
Hybrid-Deal in Peking: China drosselt Autoexporte nach Europa

Kurz vor dem Handelskrieg zieht Peking die Handbremse. Nach zähen Verhandlungen in der chinesischen Hauptstadt hat EU-Handelskommissar Maros Sefcovic am 9. Oktober 2026 eine Einigung verkündet. Chinas Hybridauto-Exporte in die Europäische Union sollen demnach um mehr als die Hälfte sinken. Das klingt nach einem Durchbruch, ist aber vorerst nur eine Atempause.
Millionen Autos weniger in vier Jahren
Laut Sefcovic, der mit Chinas Handelsminister Wang Wentao verhandelte, würden über einen Zeitraum von vier Jahren „mehrere Millionen“ Hybrid- und Plug-in-Hybridfahrzeuge weniger aus China nach Europa kommen. Es sei das erste Mal, dass China einer Mäßigung seiner Exporte zustimme, ohne dass es vorher zu offenen Handelsspannungen gekommen sei. Beide Seiten halten die Vereinbarung nach eigenen Angaben für vereinbar mit den Regeln der Welthandelsorganisation.
Bemerkenswert ist, dass Peking in einer eigenen Erklärung zwar von einer Einigung sprach, Zahlen aber nicht nannte. Wer Chinas Handelspolitik kennt, wird bei dieser Lücke hellhörig.
Dazu kommen weitere Zusagen. China wolle EU-Anträge auf Exportlizenzen für Seltene Erden schneller bearbeiten und den Marktzugang für Autoteile, Olivenöl und Textilien verbessern. Laut Sefcovic gehe es dabei um ein aktuelles Exportvolumen von fast 4 Milliarden Euro. Der Hybrid-Kompromiss ist Berichten zufolge einer von insgesamt 16 Punkten der gemeinsamen Erklärung.
Die Zoll-Lücke, durch die China rollte
Wie kam es so weit? Seit Oktober 2024 erhebt Brüssel Sonderzölle auf chinesische Elektroautos, je nach Hersteller zwischen 17 und 35,3 Prozent zusätzlich zum Basiszoll von 10 Prozent. Deutschland stimmte damals übrigens dagegen. Für Hybride galten aber weiterhin nur die regulären 10 Prozent. Hersteller wie BYD und MG wichen deshalb auf diese Modelle aus.
Wie stark, zeigen die Zahlen: Medienberichten zufolge stiegen die Hybrid-Importe aus China von rund 3.800 Fahrzeugen im Oktober 2024 auf 50.000 im Juli dieses Jahres. Das ist mehr als das Zehnfache. Gleichzeitig sind Hybride inzwischen das größte Segment am EU-Automarkt, im August machten sie mehr als 44 Prozent der Neuzulassungen aus.
VW-Chef Oliver Blume warnte vor wenigen Wochen:
„Chinesische Hersteller drängen aggressiv auch nach Europa und gewinnen schnell Marktanteile.“
Nach seinen Angaben kam im zweiten Quartal jeder dritte in Europa verkaufte Plug-in-Hybrid von einem chinesischen Hersteller.
Brüssel droht, Peking lenkt ein
Ganz freiwillig kam die Einigung nicht zustande. Diplomaten zufolge hatte China eine Selbstbeschränkung lange abgelehnt. Brüssel drohte daraufhin mit einer befristeten Schutzmaßnahme, also Einfuhrquoten und hohen Zöllen auf alles, was darüber hinausgeht. Ziel der EU sei es, den chinesischen Marktanteil bei Hybriden auf etwa 15 Prozent zu begrenzen und das Handelsdefizit von rund einer Milliarde Euro pro Tag einzudämmen.
Verhaltene Freude bei Industrie und Politik
Der Verband der Automobilindustrie spricht von einem ersten positiven Signal. Eine abschließende Bewertung sei nach Angaben von VDA-Präsidentin Hildegard Müller aber erst möglich, wenn Details und Auswirkungen bekannt seien. Noch deutlicher wurde Bernd Lange (SPD), der Vorsitzende des Handelsausschusses im EU-Parlament:
„Es sind erste Fortschritte sichtbar, aber ein zentraler Durchbruch war das noch nicht.“
Unser Fazit: Die eigentlichen Probleme liegen in Europa
Den Erfolg in Peking sollte man nicht zu hoch hängen. Aus Sicht unserer Redaktion war die Hybrid-Welle die absehbare Folge einer Brüsseler Industriepolitik, die jahrelang einseitig auf Elektromobilität setzte und damit ausgerechnet dem Weltmarktführer bei Batterien den Weg bereitete. Ein Exportlimit kann den Druck mindern, wettbewerbsfähig macht es Europas Autobauer nicht.
Dafür bräuchte es bezahlbare Energie, weniger Bürokratie und Technologieoffenheit, und genau dort hakt es in Deutschland noch immer. Dass Europa bei den Seltenen Erden weiter auf schnellere Genehmigungen aus Peking hofft, zeigt außerdem, wie abhängig der Kontinent geworden ist. Diese Abhängigkeit beseitigt der Kompromiss nicht, er macht sie nur für eine Weile weniger spürbar.
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