
Standort-Alarm: Jeder dritte Mittelständler denkt an Abwanderung

Erst die Konzerne, jetzt das Rückgrat der deutschen Wirtschaft: Nahezu jeder dritte industrielle Mittelständler mit Auslandsgeschäft plant laut dem neuen „Internationalisierungsbericht" der staatlichen Förderbank KfW, in den kommenden fünf Jahren Teile seiner Produktion ins Ausland zu verlagern. Grundlage sind Antworten von 1700 Unternehmen aus einer Umfrage im Januar, darunter rund 600 international tätige Betriebe. Die Zahlen wurden zuerst von der Presse veröffentlicht.
Acht Prozent haben schon verlagert – 29 Prozent wollen folgen
Der Befund ist unmissverständlich: Acht Prozent der im Ausland aktiven Industriebetriebe haben bereits in den vergangenen fünf Jahren Produktion abgezogen. Weitere 29 Prozent haben es vor.
KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher wird deutlich. Setze auch nur die Hälfte dieser Unternehmen ihre Pläne um, werde die Verlagerungswelle deutlich stärker ausfallen als bisher, so der Ökonom.
„Dies ist ganz klar ein Warnzeichen."
Und weiter: „Dahinter steckt auch, dass der Standort an Attraktivität verloren hat." Ein Satz, der von einem Chefvolkswirt der Staatsbank kommt – nicht von der Opposition.
Zangengriff: China drĂĽckt, Trump zollt
Zwei Kräfte setzen dem deutschen Mittelstand nach Einschätzung Schumachers besonders zu: die aggressive Wirtschaftspolitik Chinas und der Abschottungskurs der Trump-Regierung. Weil deutsche Familienunternehmen traditionell besonders global aufgestellt seien, treffe sie dieser Umbruch härter als die Konkurrenz in anderen Ländern.
Die Folge? Chinesische Wettbewerber erobern Weltmarktanteile, das US-Geschäft leidet unter hohen Zöllen – Washington hat unter anderem Aufschläge von 20 Prozent auf EU-Importe verhängt. Seit 2022 stagnieren die Auslandsumsätze des Mittelstands. Wachstum kommt praktisch nur noch aus Europa.
Entsprechend orientieren sich die Betriebe um: 19 Prozent wollen ihre Exporte stärker auf den EU-Binnenmarkt ausrichten oder haben das bereits getan, in der Industrie sind es fast 24 Prozent. Rückzug auf den Heimatkontinent – für eine Exportnation ist das kein Triumph, sondern ein Rückschritt.
Ifo-Hoch täuscht: Die Struktur bleibt krank
Ausgerechnet jetzt bessert sich die Stimmung. Im August kletterte der Ifo-Index der Exporterwartungen auf den höchsten Stand seit Anfang 2022, die Ausfuhren im zweiten Quartal überraschten positiv und stützten das Wachstum.
Ein Widerspruch? Schumacher sieht das anders. Kurzfristig könne es eine konjunkturelle Erholung geben, getrieben vom KI-Boom in den USA oder dem Fiskalimpuls in Deutschland. Mittel- und langfristig aber blieben die Aussichten schwierig – wegen Demografie, Energiekosten, China und US-Zöllen. 30 Prozent der befragten Auslandsaktiven rechnen für die kommenden vier Jahre mit sinkenden Umsätzen, nur 24 Prozent mit Zuwächsen.
Hausgemachte Lasten
Über die Energiepreise spricht die Politik selten gern. Dabei zählt Deutschland laut Vergleichszahlen von Statistikbehörden und Branchenverbänden seit Jahren zu den teuersten Industriestandorten Europas – ein Kostenblock, den kein Familienunternehmer in Bayern wegverhandeln kann, wohl aber durch einen Werksneubau in Osteuropa.
Aus Sicht unserer Redaktion ist die Botschaft der KfW-Zahlen politisch: Wer Bürokratie, Abgaben und Energiekosten aufeinandertürmt, treibt Wertschöpfung außer Landes. Milliardenschwere Sondervermögen ersetzen keine wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen – sie verschieben die Rechnung nur auf die Steuerzahler von morgen.
Wer Vermögen gegen solche strukturellen Verschiebungen absichern will, setzt traditionell auch auf physische Edelmetalle als Beimischung in einem breit gestreuten Portfolio.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Einschätzung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger muss eigenständig recherchieren und trägt die Verantwortung für seine Entscheidungen selbst.

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