
Gasrechnung killt Legende: Kahla-Porzellan macht nach 182 Jahren dicht!

Das Aus kommt endgültig: Der Thüringer Porzellanhersteller Kahla stellt seine Produktion zum 31. Dezember 2026 ein. Am 7. Oktober bestätigte Insolvenzverwalter Rolf Rombach, dass die monatelange Suche nach einem Investor gescheitert sei. 96 Menschen verlieren ihren Job, und eine Industrietradition, die bis ins Jahr 1844 zurückreicht, geht zu Ende.
Bis zu 180.000 Euro im Monat nur für Gas
Als Hauptgrund für das Ende gelten die hohen Energiekosten. Porzellan wird bei weit über 1.000 Grad gebrannt, und die Öfen laufen mit Gas. Zuletzt soll Kahla dafür jeden Monat zwischen 150.000 und 180.000 Euro bezahlt haben, aufs Jahr gerechnet also 1,8 bis 2,16 Millionen Euro.
Diese Last ließ sich nicht über höhere Preise an die Kunden weitergeben. Dazu kamen weniger Aufträge und eine schwache Nachfrage aus der Gastronomie. Ein Betrieb, der mehr fürs Heizen der Öfen ausgibt, als der Markt an Aufpreis hergibt, hat auf Dauer keine Chance.
Schon Anfang 2023 stand das Werk am Abgrund. Die Gaspreise hatten sich für das Unternehmen damals laut Berichten versechsfacht, und auf die Schnelle musste ein neuer Lieferant her. Einen Produktionsstopp konnte man damals noch abwenden. Gelöst war das Problem aber nicht.
Ein Ministerpräsident schaltet sich ein, und trotzdem kommt kein Käufer
Seit März 2026 hat Rombach Medienberichten zufolge mit zahlreichen möglichen Investoren gesprochen. Am Ende wurde intensiv mit Interessenten aus der Türkei verhandelt. Keiner habe jedoch ein Konzept vorgelegt, das sich wirtschaftlich trägt. Zu hoch seien die erwarteten Produktionskosten gewesen, zu düster die Aussichten.
Auch das Thüringer Wirtschaftsministerium und die Staatskanzlei haben die Suche begleitet. Ministerpräsident Mario Voigt (CDU) hat sich sogar persönlich eingeschaltet. Gebracht hat es nichts. Politischer Einsatz macht keine Gasrechnung billiger.
Aus Sicht unserer Redaktion zeigt das Problem weit über Thüringen hinaus. Die Energiepreise in Deutschland gehören zu den höchsten der Industriewelt, und das ist zu einem großen Teil politisch gemacht. Wer Gas und Strom über Jahre verteuert, braucht sich über leere Werkshallen nicht zu wundern. Für energieintensive Mittelständler wird die Lage so zur Existenzfrage.
Leergekaufter Onlineshop als bitterer Abschied
Die Belegschaft hat schon Ende September auf einer Betriebsversammlung von der Schließung erfahren. Die offenen Aufträge werden noch abgearbeitet, und die Fertigung fährt Schritt für Schritt herunter. Die Kündigungen kommen deshalb nicht für alle auf einmal.
Nach der Nachricht passierte dann etwas Ungewöhnliches: Kunden bestellten in Massen. Am 8. Oktober brach der Onlineshop zeitweise zusammen, und es gingen auch größere Bestellungen ein. An der Entscheidung ändert das nichts. Der für den 7. November geplante Kahlaer Porzellanmarkt fällt ebenfalls aus.
Vom DDR-Kombinat bis zur dritten Pleite
In der DDR war Kahla ein Schwergewicht. Das Kombinat zählte 17 Betriebe mit rund 18.000 Beschäftigten. Nach der Wende folgten harte Umbrüche und eine erste Insolvenz. 1994 entstand daraus die Kahla/Thüringen Porzellan GmbH.
Im März 2020 meldete das Unternehmen nach einem gescheiterten Großprojekt erneut Insolvenz an. Etwa ein halbes Jahr später übernahm Geschäftsführer Daniel Jeschonowski die Firma, die damals noch rund 250 Mitarbeiter hatte. Im Februar 2026 folgte wegen sinkender Aufträge und hoher Energiekosten das nächste Verfahren. Diesmal fand sich kein Retter mehr.
Kahla ist kein Einzelfall. Auch andere Porzellanhersteller bauen Stellen ab oder schließen Werke, und Thüringen verliert gerade einen Industriestandort nach dem anderen. Eine bekannte Marke allein rettet am Ende keinen Betrieb, wenn die Produktion zu teuer ist.
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