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Acker statt Solarmodul: Bayerisches Dorf zieht die rote Linie!

Acker statt Solarmodul: Bayerisches Dorf zieht die rote Linie!
Symbolbild: KI-generiert

Bergheim, eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, lĂ€sst einen Solarinvestor abblitzen. Ende September hat der Gemeinderat mehrheitlich den Antrag der MĂŒnchner DoppelErnte GmbH abgelehnt, die auf rund 6,7 Hektar eine Agri-PV-Anlage errichten wollte. Die BegrĂŒndung ist kurz: Der Boden sei zu gut, um ihn unter Solarmodule zu stellen.

Das ist bemerkenswert. Agri-PV wird schließlich als die Lösung angepriesen, mit der man Strom und Brot auf derselben FlĂ€che ernten könne. In Bergheim sieht man das anders.

Doppelnutzung mit Haken

Bei Agri-PV stehen die Module auf Stelzen oder in Reihen auf dem Feld, dazwischen oder darunter soll weiter Ackerbau stattfinden. Auf dem Papier klingt das nach einer Lösung, bei der alle gewinnen. In der Praxis wird es schwieriger.

Das Technologie- und Förderzentrum Bayern (TFZ) weist darauf hin, dass die Gestelle die Arbeitsbreiten beim DĂŒngen und beim Pflanzenschutz einschrĂ€nken können. Auch welche Kulturen angebaut werden und wie der Landwirt arbeitet, hĂ€ngt dann von der Anlage ab. Wie sich die dauerhafte Beschattung langfristig auf Ertrag und QualitĂ€t auswirkt, ist nach EinschĂ€tzung des TFZ noch nicht ausreichend erforscht.

Laut einem Zeitungsbericht Ă€ußerte sich der BĂŒrgermeister auf Nachfrage ganz praktisch. Ein „normaler landwirtschaftlicher Betrieb mit großen Maschinen“ sei mit einer solchen Anlage nur schwer vorstellbar, außerdem seien zu viele Fragen offen. Wer schon einmal einen modernen MĂ€hdrescher gesehen hat, versteht das sofort.

Ackerzahl 77: Zu wertvoll fĂŒr Paneele

Neu ist diese Haltung in Bergheim nicht. Schon im MÀrz 2025 hatte der Projektierer Anumar einen Solarpark auf knapp zehn Hektar geplant. Die Gemeinde verlangte damals eine Ackerzahl von höchstens 50. Diese Kennziffer aus der amtlichen BodenschÀtzung zeigt, wie ertragreich ein Boden ist. Eine der FlÀchen kam auf Werte zwischen 74 und 77 und fiel damit klar durch den Kriterienkatalog.

Dahinter steht eine einfache Überlegung. Ein Solarpark lĂ€sst sich auch auf einer Industriebrache, einem Dach oder einem mageren Standort bauen. Fruchtbaren Boden, der ĂŒber Jahrhunderte entstanden ist, kann man dagegen nicht einfach an einen anderen Ort verlegen.

Deutschland verliert seine Felder

Das Problem reicht weit ĂŒber Bergheim hinaus. Nach Angaben des Umweltbundesamtes ist die landwirtschaftlich genutzte FlĂ€che in Deutschland zwischen 2016 und 2024 um 3.058 Quadratkilometer geschrumpft. Das ist mehr als die FlĂ€che des gesamten Saarlandes. Den grĂ¶ĂŸten Teil haben neue Siedlungen und Straßen verbraucht. Jede weitere Nutzung, die um Boden konkurriert, erhöht den Druck auf die Äcker, die noch ĂŒbrig sind.

Gleichzeitig treibt die Bundespolitik den Ausbau voran. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz sieht bis 2030 eine installierte Photovoltaik-Leistung von 215 Gigawatt vor. Beobachter sehen darin einen Wettlauf, bei dem schon heute klar ist, wer verliert: der Bauer und mit ihm die heimische Versorgung mit Lebensmitteln.

Auch MĂŒnchen wird deutlicher

Inzwischen klingt sogar das bayerische Landwirtschaftsministerium deutlich. Ministerin Michaela Kaniber sagte im Mai 2026 bei der Eröffnung einer Agri-PV-Versuchsanlage:

„Unsere FlĂ€chen sind begrenzt und sie werden vorrangig fĂŒr die Lebensmittelproduktion gebraucht.“

Sie warnte außerdem vor Projekten, bei denen die Landwirtschaft nur noch als Vorwand fĂŒr eine Solaranlage diene. Mit anderen Worten: Etwas Gras unter den Modulen macht ein Solarfeld noch nicht zu einem Bauernhof.

Kein Nein zur Sonne, aber eine klare Rangfolge

Bergheim stellt sich nicht grundsÀtzlich gegen Photovoltaik. Die Gemeinde legt aber fest, was Vorrang hat. Die besten Böden bleiben dem Pflug vorbehalten, Solarprojekte sollen auf schwÀchere oder bereits bebaute FlÀchen ausweichen.

Viele Politiker reden lieber ĂŒber Ausbauziele als ĂŒber Zielkonflikte. Ein Dorfgemeinderat zeigt hier, wie verantwortliche Politik vor Ort aussehen kann. Wer die ErnĂ€hrungssicherheit ernst nimmt, darf den besten Acker des Landes nicht fĂŒr Fördergelder verbauen.

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