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20.10.2026
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Ein Anruf, dann Stille: Marius' Eltern von Merz bitter enttäuscht

Ein Anruf, dann Stille: Marius' Eltern von Merz bitter enttäuscht
Symbolbild: KI-generiert

Drei Monate nach dem tödlichen Messerangriff auf den Trierer Geschichtsstudenten Marius Dick sprechen seine Eltern Elke und Thomas Dick wieder öffentlich. Im Interview mit dem Portal NIUS erzählen sie von einer Trauer, die nicht nachlässt, und von ihrer wachsenden Enttäuschung über Bundeskanzler Friedrich Merz. Er habe einmal angerufen. Danach sei nichts mehr gekommen.

Ein Vormittag, der alles zerstörte

Am 15. Juli 2026, kurz vor zehn Uhr, war Marius auf dem Rückweg vom Einkaufen, nur wenige Hundert Meter vom Uni-Campus entfernt. Nach Angaben der Ermittler soll ihn dort ein gleichaltriger Afghane ohne Vorwarnung mit einem großen Küchenmesser angegriffen haben. Der 22-Jährige starb wenig später im Krankenhaus. Die beiden kannten sich nicht. Die Polizei sprach von einem Zufallsopfer.

Medienberichten zufolge kam der Tatverdächtige Sajad M. als Jugendlicher nach Deutschland. Sein Asylantrag sei abgelehnt worden, die Behörden hätten aber ein Abschiebeverbot verhängt. 2023 habe er eine dauerhafte Aufenthaltserlaubnis bekommen. Er galt als gut integriert. Laut Staatsanwaltschaft war er zuletzt in psychiatrischer Behandlung.

„Vielleicht kriege ich noch eine Autogrammkarte“

Nach der Tat rief der Kanzler persönlich bei der Familie an und sprach sein Beileid aus. Dabei sei es geblieben, sagt Vater Thomas Dick. Er glaube nicht, dass Merz sich noch einmal melde, und fügt sarkastisch hinzu:

„Vielleicht kriege ich noch eine Autogrammkarte oder so was.“

Am meisten stört ihn, dass sich nichts bewegt. „Es passiert halt doch nichts“, sagt er. Dick ist selbst CDU-Mitglied. Seiner Partei schickt er einen Appell, der in der Parteizentrale kaum gut ankommen dürfte: „Bitte setzt euch zusammen mit allen Fraktionen, reißt die Brandmauer ein, sprecht mit der AfD und nicht über sie.“

Gedenken ohne Politiker

Am 19. September waren die Eltern bei der „Trauerwache Deutschland“ auf dem Frankfurter Römerberg. Dort wurde an Menschen erinnert, die seit 2015 bei Gewalttaten und Anschlägen ums Leben kamen. Laut dem Bericht waren zahlreiche Politiker eingeladen. Gekommen sei kein einziger.

Elke Dick berichtet, ein vorbeifahrender Radfahrer habe die Veranstaltung als „Nazi-Veranstaltung“ bezeichnet. Als sie ihm vom Tod ihres Sohnes erzählt habe, habe er nur mit den Schultern gezuckt und sei weitergefahren.

Schuldunfähig? Für die Familie kaum zu ertragen

Besonders schwer trifft die Familie eine mögliche Entwicklung im Verfahren: Der Beschuldigte könnte wegen einer psychischen Erkrankung als schuldunfähig eingestuft werden. Er ist derzeit in einer geschlossenen forensischen Psychiatrie untergebracht. Laut Thomas Dick geht die bisherige Tendenz in diese Richtung. Für die Eltern sei das „sehr unbefriedigend“.

Zum Hintergrund: Stellt ein Gericht nach Paragraf 20 des Strafgesetzbuchs Schuldunfähigkeit fest, kann es keine Haftstrafe verhängen. In Frage kommt dann die Unterbringung in einer Psychiatrie. Mutter Elke findet es „ein bisschen zu einfach“, alles auf ein Trauma zu schieben.

Als müsste sie Tonnen bewegen

An manchen Morgen wisse sie nicht, wie sie aus dem Bett kommen solle, sagt Elke Dick. Jeder Schritt fühle sich an, als müsse sie Tonnen bewegen. Wenige Wochen nach Marius' Tod kam der nächste Schlag: Am 22. August erlitt Thomas Dick beim Tennis einen schweren Herzinfarkt. Er wurde operiert und war danach mehrere Wochen in der Reha. Heute hat er nach eigenen Worten Angst um seinen zweiten Sohn, der gerade 18 geworden ist.

Und die Politik?

Aus Sicht unserer Redaktion zeigt der Fall, wo das System versagt hat: ein abgelehnter Asylbewerber mit dauerhaftem Bleiberecht und eine bekannte psychische Erkrankung, ohne dass jemand eingegriffen hat. Die CDU-Landtagsfraktion in Rheinland-Pfalz fordert inzwischen einen besseren Austausch zwischen Medizinern und Sicherheitsbehörden. Nach Zahlen aus der Landesstatistik gab es in Rheinland-Pfalz 2025 insgesamt 561 Straftaten mit Messern, zehn davon endeten tödlich.

Die Familie will weiter öffentlich sprechen, damit sich etwas ändert. Viele Bürger dürften es beschämend finden, dass trauernde Eltern lauter nach Konsequenzen rufen als eine Regierung, die einen Kurswechsel in der Migrationspolitik versprochen hat.

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