280.000
Kunden
Sicherer
Versand
19.10.2026
08:16 Uhr
KI-generiert

Gekaufte Wahrheit? Forscherin rechnet mit der modernen Uni ab

Gekaufte Wahrheit? Forscherin rechnet mit der modernen Uni ab
Symbolbild: KI-generiert

Die Stockholmer Pädagogin und Ideenhistorikerin Susanne Dodillet stellt das Selbstbild der Universität grundsätzlich infrage. Auf einem Symposium am 10. und 11. Oktober 2026 vertrat sie die These, die moderne Hochschule sei kein freier Raum des Denkens. Sie sei vielmehr ein Werkzeug der Steuerung, geprägt von denen, die die Forschung bezahlen.

Vom Elfenbeinturm zur Messmaschine

Grundlage des Vortrags ist ihr Buch „Historien om det moderna universitetet“. Es ist im April 2026 im schwedischen Celanders-Verlag erschienen und knapp 300 Seiten stark. Am Beispiel Schwedens zeichnet Dodillet nach, wie die Universität im 20. Jahrhundert ihr humanistisches Herz verloren habe.

An die Stelle der zweckfreien Reflexion seien nach ihrer Darstellung die Sozialwissenschaften getreten. Ihr Ziel: die Gesellschaft vermessen, vergleichen und lenken. Dodillet verfolgt diesen Wandel anhand zweier Männer. Der eine ist Gösta Bagge, Professor für Sozialpolitik und einst Vorsitzender der konservativen schwedischen Rechtspartei. Der andere ist Torsten Husén, einer der Väter der schwedischen Einheitsschule. Laut Verlagsbeschreibung standen beide den großen Kapitalisten ihrer Zeit ebenso nahe wie der politisch-bürokratischen Elite.

Wer zahlt, bestimmt die Fragen

Den entscheidenden Anstoß sieht die Forscherin bei der amerikanischen Forschungsphilanthropie. Mit gewaltigen Summen sei eine empirische Sozialwissenschaft aufgebaut worden, deren Zweck soziale Kontrolle gewesen sei. Der Mechanismus dahinter wirkt fast banal: Sobald eine soziale Frage zur Messgröße wird, verliert sie ihren moralischen und politischen Charakter. Übrig bleibt ein technisches Problem, das Experten „lösen“.

Wer die Vermessung finanziere, lege nach Dodillets Lesart zugleich fest, was überhaupt als Problem gilt und wohin die Lösung führen soll. Auch den Wohlfahrtsstaat beschreibt sie als janusköpfig: Er kümmere sich um die Bürger und nehme ihnen gleichzeitig die Kraft zum Widerstand gegen eine Bündelung von Macht. Ist das zu weit hergeholt? In Zeiten steigender Staatsquoten sollte man diese These jedenfalls nicht vorschnell abtun.

Korruption ohne Bestechungsgeld

Gemeint ist keine Korruption im strafrechtlichen Sinn. Dodillet spricht von einer strukturellen Verzerrung. Nicht die Qualität eines Gedankens entscheide darüber, welche Fragen gestellt werden und welche Antworten Gewicht bekommen. Das täten die Interessen der Geldgeber. Den guten Ruf der freien Wissenschaft hält sie dabei für die perfekte Tarnung.

Heute setze sich diese Entwicklung durch Digitalisierung und immer dichtere Datenerhebung fort. Schon im Mai 2025 hatte Dodillet die Hochschulen im Interview mit dem schwedischen Portal NewsVoice als zunehmend propagandistische Instrumente einer wirtschaftlichen Elite bezeichnet. Durch einseitig verteilte Fördermittel werde ihrer Ansicht nach etwa in der Klimaforschung nur der Anschein eines Konsenses erzeugt. Mit dieser Behauptung dürfte sie in der Fachwelt auf heftigen Widerspruch stoßen.

Und wie sieht es in Deutschland aus?

Ein Blick auf die Zahlen ist aufschlussreich. Laut Statistischem Bundesamt haben die deutschen Hochschulen 2024 rund 10,7 Milliarden Euro an Drittmitteln eingeworben. Größter Geldgeber war der Bund mit 3,4 Milliarden Euro, gefolgt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit 3,2 Milliarden. Aus der gewerblichen Wirtschaft kamen 1,7 Milliarden Euro.

Wer Förderprogramme ausschreibt, setzt Themen, ob Klimaneutralität, Transformation oder Diversität. Kritiker halten es nicht für einen Zufall, dass ganze Forschungsfelder im Gleichschritt mit politischen Prioritäten wachsen. Unabhängige Grundlagenforschung muss sich dagegen oft hinten anstellen.

Unbequem, aber überfällig

Die Schwächen ihrer Zuspitzung räumen selbst wohlwollende Leser ein. Der Göteborger Ideenhistoriker Sven-Eric Liedman lobt das Buch als gut geschrieben und anregend. Er betont aber, man müsse nicht jede ihrer Thesen unterschreiben. Der Organisationsforscher Mats Alvesson nennt die Analyse scharf und aufschlussreich.

Dodillet will das System nicht reparieren, sondern ein Trugbild entzaubern. Ihre Botschaft verdient Gehör, gerade in einem Land, in dem die Politik gern „der Wissenschaft“ folgt: Wer verstehen will, warum eine Studie zu einem bestimmten Ergebnis kommt, sollte zuerst fragen, wer sie bezahlt hat. Eigenständiges Denken ersetzt kein Gutachten, doch ohne eigenes Urteil wird jedes Gutachten zur Glaubensfrage.

Wissenswertes zum Thema

Erhalten Sie kostenlose Tipps um Ihr Vermögen zu schützen und als erster von neuen Produkten zu erfahren

Sie möchten regelmäßig über Produktneuheiten, spannende Finanznachrichten und exklusive Sonderangebote informiert werden? Dann melden Sie sich hier für den kostenfreien Kettner Edelmetalle Newsletter an.

Durch Eingabe Ihrer E-Mail-Adresse und Anklicken des Buttons „Abschicken“ geben Sie die folgende Einwilligungserklärung ab: „Ich bin damit einverstanden, per E-Mail über Produktneuheiten, spannende Finanznachrichten und exklusive Sonderangebote informiert zu werden und willige daher in die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse zum Zwecke der Zusendung des Newsletters ein. Diese Einwilligung kann ich jederzeit und ohne Angabe von Gründen mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Die Rechtmäßigkeit der bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung bleibt im Falle des Widerrufs unberührt.“