
Gold-Gipfel in Sorrento: Profis setzen auf 5.000 Dollar und mehr

Monatelang hat der Goldpreis gelitten, die Stimmung der Branche hat das trotzdem nicht gedreht. Auf der Jahreskonferenz der London Bullion Market Association (LBMA), die Anfang Oktober im italienischen Sorrento stattfand, sagten die Delegierten für die kommenden zwölf Monate einen Goldpreis von gut 5.000 US-Dollar je Unze voraus. Am wichtigsten war dort allerdings nicht die Zahl, sondern die Frage, welche Rolle Gold im Finanzsystem künftig spielt.
Schwache Monate, ungebrochene Zuversicht
Seit dem Frühjahr bremsen steigende Anleiherenditen und eine hartnäckige Inflation das Edelmetall. Medienberichten zufolge hat der Krieg zwischen den USA und dem Iran die Ölpreise nach oben getrieben. Die Notenbanken halten deshalb an ihrem straffen Kurs fest. Langlaufende Staatsanleihen rentieren laut diesen Berichten so hoch wie seit rund 20 Jahren nicht mehr.
Bewegen ließen sich die Profis davon nicht. Laut der traditionellen Umfrage unter den Konferenzteilnehmern erwarten sie in einem Jahr einen Goldpreis von 5.013,30 Dollar. Gemessen an zuletzt rund 4.163 Dollar wäre das ein Plus von etwa 20 Prozent. Für Silber nennt die Umfrage ein Ziel von 97 Dollar. Ganz ohne Haken ist die Prognose nicht: Schon im Vorjahr hatten die Delegierten fast 5.000 Dollar vorhergesagt und lagen damit deutlich daneben.
Der eigentliche Treiber: Staaten, die sich überschulden
Über die Konferenz hinweg kam ein Thema immer wieder auf: die Staatsverschuldung. Regierungen in aller Welt leihen sich weiter Geld, als gäbe es kein Morgen. Immer mehr Investoren fragen sich, wie lange das noch gut geht.
Höhere Renditen machen das zinslose Gold kurzfristig weniger attraktiv. Sie können aber auch ein Warnsignal sein, denn Anleger verlangen höhere Aufschläge, wenn sie der Kreditwürdigkeit eines Staates weniger trauen. Deutsche Leser kennen das Muster: Die Bundesregierung hat ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro beschlossen, obwohl vor der Wahl ein solider Haushalt versprochen worden war. Aus Sicht von Kritikern bezahlen diese Rechnung später Steuerzahler und kommende Generationen.
Notenbanken greifen zu
Bundesbank-Präsident Joachim Nagel wies darauf hin, dass Gold inzwischen fast ein Viertel der weltweiten Zentralbankreserven ausmache. Ein großer Teil dieses Anstiegs gehe zwar auf die gestiegenen Preise zurück und nicht auf neue Käufe. Die Richtung ist trotzdem eindeutig. Die Notenbanken prüfen neu, welchen Platz Gold in einer geopolitisch unsicheren Welt einnehmen soll.
Ein Beispiel liefert China: Die Volksbank kaufte Berichten zufolge allein im September 21 Tonnen Gold. Das war ihre größte Monatsmenge seit drei Jahren. Für den Kauf sprechen vor allem drei Eigenschaften des Metalls:
- Kein Ausfallrisiko: Gold ist kein Zahlungsversprechen eines Schuldners und kann deshalb nicht platzen.
- Kein Zugriff von außen: Physische Bestände kann ein anderer Staat nicht ohne Weiteres einfrieren oder sperren.
- Kein politischer Spielball: In einer zerfallenden Weltordnung ist Gold neutral.
Tokenisierung: digitales Gold mit offenen Fragen
In Sorrento ging es auch um die Technik. Digitale Plattformen könnten Gold leichter handelbar und übertragbar machen und es als Sicherheit für Kredite nutzbar machen. Damit stünde das Metall mehr Anlegern offen.
Offen sind dabei noch Regulierung, Verwahrung und Vertrauen. Und wer schon einmal erlebt hat, wie schnell Plattformen schließen oder Konten gesperrt werden, hält sich weiter an eine einfache Regel: Gold, das man selbst besitzt, kann einem niemand abschalten.
Fazit: Wichtiger als die nächste Zinsentscheidung
Wo der faire Goldpreis heute liegt, darüber lässt sich streiten. Die Konferenz in Sorrento hat aber gezeigt, worauf es langfristig ankommt. Die Zukunft des Goldes hängt weniger von der nächsten Sitzung der US-Notenbank Federal Reserve ab als von der Frage, ob die Welt dem Papiergeld und den Staatsfinanzen noch vertraut. Wenn dieses Vertrauen weiter schwindet, sind physisches Gold und Silber eine sinnvolle Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar. Jeder Anleger muss selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen selbst verantwortlich.
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