
Gratis-Wahn auf Pump: Warum Subventionen die Inflation befeuern

Kostenloser Nahverkehr, staatlich verbilligtes Wohnen, Tankrabatte: Quer durch Europa und die USA überbieten sich Politiker mit Geschenken an die Wähler. Die Staatskassen sind dabei längst leer. Ein aktueller Kommentar der „NZZ am Sonntag“ warnt, dass ausgerechnet diese Wohltaten die Teuerung weiter anheizen könnten. Am härtesten träfe das die Ärmsten.
Schulden einfach „verbrennen“?
Den Ton gibt in Frankreich der Linkspolitiker Jean-Luc Mélenchon vor. Seinem Land, das auf einem Rekordberg an Schulden sitzt, verordnet er keinen Sparkurs. Stattdessen sollen dem Bericht zufolge 600 Milliarden Euro an Staatsanleihen, die bei der Banque de France liegen, schlicht gestrichen werden. Die Zentralbank müsste den Verlust dann in ihrer Bilanz verbuchen.
Man könnte das als Fantasterei abhaken. Doch Mélenchon werden durchaus Chancen eingeräumt, bei der nächsten Präsidentschaftswahl auf Platz zwei zu landen. Dazu fordert er eine Erbschaftssteuer von 100 Prozent auf alles, was über 12 Millionen Euro hinausgeht. Wer mehr vererbt, würde den Rest komplett an den Staat abgeben.
Die Generation, die vom Staat alles erwartet
„The Economist“ hat für diese Strömung ein griffiges Etikett gefunden: „Gen-Z-Sozialismus“. Besonders junge Menschen erwarteten demnach immer mehr vom Staat. Laut einer Gallup-Umfrage sehen 57 Prozent der jungen Amerikaner den Sozialismus positiv. Die Wahlerfolge von New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani und der Linken in Berlin passen ins Bild.
Auch die Schweiz bleibt nicht verschont. Die Westschweizer Bewegung „Agissons!“ sammelt Medienberichten zufolge seit Anfang Oktober Unterschriften für eine Volksinitiative: Bus und Tram sollen für alle gratis werden. Junge, Rentner und Geringverdiener sollen gleich den gesamten öffentlichen Verkehr kostenlos nutzen. Veranschlagter Preis: mindestens acht Milliarden Franken pro Jahr.
Und die Konservativen? US-Präsident Donald Trump stellt laut dem Bericht jedem Erwachsenen 5000 Dollar in Aussicht, falls seine Partei die Zwischenwahlen gewinnt. Das Füllhorn kennt offenbar keine Parteigrenzen.
Der Brandstifter spielt Feuerwehr
Der Nährboden dafür ist die Inflation, die einfach nicht verschwinden will. In den USA liegt die Jahresteuerung laut dem Bericht bei 3,7 Prozent, in Deutschland bei 3,3 Prozent. Die Ökonomin Isabella Weber, die auch Mamdani beraten hat, wirbt für eine „universelle Daseinsvorsorge“ und nennt das eine „antifaschistische Wirtschaftspolitik“. Als Preistreiber macht sie die Reichen mit ihrem Profitstreben aus.
Der Kommentar hält dagegen: Die Preise steigen vor allem wegen der Staaten selbst. Ihre auf Pump finanzierten Ausgabenprogramme pumpen Geld in die Wirtschaft, und wenn zu viel Geld auf zu wenige Güter trifft, entsteht Inflation. Die Schweiz mit ihrer geringen Verschuldung hat seit Jahren die niedrigsten Teuerungsraten. Argentinien zeigt, wohin es führt, wenn ein Staat dauerhaft mehr ausgibt, als er einnimmt, und obendrein Energie, Wasser und Transport subventioniert.
Der Taschendieb der kleinen Leute
Der frühere CDU-Arbeitsminister Norbert Blüm nannte die Inflation einst den „Taschendieb der kleinen Leute“. Ein Satz, der in Berlin offenbar in Vergessenheit geraten ist. Der Internationale Währungsfonds kommt laut dem Bericht zu einem ernüchternden Ergebnis: Von jedem Euro, den Europas Regierungen zur Verbilligung von Strom, Gas und Benzin ausgaben, landeten nur 20 Cent bei den wirklich Bedürftigen. Deutsche Autofahrer erinnern sich noch an den Tankrabatt von 2022.
Und Deutschland? Die Merz-Regierung, angetreten mit dem Versprechen solider Finanzen, schiebt ein 500-Milliarden-Sondervermögen auf Schulden an. Kritiker sehen darin genau jene Politik, die die Finanzmärkte nervös macht und die Zinsen treibt. Sparen bringt eben keinen Applaus. Die Rechnung zahlen die Sparer, die Geringverdiener und die Kinder von heute.
Fazit: Schulden verschwinden nicht durch Zauberei
Ob in Paris, New York oder Genf: Noch nie hat es funktioniert, Schulden einfach wegzuzaubern. Wer sein Erspartes vor dem schleichenden Wertverlust schützen will, verlässt sich besser nicht auf politische Versprechen. Physisches Gold und Silber haben über Jahrhunderte gezeigt, dass sie ihren Wert halten, während Papierwährungen an Kaufkraft verlieren. Als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen können sie deshalb eine sinnvolle Absicherung sein.
Hinweis: Dieser Beitrag stellt keine Anlageberatung dar. Er gibt die Meinung unserer Redaktion auf Basis der uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Leser sollte sich selbst informieren und trägt für seine Anlageentscheidungen allein die Verantwortung.
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