
SpaceX-Rausch verpufft: Wie 600 Milliarden Dollar an einem einzigen Tag verglühen

Es begann mit einem Donnerschlag und endet mit einem klagenden Wimmern. Der spektakuläre Börsengang von SpaceX, der Anfang Juni für glühende Augen und feuchte Hände an den Handelsplätzen sorgte, entpuppt sich nun als das, was er von Anfang an war: ein Lehrstück über kollektive Gier und die Naivität jener, die glauben, an der Börse gäbe es das schnelle Geld geschenkt.
Der große Knall zum Auftakt
Am 12. Juni eröffnete die Aktie mit 150 Dollar, deutlich über dem Ausgabepreis von 135 Dollar. Innerhalb weniger Tage stürzten sich die Spekulanten wie Motten ins Licht und kauften kurzlaufende Call-Optionen mit Strike-Preisen von 380 Dollar in der Hoffnung, einen sogenannten Gamma-Squeeze zu entfachen, der den Kurs in den Orbit katapultieren sollte. Die Euphorie war so gewaltig, dass das Unternehmen binnen einer Woche zu den sechs wertvollsten Konzernen der Welt aufstieg.
Bemerkenswert dabei: Trotz des klangvollen Namens stammen die Einnahmen überwiegend nicht aus dem Raketengeschäft. Der Satellitendienst Starlink steuerte rund 11,39 Milliarden Dollar bei, während die eigentlichen Startdienste lediglich 4,1 Milliarden Dollar einbrachten. Die Bewertung jedoch überstieg jene der Schwesterfirma Tesla bei Weitem, obwohl SpaceX nur etwa 20 Prozent deren Umsatzbasis erwirtschaftet. Wer hier von solidem Fundament spricht, der glaubt vermutlich auch noch an den Weihnachtsmann.
Kleinanleger im Kaufrausch
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Privatanleger kauften in den ersten fünf Handelstagen netto 405 Millionen Dollar an SpaceX-Aktien – mehr als das gesamte Kaufvolumen aller anderen sogenannten Magnificent-7-Werte zusammengenommen. Selbst die Käufe der großen Index-Fonds SPY und QQQ wurden dabei übertroffen. Eine Aktie, die gerade erst eine Woche gehandelt wurde, konkurrierte bereits mit den Schwergewichten des Marktes um das Kapital der Kleinanleger.
Jeder auf der Welt, der diese Aktie kaufen wollte, hat sie bereits gekauft. Die Verkäufer haben wieder das Kommando übernommen.
Vom Höhenflug in den freien Fall
Der Höhepunkt war am 16. Juni erreicht, als die Aktie ein Rekordhoch von 225 Dollar markierte und kurzzeitig sogar Microsoft an Marktwert überflügelte. Doch was steil aufsteigt, kann ebenso steil abstürzen. Die Dynamik verpuffte, der erhoffte Gamma-Squeeze blieb aus.
Am Montag dann der Paukenschlag: Während SpaceX hastig die Euphorie am Anleihemarkt nutzte, um erstmals über 20 Milliarden Dollar an Investment-Grade-Anleihen zu platzieren – um einen bestehenden Überbrückungskredit zu deutlich höheren Zinsen umzufinanzieren –, brach die Aktie um 16,4 Prozent ein. An einem einzigen Tag verdampften 600 Milliarden Dollar an Börsenwert. Nach Kursverlusten an den Vortagen notiert das Papier nun knapp über jenem Niveau, auf dem es vor zwei Wochen den Handel aufgenommen hatte.
Das eigentliche Drama steht erst bevor
Besonders pikant: Diese Achterbahnfahrt vollzog sich, während gerade einmal fünf Prozent der Aktien überhaupt frei handelbar waren. Stolze 95 Prozent sind noch gesperrt. Doch das wird sich bald ändern. Analysten rechnen mit einer schrittweisen Freigabe der Anteile:
- Eine Freigabe von 20 Prozent der Insider-Anteile nach der Quartalsbilanz im August
- Weitere 10 Prozent, sollte der Kurs 30 Prozent über dem Ausgabepreis liegen
- Jeweils 7 Prozent rund um den 21. August und den 10. September
Insider könnten so bis Anfang September bis zu 44 Prozent ihrer Anteile verkaufen, was den frei handelbaren Streubesitz um rund 900 Prozent vergrößern würde. Wer glaubt, der Kurs lasse sich unter diesen Bedingungen noch nach oben prügeln, der unterschätzt die Schwerkraft der Märkte gewaltig.
Eine Warnung an alle Träumer
Die ganze Episode offenbart einmal mehr die fundamentale Krankheit der heutigen Finanzmärkte. Seit den Tiefstständen im März trieben fast ausschließlich die Euphorie der Kleinanleger und das blinde Hinterherrennen hinter jeder Kursbewegung die Notierungen. Sollten die Privatanleger nun kalte Füße bekommen – zuerst bei SpaceX, dann bei der Speicherchip-Blase und schließlich bei den Halbleiterwerten, die zu den Hauptprofiteuren des Künstliche-Intelligenz-Rausches geworden sind –, könnte aus dem Wimmern des Verkaufs schnell ein Donnerschlag werden.
Genau hier zeigt sich der himmelweite Unterschied zwischen spekulativem Papiergeld und echtem, greifbarem Wert. Während Aktien an einem einzigen Handelstag 600 Milliarden Dollar in Luft auflösen können, behält physisches Gold und Silber seinen Wert über Jahrhunderte hinweg. Edelmetalle lassen sich nicht durch nächtliche Anleiheemissionen verwässern, nicht durch fragwürdige Bewertungen aufblähen und nicht durch das nervöse Herdenverhalten von Kleinanlegern in den Abgrund reißen. Wer sein Vermögen sichern möchte, sollte einen krisenfesten Sachwert als solide Beimischung zu einem breit gestreuten Portfolio in Betracht ziehen.
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