
Stada-Börsengang: Milliardenschwere Rückkehr oder erneutes Scheitern?
Der Pharmakonzern Stada wagt nach dem gescheiterten Versuch im Frühjahr einen erneuten Anlauf für einen Börsengang. Mit einer erwarteten Bewertung von rund zehn Milliarden Euro könnte dies einer der größten Börsengänge Europas in diesem Jahr werden. Doch die Frage bleibt: Ist das Timing diesmal besser gewählt, oder droht dem hessischen Arzneimittelhersteller erneut eine Bruchlandung?
Zweiter Versuch unter vermeintlich besseren Vorzeichen
Stada-Chef Peter Goldschmidt zeigt sich optimistisch und bereitet nach eigenen Angaben einen Börsengang für den Herbst vor – „sofern die Rahmenbedingungen stimmen". Der erste Anlauf im April sei an den Börsenturbulenzen gescheitert, die durch Trumps Zolldrohungen ausgelöst worden seien. Nun sehe er das Umfeld an den Finanzmärkten stabiler. Besonders pikant: Goldschmidt betrachte es als Vorteil, dass Stada „so gut wie kein Geschäft in den USA" habe – eine bemerkenswerte Aussage angesichts der aktuellen geopolitischen Spannungen.
Die Finanzinvestoren Bain Capital und Cinven, die den Konzern 2017 für 5,3 Milliarden Euro übernommen und von der Börse genommen hatten, suchen schon länger nach einem lukrativen Ausstieg. Nach sieben Jahren Abstinenz vom Parkett könnte Stada nun zurückkehren – vorausgesetzt, die volatilen Märkte spielen diesmal mit.
Schuldenabbau als Lockmittel für Investoren
Mit 5,7 Milliarden Euro Schulden, die durch eine aggressive Übernahmestrategie angehäuft wurden, steht Stada vor der Herausforderung, für potenzielle Investoren attraktiv zu erscheinen. Goldschmidt verspricht, dass sich die Verschuldung bei einem erfolgreichen Börsengang etwa halbieren würde. Ob diese Rechnung aufgeht, bleibt abzuwarten.
Interessant ist auch die neue Führungsstruktur: Stada soll künftig unter einer Holding nach niederländischem Recht agieren. Während Goldschmidt beteuert, dass sich an der Zentrale in Bad Vilbel nichts ändern würde, wirft diese Konstruktion Fragen auf. Geht es hier etwa um Steueroptimierung oder regulatorische Vorteile?
Gemischte Geschäftsentwicklung wirft Fragen auf
Die Geschäftszahlen des ersten Halbjahres zeigen ein durchwachsenes Bild: Während Spezialmedikamente gut liefen, schwächelten rezeptfreie Arzneien und Nachahmerpräparate. Der Umsatz stieg währungsbereinigt um sechs Prozent auf gut 2,1 Milliarden Euro – solide, aber nicht spektakulär. Das bereinigte EBITDA legte um fünf Prozent auf 481 Millionen Euro zu.
Besonders brisant: Um für Investoren attraktiver zu werden, hatte Stada sein Russlandgeschäft abgespalten. Dies zeigt, wie sehr geopolitische Risiken heute die Bewertung von Unternehmen beeinflussen können.
Düstere Aussichten für den deutschen Kapitalmarkt
Der geplante Stada-Börsengang findet in einem schwierigen Umfeld statt. Erst in diesem Sommer hatten der Online-Autoteilehändler Autodoc und der Medizintechnikanbieter Brainlab ihre Börsenpläne abgesagt. Dies wirft ein bezeichnendes Licht auf die Attraktivität des deutschen Kapitalmarkts.
Während die Politik von einer „Aktienkultur" träumt und die Große Koalition unter Friedrich Merz ein 500-Milliarden-Euro-Sondervermögen für Infrastruktur plant, scheuen Unternehmen zunehmend den Gang aufs Parkett. Die Gründe liegen auf der Hand: regulatorische Überfrachtung, volatile Märkte und eine Politik, die mit immer neuen Schulden die Inflation anheizt.
Ob Stada im Oktober tatsächlich den Sprung wagt oder ob es bei der Ankündigung bleibt, werden die kommenden Wochen zeigen. Eines ist sicher: In Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit und politischer Fehlentscheidungen bleiben physische Werte wie Edelmetalle eine solide Alternative zu den Unwägbarkeiten des Aktienmarkts.
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