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09.10.2026
18:31 Uhr
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Finger in den Hals gegen Vergewaltiger? Bremens Polizei-Tipp empört

Finger in den Hals gegen Vergewaltiger? Bremens Polizei-Tipp empört
Symbolbild: KI-generiert

Die Polizei in Bremen rĂ€t in PrĂ€ventionsseminaren seit ĂŒber zehn Jahren, sich bei einem versuchten SexualĂŒbergriff notfalls absichtlich zu ĂŒbergeben. Das hat eine Sprecherin der Behörde laut Medienberichten bestĂ€tigt. Viele BĂŒrger dĂŒrften sich fragen, wie weit es mit dem Schutz von Frauen in Deutschland inzwischen gekommen ist.

Ekel als letzte Verteidigungslinie

Wer an den Kursen teilnimmt, bekommt dort offenbar erklĂ€rt, wie man mit dem Finger im Rachen den WĂŒrgereflex auslöst. Der Ekel solle den Angreifer aus dem Konzept bringen. Polizeisprecherin Franka Haedke sagte der Regionalzeitung „Kreiszeitung“:

„Im Notfall, etwa einer versuchten Vergewaltigung, wehren Sie sich mit allen zur VerfĂŒgung stehenden Mitteln. Auch das Sich-Erbrechen kann eine wirksame Möglichkeit sein, ein Sexualdelikt abzuwehren.“

SinngemĂ€ĂŸ heißt das: Im Notfall solle man sich mit allen verfĂŒgbaren Mitteln wehren, auch Erbrechen könne einen Übergriff abwehren. Haedke betonte, es handle sich um eine Möglichkeit unter mehreren und nicht um eine feste Handlungsanweisung.

Angeboten werden die Seminare in Firmen, Behörden und Kliniken, außerdem fĂŒr BeschĂ€ftigte von Verkehrsbetrieben, Feuerwehr, Jobcentern und sozialen TrĂ€gern. Es geht um Gefahrenerkennung, Deeskalation, das Eingreifen als Zeuge und das Verhalten wĂ€hrend eines Übergriffs. Aus Sicht der Polizei helfen die Kurse, Gefahren frĂŒh zu erkennen, und sollten regelmĂ€ĂŸig stattfinden.

Die Zahlen hinter dem Ekel-Tipp

Gute Absichten der PrĂ€ventionsbeamten stellt niemand in Abrede. Brisant wird der Ratschlag erst durch die Zahlen. Laut einer aktuellen Antwort des Bremer Senats auf eine parlamentarische Anfrage stieg die Zahl erfasster Vergewaltigungen und besonders schwerer sexueller Übergriffe im Land Bremen von 108 FĂ€llen im Jahr 2015 auf 191 FĂ€lle im Jahr 2024. Die Zahl der minderjĂ€hrigen Opfer verdreifachte sich seit 2019 fast, von 19 auf 55.

Aus denselben Unterlagen geht hervor, dass 2024 in der Stadt Bremen 60 von 112 TatverdĂ€chtigen keinen deutschen Pass hatten, also mehr als die HĂ€lfte. Der Senat weist ausdrĂŒcklich darauf hin, dass die Staatsangehörigkeit allein nichts erklĂ€re. Alter, Geschlecht und soziale Lage spielten eine Rolle, außerdem werde bei TĂ€tern ohne deutschen Pass hĂ€ufiger Anzeige erstattet.

Noch erschreckender ist eine andere Zahl: Nach Angaben des Senats gab es im Land Bremen 2024 nur zwei Verurteilungen wegen Vergewaltigung. FĂŒr unsere Redaktion zeigt das, wo der Staat wirklich versagt. BĂŒrger bekommen Verhaltenstipps, wĂ€hrend die Strafverfolgung kaum Ergebnisse liefert.

Singen, ArmlÀnge, Laufen zu zweit

Bremen ist kein Einzelfall. In Berlin empfahl die Polizei einst, Angreifer durch Singen zu irritieren. Nachdem ein Screenshot 2024 im Netz kursierte und verspottet wurde, ruderte die Behörde zurĂŒck. Der Tipp stamme von psychiatrischen FachverbĂ€nden, entspreche nicht der polizeilichen Erfahrung und sei seit 2023 gestrichen.

Unvergessen ist auch die Silvesternacht 2015/16 in Köln. Nach massenhaften sexuellen Übergriffen riet OberbĂŒrgermeisterin Henriette Reker Frauen, zu Fremden „eine gewisse Distanz von mehr als einer ArmlĂ€nge“ zu halten. Die Empörung reichte bis zum damaligen Bundesjustizminister.

  • Leipzig 2017: Nach einer Vergewaltigung im Rosental empfahl die Polizei Joggerinnen, zu zweit zu laufen. Der OberbĂŒrgermeister kritisierte das als EinschrĂ€nkung der Freiheit von Frauen.
  • MĂŒnchen 2016: Nach einem Angriff im Englischen Garten riet die Polizei zu beleuchteten Strecken, zum Verzicht auf Kopfhörer und zu einer Trillerpfeife.
  • Östersund (Schweden) 2016: Der Polizeichef riet Frauen, nachts nur in Gruppen unterwegs zu sein.

Wer muss sich hier eigentlich Àndern?

Bei all diesen FĂ€llen passen sich die potenziellen Opfer an. Sie sollen Abstand halten, singen, zu zweit joggen und sich im Ernstfall sogar ĂŒbergeben. Kritiker der Migrations- und Sicherheitspolitik der vergangenen Jahre sehen darin ein EingestĂ€ndnis, dass der Staat sein wichtigstes Versprechen kaum noch hĂ€lt: die Sicherheit seiner BĂŒrgerinnen im öffentlichen Raum.

Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz hat einen Kurswechsel bei der inneren Sicherheit versprochen. Gemessen wird sie an weniger Opfern und mehr Verurteilungen. Neue Verhaltenstipps sind dafĂŒr kein Maßstab.

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