
Wannsee-Protokoll: Historikerin widerlegt Zweifel an Echtheit des Holocaust-Dokuments
Eine Leserin aus Paderborn hat Zweifel an der Authentizität des berüchtigten Protokolls der Wannsee-Konferenz geäußert – jenem Dokument, das wie kaum ein anderes die bürokratische Kälte des nationalsozialistischen Vernichtungsapparates offenbart. Die Gedenk- und Bildungsstätte am Großen Wannsee in Berlin sah sich daraufhin veranlasst, die vermeintlichen Ungereimtheiten Punkt für Punkt zu entkräften.
Die Konferenz des Grauens
Am 20. Januar 1942 – also vor nunmehr 84 Jahren – versammelten sich 15 hochrangige Vertreter des NS-Regimes in einer Villa am Berliner Wannsee. Unter dem Vorsitz von SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich, dem Chef der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes, berieten die Herren über nichts Geringeres als die systematische Ermordung aller europäischen Juden. Die Massenmorde waren zu diesem Zeitpunkt bereits in vollem Gange – nun ging es um die industrielle Perfektionierung des Völkermordes.
Das 15-seitige Protokoll dieser Besprechung gilt als eines der erschütterndsten Dokumente der Menschheitsgeschichte. Es legt in nüchterner Verwaltungssprache dar, wie Millionen Menschen ermordet werden sollten – mit der gleichen bürokratischen Präzision, mit der andere Behörden Straßenbauvorhaben planen.
Die vermeintlichen Widersprüche
Gabriele Villner aus Paderborn glaubte nach einem Besuch der Gedenkstätte, drei "auffällige Inhalte" entdeckt zu haben. Ihre erste Beobachtung: Das Protokoll führe nur zwölf Teilnehmer auf, während überall von 15 die Rede sei. Zudem fehle Heydrich in der Namensliste.
Die Antwort der Historiker fällt eindeutig aus: Auf den ersten beiden Seiten des Dokuments werden vierzehn Eingeladene namentlich genannt – ein Gauleiter, ein Reichsamtsleiter, vier Staatssekretäre, ein Unterstaatssekretär, ein Ministerialdirektor und sechs hohe SS-Chargen. Heydrich selbst wird unmittelbar danach in einem eigenen Absatz gewürdigt, in Sperrschrift und mit voller Amtsbezeichnung. Wie Eike Stegen, Sprecher der Gedenkstätte, erläutert, war es gerade Heydrichs Ziel, sich durch diese Besprechung in seinen Kompetenzen bestätigt zu wissen. Dass ihm ein eigener Absatz gewidmet wurde, unterstreicht seine herausgehobene Stellung.
"Heydrich steht daher nicht einfach auf der Liste, ihm ist ein eigener Absatz gewidmet."
Am Rande sei erwähnt, dass sogar eine 16. Person im Raum anwesend war: Ingeburg Werlemann, die Stenotypistin der Konferenz.
Warum fehlen Unterschriften?
Die zweite Frage der Leserin betraf das Fehlen einer "Schluss-Seite mit Unterschrift, Stempel, Siegel". Auch hier liegt ein Missverständnis vor: Heydrich hatte zu einer "Besprechung" eingeladen, nicht zu einer Konferenz. Der Begriff "Wannsee-Konferenz" etablierte sich erst nach 1947. Bei einem Besprechungsprotokoll – damals wie heute – sind Unterschriften schlicht nicht üblich. Das Begleitschreiben zum Protokoll trägt hingegen Heydrichs Unterschrift sowie das Aktenzeichen des berüchtigten Referats IV B 4 unter Adolf Eichmann.
Das Rätsel der verschwundenen Exemplare
Die dritte und vielleicht interessanteste Frage betrifft das Schicksal der anderen 29 Ausfertigungen. Von ursprünglich 30 Exemplaren wurde bislang nur eines gefunden – die 16. Ausfertigung, die 1947 in den Akten des Auswärtigen Amtes entdeckt wurde.
Ist das verdächtig? Keineswegs, erklärt Stegen. Dokumentiert sind mehrere Befehle aus der Endphase des Reiches, belastende Schriftstücke zu vernichten. Dass gerade dieses Dokument – eine auf 15 Seiten verdichtete Zusammenfassung der Planung zum Massenmord – systematisch beseitigt wurde, liegt auf der Hand. Ungewöhnlich ist nicht das Verschwinden der anderen Exemplare, sondern dass im Auswärtigen Amt ausgerechnet dieses Dokument in einer Akte mit dem Titel "Endlösung der Judenfrage" erhalten blieb.
Die Spuren der anderen Exemplare sind keineswegs "spurlos verschwunden". In den Hinterlassenschaften der beteiligten Ämter finden sich zahlreiche Hinweise, darunter Posteingangs- und Ausgangsbücher, die belegen, wer wann eine Einladung erhielt und wann er antwortete. Deutschland war und ist ein bürokratisches Land – diese Eigenschaft, die den Massenmord erst in seiner industriellen Dimension ermöglichte, liefert heute die Beweise für das Geschehene.
Ein Dokument für die Ewigkeit
Die Nachforschungen bestätigen die Authentizität des Protokolls zweifelsfrei. Die vielfältigen Studien einer großen Zahl von Historikern ergeben keinen vernünftigen Grund, eine Fälschung zu vermuten. Das Dokument gehört zu den Kernstücken für das Verständnis des nationalsozialistischen Staates – ein Zeugnis der Banalität des Bösen, das in seiner bürokratischen Nüchternheit erschüttert.
In einer Zeit, in der historische Fakten zunehmend in Frage gestellt werden und Verschwörungstheorien Konjunktur haben, ist es umso wichtiger, solche Dokumente zu bewahren und ihre Echtheit zu verteidigen. Die Wannsee-Konferenz war kein Hirngespinst, sondern grausame Realität – und das Protokoll ist der stumme Zeuge eines der größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte.
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