
Strom für null Euro, Rechnung trotzdem hoch: Das Ökostrom-Paradox!

Bis Ende August 2026 gab es an der deutschen Strombörse bereits 427,5 Stunden mit negativen Preisen. Wind- und Solaranlagen werden weiter zugebaut, doch ihr Strom verliert ausgerechnet dann an Wert, wenn besonders viel davon fließt. Die Rechnung dafür zahlen Steuerzahler und Stromkunden.
Scheint die Sonne, stürzt der Preis ab
Das Muster ist einfach: Wind und Sonne richten sich nicht nach dem Bedarf. Scheint mittags die Sonne, speisen Hunderttausende Solaranlagen gleichzeitig ein. Fehlt dann die Nachfrage und fehlen Speicher, fällt der Börsenpreis. Bei besonders hoher Einspeisung sinkt er sogar unter null.
Laut den Daten der Übertragungsnetzbetreiber gab es allein im August 226 Viertelstunden mit negativen Preisen. Alle fielen in die Zeit zwischen 9:30 und 16:45 Uhr, also genau in die Stunden, in denen die Solaranlagen am meisten Strom liefern.
Die Anlagen machen sich gegenseitig die Preise kaputt
Fachleute sprechen vom Kannibalisierungseffekt. Im August lieferten Solaranlagen rund 21 Prozent ihrer Monatsproduktion in Phasen mit negativen Preisen. Der Marktwert Solar lag bei 6,359 Cent je Kilowattstunde. Der durchschnittliche Spotmarktpreis betrug dagegen 12,689 Cent. Solarstrom brachte also nur rund die Hälfte des Durchschnittspreises. Im April 2026 war der Marktwert Branchenangaben zufolge sogar auf 1,317 Cent gefallen.
Elf Milliarden Euro aus dem Bundeshaushalt
Lange schützte das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) die Betreiber vor diesem Risiko. Feste Vergütungen und Marktprämien machten jede Investition planbar. Seit die EEG-Umlage 2022 abgeschafft wurde, übernimmt der Bundeshaushalt die Finanzierung. Bis Ende August flossen gut elf Milliarden Euro auf das EEG-Konto, davon rund 1,88 Milliarden Euro allein im August.
Dieses Geld zahlt am Ende der Steuerzahler. Das passiert zu einer Zeit, in der die schwarz-rote Koalition mit Sondervermögen in Rekordhöhe plant.
Inzwischen hat auch der Gesetzgeber reagiert. Nach § 51 EEG sinkt der Förderanspruch in bestimmten Zeiten mit negativen Preisen auf null. Gleichzeitig kann § 51a unter bestimmten Voraussetzungen den Förderzeitraum verlängern. Kritiker sehen darin eher eine Verschiebung als eine Einsparung.
Teure Kredite verderben die Kalkulation
Dazu kommen die Zinsen. Wind- und Solarparks kosten am Anfang viel Geld für Anlagen, Fundamente und Netzanschlüsse. Viele Projekte wurden zu Zeiten fast kostenloser Kredite geplant. Heute sind Kredite deutlich teurer, und auch Material, Bauarbeiten und Flächen kosten mehr.
Die Nachrichtenagentur Reuters weist darauf hin, dass ältere Finanzmodelle oft mit höheren Stromerlösen und niedrigeren Kapitalkosten gerechnet hätten. Stromabnahmeverträge und Speicher werden deshalb wichtiger. Zwar war die jüngste Ausschreibung der Bundesnetzagentur für Windprojekte deutlich überzeichnet. Das Risiko verlagert sich aber immer stärker darauf, was die einzelne Kilowattstunde am Markt tatsächlich wert ist.
Wer zahlt am Ende? Sie!
Für Haushalte bedeuten negative Börsenpreise keineswegs niedrige Stromrechnungen. Die Bundesnetzagentur beziffert die Netzentgelte auf rund 37 Milliarden Euro im Jahr. Sie machen inzwischen etwa 30 Prozent der Stromkosten eines Haushalts aus. Jede neue Anlage erfordert weitere Leitungen und zusätzlichen Aufwand gegen Netzengpässe.
Das ist der Widerspruch der Energiewende: In manchen Stunden ist der Strom fast umsonst. Trotzdem braucht Deutschland Netze, Speicher und regelbare Kraftwerke für windstille, dunkle Tage. Diese Kosten verschwinden nicht, sie tauchen nur an anderer Stelle auf.
Das Modell stößt an seine Grenze
Wer vor allem auf immer mehr installierte Leistung setzt, erzeugt immer häufiger Strom, den gerade niemand braucht. Diese Schieflage lässt sich nicht dauerhaft mit Fördermilliarden überdecken. Irgendwann entscheiden nicht mehr politische Ausbauziele, sondern die Wirtschaftlichkeit. Für Bürger und Betriebe, die unter hohen Energiepreisen leiden, kann dieser Punkt kaum früh genug kommen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.

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