
Nordkoreaner auf Russlands Baustellen? EU sanktioniert Bau-Riesen Samolet!

Brüssel trifft das Herz der russischen Bauwirtschaft. Seit Montag, dem 12. Oktober, steht die Samolet Group auf der EU-Sanktionsliste. Gemessen an der laufenden Baufläche ist sie Russlands größter Wohnungsentwickler. Der Vorwurf des EU-Rats: Auf Baustellen in Wladiwostok sollen nordkoreanische Arbeiter eingesetzt worden sein.
Ungewöhnlich ist der Fall, weil es diesmal nicht um Raketen, Drohnen oder Munition geht. Es geht um Beton, Wohnblöcke und um Arbeiter, die eigentlich gar nicht dort sein dürften.
Arbeiter als Devisenquelle für Kim Jong-un
Laut EU-Rat soll Samolet gegen Sanktionen des UN-Sicherheitsrats verstoßen haben. Die verbieten den Einsatz nordkoreanischer Arbeitskräfte im Ausland. Der Rechtsakt beruft sich auf die UN-Resolution 2397 aus dem Jahr 2017. Danach müssen Staaten Arbeiter aus Nordkorea grundsätzlich in ihre Heimat zurückschicken.
Dahinter steckt eine einfache Rechnung. Was diese Menschen im Ausland verdienen, landet nach Einschätzung der EU zu großen Teilen in Pjöngjang. Dort könnte das Geld in das Atomwaffen- und Raketenprogramm des Regimes von Kim Jong-un fließen. Jeder Rubel von einer russischen Baustelle wäre dann ein Beitrag zur nordkoreanischen Aufrüstung.
Ein Gigant mit 4,53 Millionen Quadratmetern im Bau
Samolet ist kein kleiner Fisch. Nach dem aktuellen Ranking des russischen Branchenportals ERZ baut der Konzern derzeit rund 4,53 Millionen Quadratmeter Wohnfläche, verteilt auf 61 Wohnkomplexe und 228 Mehrfamilienhäuser. Kein anderer Wohnungsbauer in Russland kommt auf so viel. Auch die russische Ratingagentur ACRA bestätigt die Spitzenposition und zählt mehr als 100 Projekte.
Die Folgen der Listung sind hart. Vermögenswerte und wirtschaftliche Ressourcen von Samolet in der EU werden eingefroren. Europäische Firmen und Bürger dürfen dem Konzern weder direkt noch über Umwege Geld oder andere Mittel zukommen lassen. Auch Vorstandschefin Anna Akinshina steht persönlich auf der Liste.
Waffen gegen Öl: Die Achse Moskau–Pjöngjang
Formal gehört die Maßnahme zum EU-Sanktionsregime gegen Nordkorea, nicht zum Russland-Paket. Beide Beschlüsse kamen aber am selben Tag, und das ist kein Zufall. Die EU verweist ausdrücklich auf die immer engere Zusammenarbeit zwischen Moskau und Pjöngjang. Genannt werden gemeinsame Wirtschaftsprojekte und ein Handel nach dem Muster „arms for oil“, also Waffen gegen Öl.
Weitere Firmen stehen nun ebenfalls auf der Liste:
- Black Horse, eine russische Handels- und Agrarholding, die nach eigenen Angaben Getreide, Pflanzenöle und andere Lebensmittel nach Nordkorea liefert. Das Land gelte dort sogar als wichtiger Zielmarkt.
- Golden Autumn Agroholding, eine Tochter von Black Horse. Laut EU-Rat ist sie an einem gemeinsamen Industrie- und Investitionsprojekt mit nordkoreanischen Partnern beteiligt.
- Paekyangsan Shipping, eine nordkoreanische Reederei. Sie soll raffinierte Ölprodukte aus Russland nach Nordkorea gebracht haben.
Rekordpaket: 826 Firmen und 743 Manager
Parallel haben die EU-Außenminister in Luxemburg das 22. Sanktionspaket gegen Russland beschlossen. Neu gelistet werden 826 Unternehmen und 743 Führungskräfte. EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas spricht Medienberichten zufolge von der größten Erweiterung der Liste seit Kriegsbeginn.
Pikant: Brüssel stützt sich dabei auf eine Liste der russischen Regierung selbst, die diese Firmen dem militärisch-industriellen Komplex zuordnet. Deshalb trifft es auch Namen, die man eher mit zivilen Produkten verbindet, etwa den Uhrenhersteller Vostok, den Reifenproduzenten Kordiant, Severstal Kanaty und die Handels- und Finanzgesellschaft von Kamaz.
Und was bringt das wirklich?
Mehr als vier Jahre und 22 Pakete nach dem Überfall auf die Ukraine bleibt eine unbequeme Frage. Brüssel legt immer neue Listen vor, doch die Achse zwischen Moskau und Pjöngjang wird nicht schwächer, sondern stärker. Kritiker sehen darin den Beleg, dass Sanktionen allein keinen Krieg beenden. Und die Rechnung zahlen oft auch europäische Unternehmen, die jedes neue Paket mühsam umsetzen müssen.
Der Fall Samolet zeigt aber, wie eng die autoritären Staaten inzwischen zusammenarbeiten. Es geht nicht mehr nur um Waffen, sondern um Arbeitskräfte, Getreide, Öl und Baustellen. Die Welt zerfällt weiter in Blöcke, und Europa steht mittendrin.
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