
Notenbanken im Goldfieber: China kauft, die Welt zieht nach!

Die Zentralbanken der Welt hören nicht auf, Gold zu horten. Nach Angaben des World Gold Council (WGC) haben die Notenbanken im August netto 39 Tonnen gekauft, allen voran China mit 20 Tonnen. Seit Jahresbeginn sind es damit bereits 170 Tonnen, und ein Ende ist nicht in Sicht.
Hinter China folgen laut WGC Usbekistan und Polen mit jeweils 8 Tonnen. Beide Länder kaufen seit Jahren regelmäßig zu. Für Anleger steckt in den Zahlen mehr als Statistik: Sie zeigen, wer am Goldmarkt dauerhaft auf der Käuferseite steht.
Die Käufer, die nicht auf den Preis schauen
Ein einzelner Monat sagt dabei wenig aus. Wichtiger ist, dass die Käufe nicht abreißen. Notenbanken handeln nicht wie Spekulanten, sondern arbeiten mehrjährige Reservepläne ab. Fällt der Preis, verkaufen sie nicht panisch. Steigt er, nehmen sie keine Gewinne mit.
Darin liegt der Unterschied zu ETF-Anlegern und Terminhändlern, deren Kapital oft innerhalb weniger Tage wieder abfließt. Das Gold der Staaten bleibt dagegen meist für Jahrzehnte im Tresor.
Bundesbank-Chef Nagel: Gold kann niemand einfrieren
Den Grund dafür sprach Bundesbank-Präsident Joachim Nagel auf der Edelmetallkonferenz der LBMA im italienischen Sorrent ungewöhnlich offen aus. Die Welt sei zersplitterter und schwerer berechenbar geworden. Das werfe grundsätzliche Fragen zur Rolle von Gold in den Währungsreserven auf. Medienberichten zufolge sagte er:
„The case for further diversification into gold remains significant."
Sinngemäß heißt das, es gebe weiterhin gute Gründe, mehr Gold in die Reserven zu nehmen. Seine Begründung: Physisches Gold im eigenen Land hat kein Gegenparteirisiko und lässt sich nicht sperren. Ausländische Wertpapiere oder Guthaben können dagegen durch Sanktionen eingefroren werden. Seit dem Einfrieren russischer Devisenreserven nach dem Angriff auf die Ukraine nehmen Notenbanken dieses Risiko deutlich ernster.
Deutschlands Goldschatz und die Frage nach dem Lagerort
Die Bundesbank hält nach Nagels Angaben mehr als 3.500 Tonnen Gold und ist damit der zweitgrößte staatliche Goldbesitzer der Welt. Ein großer Teil davon lagert allerdings bis heute in New York und London. Wenn Nagel selbst betont, wie wertvoll Gold im eigenen Land ist, dürfte die Debatte über eine Rückholung nach Frankfurt wieder Fahrt aufnehmen.
Laut Nagel ist der Goldanteil an den weltweiten Zentralbankreserven von rund 14 Prozent im Jahr 2023 auf fast 25 Prozent gestiegen. Er räumte ein, dass vor allem der höhere Goldpreis diesen Anstieg erklärt. Zum Vergleich: Zur Zeit von Bretton Woods lag der Anteil um 1950 bei fast 70 Prozent.
Rekordzahl bei der Umfrage
Die jüngste WGC-Umfrage stützt den Trend:
- 45 Prozent der Währungsbehörden wollen ihre Goldbestände in den nächsten zwölf Monaten erhöhen. Das ist der höchste Wert seit Beginn der Umfrage.
- 89 Prozent erwarten, dass die weltweiten Goldreserven insgesamt steigen.
- Als Gründe nennen sie den Schutz vor geopolitischen Risiken und den Werterhalt über lange Zeiträume.
Dazu passt eine weitere Sorge: Nagel zufolge erhöhen die wachsenden Staatsschulden das Kreditrisiko von Staatsanleihen. Deutschland trägt mit seinem 500-Milliarden-Sondervermögen selbst kräftig zu diesem Schuldenberg bei.
Hohe Zinsen bremsen, aber weniger als früher
Kurzfristig hat Gold mit Gegenwind zu kämpfen. Seit der letzten Zinserhöhung der US-Notenbank vor etwa einem Monat hat das Metall 6,7 Prozent verloren. Berichten zufolge notiert es um 4.150 Dollar je Unze und damit deutlich unter dem Rekord vom Januar bei rund 5.595 Dollar. Die Renditen langlaufender US-Staatsanleihen liegen weiter nahe ihren mehrjährigen Höchstständen.
Trotzdem hält sich Gold besser, als es die Lehrbücher erwarten lassen. Sergio Nicoletti Altimari, Vizegouverneur der Banca d'Italia, sagte in Sorrent, der früher enge Gegenlauf von Gold und Realzinsen sei seit 2022 schwächer geworden. UBS-Analyst Giovanni Staunovo bezeichnet die Käufe der Notenbanken als anhaltenden strukturellen Rückenwind. Allerdings rechnet das Beratungshaus Metals Focus damit, dass die Nachfrage der Zentralbanken in diesem Jahr um rund 15 Prozent auf etwa 720 Tonnen zurückgeht.
Was jetzt auf Anleger zukommt
An diesem Mittwoch veröffentlicht die Fed das Protokoll ihrer Sitzung von Mitte September. Am 14. Oktober folgen die US-Verbraucherpreise. Fällt die Inflation überraschend aus, wirkt sich das über Dollar und Anleiherenditen sofort auf den Goldpreis aus. Hinzu kommen die Spannungen im Nahen Osten.
Unser Fazit: Wenn selbst die Notenbanken auf Gold setzen, weil es keinem Schuldner vertrauen muss, sollten auch Privatanleger darüber nachdenken. Physisches Gold und Silber können als Beimischung in einem breit gestreuten Vermögen zur Absicherung beitragen.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschließlich der allgemeinen Information und ist keine Anlageberatung. Jeder Anleger sollte selbst recherchieren und ist für seine Anlageentscheidungen allein verantwortlich.












