
Teheran flüchtet zur BRICS-Bank: Irans Notruf an den Globalen Süden

Der Iran will Mitglied der BRICS-Entwicklungsbank werden. Das kündigte der Gouverneur der iranischen Zentralbank, Abdolnasser Hemmati, laut iranischen Staatsmedien am Donnerstag an. Der Zeitpunkt ist alles andere als zufällig: Der Krieg gegen die USA und Israel dauert inzwischen fast ein halbes Jahr – und Irans Wirtschaft steht mit dem Rücken zur Wand.
Ein Beitritt, den die Bank selbst nicht bestätigt
Hemmati hält sich derzeit in Indien auf, wo im September der 18. BRICS-Gipfel stattfindet – Berichten zufolge am 12. und 13. September in Neu-Delhi. Man strebe bilaterale und trilaterale Währungskooperationen mit Mitgliedsstaaten an, wird der Notenbankchef von der Agentur Tasnim zitiert.
Nur: Die New Development Bank (NDB) selbst mochte das nicht bestätigen. Ein Sprecher erklärte gegenüber einem US-Wirtschaftssender lediglich, die Mitgliedschaft stehe UN-Mitgliedern offen; zuletzt sei Usbekistan als zehntes Mitglied am 5. Juni 2026 beigetreten.
Der Iran müsste also erst das reguläre Aufnahmeverfahren durchlaufen. Auf der Warteliste stehen bereits Uruguay, Kolumbien, Äthiopien, Angola und Simbabwe.
Warum Teheran so dringend an frisches Geld will
Die NDB wurde von Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika gegründet, um Infrastruktur- und Entwicklungsprojekte in Schwellenländern zu finanzieren. Für Teheran ginge es um Kredite für Verkehr, Wasserversorgung, digitale Netze und Stadtentwicklung – Bereiche, in denen das Land nach Monaten des Krieges massiven Nachholbedarf haben dürfte.
Der Hintergrund ist bitter. Jahrzehntelange Sanktionen haben Iran faktisch vom westlichen Kapitalmarkt abgeschnitten. Der Krieg hat die Lage dramatisch verschärft: Deutschen Medienberichten zufolge kletterte die Inflation im Frühjahr auf bis zu 77 Prozent – der höchste Stand seit dem Zweiten Weltkrieg –, während der Rial über die Hälfte seines Wertes verlor.
„Wir streben eine bilaterale und trilaterale Währungszusammenarbeit mit den Mitgliedsstaaten an“ – so wird Zentralbankchef Hemmati in iranischen Staatsmedien wiedergegeben.
Trumps Drohung hängt über allem
Aus dem lockeren Club von 2006 – Brasilien, Russland, Indien, China, ab 2010 Südafrika – ist längst ein Schwergewicht geworden: Ägypten, Äthiopien, Saudi-Arabien, die Emirate, Indonesien und eben Iran sind dabei, Belarus, Kuba und Nigeria als Partnerländer.
Washington beobachtet das mit wachsendem Argwohn. US-Präsident Donald Trump hat die BRICS-Politik wiederholt als „anti-amerikanisch“ bezeichnet und mit 25 Prozent Zöllen gegen jedes Land gedroht, das direkt oder indirekt Waren oder Dienstleistungen aus dem Iran bezieht. Wie belastbar Irans wichtigste Achse – China kaufte laut Kpler-Daten 2025 über 80 Prozent des verschifften iranischen Öls – im Kriegsjahr noch ist, bleibt offen.
Was das für europäische Sparer bedeutet
Für deutsche Leser ist der Vorgang mehr als eine Randnotiz aus Fernost. Er zeigt, wie schnell sich Finanzarchitekturen verschieben, wenn Sanktionen, Zölle und Kriege zum Alltag der Weltwirtschaft werden. Wer glaubt, Währungsordnungen seien Naturgesetze, wird derzeit im Wochentakt eines Besseren belehrt.
Genau in solchen Phasen erinnern sich Anleger an das, was keine Notenbank drucken und kein Sanktionsregime entwerten kann: physisches Gold und Silber – als nüchterne Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen, nicht als Spekulation.
Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Anlageberatung dar. Wir sprechen keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen aus. Jeder Leser trifft seine Anlageentscheidungen eigenverantwortlich und sollte sich vorab selbst umfassend informieren.

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