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Kasachstan verkauft Gold: Kapitulation oder cleverer Schachzug?

Kasachstan verkauft Gold: Kapitulation oder cleverer Schachzug?
Symbolbild: KI-generiert

Kasachstans Notenbank, bisher einer der eifrigsten Goldkäufer der Welt, verkauft jetzt Gold. Bis Ende des Jahres soll der Goldanteil an den Devisenreserven um rund drei Prozentpunkte sinken. Den Ausschlag geben die stark gestiegenen Renditen amerikanischer Staatsanleihen.

Ist das der Anfang vom Ende der großen Goldrally? Wer genauer hinschaut, kommt zu einem anderen Ergebnis.

Wenn Anleihen plötzlich wieder Zinsen bringen

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg in der vergangenen Woche auf den höchsten Stand seit 24 Jahren. Damit verändert sich die Rechnung für Notenbanken. Gold wirft keine Zinsen ab. Treasuries tun es inzwischen wieder, und zwar kräftig.

So begründet die stellvertretende Notenbankchefin Aliya Moldabekova den Kurswechsel in einem Interview. Solche Niveaus habe man lange nicht gesehen. Das mache den Dollar attraktiv und schwäche Gold als Anlage.

Der Plan sieht so aus: Der Goldanteil an den Reserven soll von derzeit etwa 78 Prozent auf 75 Prozent sinken. Die Hälfte davon soll über den Verkauf von Optionen laufen, die andere Hälfte über den Verkauf physischen Metalls.

386 Tonnen Gold, das sind 78 Prozent der Reserven

Kasachstan ist weltweit der achtgrößte Goldproduzent. Die Nationalbank darf die gesamte Förderung des Landes aufkaufen. Seit sie im Februar des vergangenen Jahres ihre Verkäufe einstellte, wuchs ihr Bestand nach Angaben Moldabekovas auf 386 Tonnen. In den Daten des World Gold Council lag Kasachstan in den ersten acht Monaten des Jahres 2026 auf Platz vier der größten Käufer.

Die Devisenreserven lagen Ende September bei 66,4 Milliarden Dollar. Fast vier Fünftel davon stecken in Gold. Die Vizechefin hält diesen Anteil selbst für zu hoch. Ihr Portfolio ähnele allmählich einer Anlage in nur einer einzigen Assetklasse, sagte sie. Und Reserven müssten jederzeit liquide bleiben.

Bemerkenswert ist ein Detail am Rande: Falle der Goldpreis unter 4.000 Dollar je Unze, sinke der Anteil womöglich von selbst in Richtung Zielmarke. Dann müsse man kaum noch verkaufen.

Der Iran-Krieg hat den Goldmarkt durcheinandergebracht

Seit Jahren kaufen Notenbanken Gold in großen Mengen. Diese Käufe waren eine der wichtigsten Stützen der Rally. Den ersten Schub gab es nach der Finanzkrise. Richtig Fahrt nahm der Trend auf, als westliche Regierungen 2022 einen großen Teil der russischen Devisenreserven einfroren. Für viele Staaten war das eine Lehre: Was im Ausland liegt, ist im Ernstfall nicht sicher.

Der Krieg zwischen den USA und dem Iran, der Ende Februar begann, hat das Bild verändert. Die Energieimporte wurden teurer, und weltweit stieg der Bedarf an Dollar, um sie zu bezahlen. Schon früher im Jahr hatten die Türkei und Russland einen Teil ihres Goldes verkauft. Die Unterbrechungen der Energieversorgung aus dem Nahen Osten treiben die Inflation und damit auch die Anleiherenditen.

Seit Kriegsbeginn hat Gold rund ein Fünftel verloren. Im Januar war der Preis noch auf ein Rekordhoch von 5.600 Dollar je Unze gestiegen, auch weil Trumps radikale Politik die Märkte aufwühlte. Zuletzt notierte Gold in London bei 4.172,35 Dollar. Seit Juni bewegt sich der Preis in einer recht engen Spanne zwischen etwa 4.000 und 4.300 Dollar.

Die Verkäuferin erwartet selbst steigende Preise

Das Erstaunliche an der Geschichte: Moldabekova selbst rechnet mit steigenden Preisen. Marktprognosen zufolge werde Gold weiter zulegen, sagte sie. Deshalb plane man lieber nicht zu weit voraus.

„Da weiterhin erhebliche Unsicherheit herrscht, erwarten wir dennoch einen leichten Anstieg des Goldpreises.“

Kasachstan steigt also nicht aus Gold aus. Das Land schichtet vorsichtig um, und Gold bleibt mit drei Vierteln der Reserven klar die wichtigste Anlage. Unterm Strich kauften die Notenbanken nach Zahlen des World Gold Council auch in diesem Jahr weiter Gold. Vorne lagen dabei Polen, China und Usbekistan.

Für Privatanleger ist das eine nützliche Lehre. Selbst eine Notenbank, die Gold gezielt verkauft, behält den größten Teil und rechnet mit steigenden Preisen. Physisches Gold und Silber können deshalb als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen sinnvoll sein, gerade in Zeiten von Krieg, Inflation und wachsenden Staatsschulden.

Hinweis: Dieser Beitrag ist keine Anlageberatung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Finanzprodukten oder Edelmetallen. Er gibt die Meinung unserer Redaktion und die uns vorliegenden Informationen wieder. Jeder Anleger sollte sich selbst informieren und trifft seine Anlageentscheidungen in eigener Verantwortung.

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