernünftig, physische Edelmetalle als stabilisierende Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio zu halten.
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