
Gas-Alarm im Süden: Droht Deutschland eine Lücke von 26 TWh?

Deutschland geht mit so wenig Gas in den Winter wie noch nie seit Beginn der Datenerfassung. Die Speicher sind laut Gas Infrastructure Europe (GIE) nur zu 59,4 Prozent gefüllt. Der Energieinformationsdienst Montel hat jetzt nachgerechnet und kommt zu einem beunruhigenden Ergebnis: Im ungünstigsten Fall könnten bis zu 26 Terawattstunden fehlen. Am stärksten betroffen wäre der Süden.
Rekordtief in den Speichern
Die aktuellen Vorräte entsprechen rund 147 TWh. Zum Vergleich: Im vergangenen Winter wurden 155 TWh aus deutschen Speichern entnommen. Selbst wenn man die Lage wohlwollend betrachtet, ist der Puffer also dünn.
Dazu kommt ein Problem, das in der Debatte gern untergeht. Entscheidend ist nicht nur, wie viel Gas im Land lagert, sondern auch wo. Montel geht von einem Verbrauch ähnlich dem Vorwinter aus. Kann ein Speicher die benötigte Menge nicht liefern und lässt sich das Gas nicht passend umverteilen, entsteht nach dieser Rechnung die Lücke von 26 TWh. Montel beschreibt damit ein Szenario unter bestimmten Bedingungen und keine feststehende Fehlmenge. Die Warnung hat trotzdem Gewicht.
Acht TWh vom Staat: ein Tropfen auf den heißen Stein?
Inzwischen greift Berlin ein. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hat den staatlichen Gasimporteur Sefe angewiesen, bis zum 15. Dezember acht TWh zu kaufen und einzuspeichern. Fachmedien sprechen bereits von einer Kehrtwende, denn lange hatte die Politik die Befüllung dem Markt überlassen.
Laut Montel dürfte die Zusatzmenge vor allem den niedersächsischen Großspeicher Rehden entlasten. Die besonders niedrigen Füllstände im Süden würden damit aber nicht ausreichend behoben. Gerade dort sitzen Industriebetriebe, die auf eine sichere Energieversorgung angewiesen sind. Der Versorger VNG hatte schon im September betont, dass Reserven über die Netze auch dorthin gelangen müssen, wo sie in einer Krise gebraucht werden.
Behörde gibt Entwarnung, nennt aber keine Details
Die Bundesnetzagentur bewertet die Gefahr einer angespannten Versorgung in ihrer Lageeinschätzung vom 9. Oktober weiterhin als gering. Auf dem Weltmarkt sei genug Gas verfügbar. Sie räumt aber ein, dass die Speicher am Ende des Winters wahrscheinlich vergleichsweise leer sein werden. Zur Montel-Rechnung äußert sie sich nicht:
„Ich bitte um Verständnis, dass die Bundesnetzagentur Modellrechnungen Dritter nicht kommentiert.“
Welche Annahmen für eine lange Kältephase gelten, in der zugleich viel Gas verstromt wird, erklärt die Behörde nicht. Bei der Frage nach Süddeutschland verweist sie auf das Wirtschaftsministerium. Auch der Speicherbetreiber EWE will die Zahl nicht bewerten. Konkrete Prognosen seien mit erheblichen Unsicherheiten verbunden, so ein Sprecher.
Warum niemand einspeichern will
Der Grund für die halbleeren Speicher liegt im Markt. Händler kaufen normalerweise im Sommer günstig ein und verkaufen im Winter teurer. Ist Wintergas aber kaum teurer als Sommergas, deckt der Unterschied die Lager- und Finanzierungskosten nicht mehr. Dann lohnt sich das Einspeichern nicht. EWE fordert deshalb verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen. Viele Branchenvertreter dürften dem zustimmen, denn zuverlässige Regeln hat die Energiepolitik der letzten Jahre selten geboten.
Europa hängt am LNG-Tropf
Auch auf europäischer Ebene ist die Lage angespannt. Der Netzbetreiberverband ENTSOG rechnet damit, dass die EU-Speicher bis Ende März je nach LNG-Angebot auf 29 oder sogar 13 Prozent fallen könnten. In einem kalten Winter müsste der Verbrauch um sieben bis zwölf Prozent sinken, sonst bliebe ein Teil des Bedarfs ungedeckt. Die Denkfabrik IEEFA weist auf ein technisches Problem hin: Je leerer ein Speicher ist, desto geringer ist der Druck und desto langsamer lässt sich Gas entnehmen. Ausgerechnet ein später Kälteeinbruch wäre deshalb besonders gefährlich.
Fazit: Hoffen auf einen milden Winter
Ob Deutschland gut durch den Winter kommt, hängt von LNG-Tankern, der Weltpolitik und dem Wetter ab. Die eigenen Reserven geben dafür wenig her. Die Lage zeigt erneut, wie anfällig das Land für Krisen ist. Viele Bürger setzen deshalb auf eigene Vorsorge. Physisches Gold und Silber haben sich dabei über Generationen als krisenfeste Ergänzung eines breit gestreuten Vermögens bewährt.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Leser sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.

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